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Internetnutzung

Forschungsprojekt: „Internet und seelische Gesundheit“

Webnutzung als Auslöser für psychische Erkrankungen? Eine Studie der Daimler und Benz Stiftung will Antworten liefern. Foto: Jeanette Dietl / Fotolia
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Nimmt die Nutzung des Internets Einfluss auf die seelische Gesundheit – oder werden dadurch gar psychische Erkrankungen hervorgerufen? Ein interdisziplinäres Forschungsvorhaben der Daimler und Benz Stiftung will dieser Frage nun nachgehen.

Bahnbrechende technische Umwälzungen veränderten nicht nur die Alltagsabläufe und Gewohnheiten der Menschen, sondern auch deren Wahrnehmungen, Gefühle, Kommunikationsstrukturen und ihr Selbstbild. Niemals zuvor jedoch wurde derart intensiv über die Auswirkungen auf die seelische Gesundheit einer solchen Entwicklung diskutiert wie nach der Einführung des Internets. Die Psychiatrie sollte bei dieser Diskussion – eigentlich – eine Expertenfunktion übernehmen. Gegenwärtig erweisen sich jedoch die meisten Urteile von Psychiatern und Psychologen mehr von der eigenen Haltung gegenüber moderner Technik als durch empirische Daten und wissenschaftliche Erkenntnisse geprägt.

Psychische aUSWirkungEN der wEBnutzung bisher KAUM ERFORSCHT
Hierfür gibt es Gründe: Eine wissenschaftliche Debatte zu diesem Thema findet innerhalb der Psychiatrie, abseits populistischer Zuspitzungen zum Thema „Internetsucht“ oder inhaltlich verkürzender populärwissenschaftlicher Werke, nicht statt. Gänzlich ungeachtet der Tatsache, dass zahlreiche Einwürfe widerlegt werden können, erfreuen diese sich in den Medien weiterhin großer Beliebtheit. Dieser Mangel an psychiatrischem Wissen über kausale Zusammenhänge zwischen Internetnutzung und seelischer Gesundheit steht in eklatantem Widerspruch zum öffentlichen Interesse an der Thematik.
„Wir wollen in diesem Forschungsvorhaben untersuchen, ob die Technologie Internet psychische Erkrankungen hervorruft oder negativ beeinflusst. Des Weiteren ist es von gesamtgesellschaftlichem Interesse zu eruieren, mit welch wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen wir dieser Entwicklung begegnen könnten – Stichwort maßgeschneiderte Therapien“, erläutert der wissenschaftliche Leiter Dr. Jan Kalbitzer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité Berlin. „Ein weiteres Anliegen unserer interdisziplinären Arbeit ist es zu erforschen, ob tief greifende technische Entwicklungen mit bestimmten Belastungsreaktionen in der Bevölkerung einhergehen und wie diesen im Rahmen der aktuellen Entwicklungen und in Zukunft begegnet werden kann.“
Eine Herausforderung für die nächsten Jahre
Das Problem einer psychiatrisch fachlich angemessenen Herangehensweise liegt dabei vor allem in der Komplexität der Fragestellung begründet: Ist es das Internet an sich, ist es die Schwierigkeit der Anpassung an diese neue Technik oder sind es die mit der technologischen Entwicklung verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen, die möglicherweise zu Erschöpfung und Depressionen führen können? Und weiter: Wie lassen sich die Auswirkungen des Internets auf die seelische Gesundheit in einer Gesellschaft untersuchen, in der Zugang zum Internet so selbstverständlich ist, dass er bereits 2013 durch das Bundesverfassungsgericht als „Grundlage der Lebenshaltung“ anerkannt wurde?
Das interdisziplinäre Förderprojekt „Internet und seelische Gesundheit“ ist auf drei Jahre angelegt. Dabei wird ebenfalls die dringende Frage nach Auswirkungen der Internetnutzung auf die seelische Gesundheit von Erwachsenen verschiedenen Alters sowie dem Umgang mit Internetbezogenen Konflikten in Familien bearbeitet.
Dr. Johannes Schnurr ist Pressesprecher der Daimler und Benz Stiftung.
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