Betriebliche Altersversorgung: Mittelstand zögerlich bei Reform

Betriebliche Altersversorgung

Generali-Studie: Mittelstand zögert bei Reform-Umsetzung

Der Mittelstand begrüßt die Pläne zur Reform der bAV – die neuen Möglichkeiten wollen aktuell aber nur wenige nutzen. Foto: Matthias Zabanski – Fotolia
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Die betriebliche Altersversorgung (bAV) wird reformiert: Mit dem „Betriebsrentenstärkungsgesetz“ soll ihre Attraktivität erhöht und die Marktdurchdringung vorangetrieben werden. Die meisten Mittelständler erwartet laut einer Studie des Versicherers Generali positive Impulse zur Stärkung der bAV – aber bei der Umsetzung in konkrete Angebote herrscht noch Zurückhaltung.
Fast zwei Drittel der Befragten (64 %) rechnen mit steigendem Arbeitnehmer-Interesse an der betrieblichen Altersversorgung. Allerdings hat sich bisher nicht einmal jedes fünfte Unternehmen (17 %) festgelegt, die bAV-Reform zu nutzen und die entsprechenden Angebote 2018 zu erweitern.
Das ergab die aktuelle Studie „Betriebliche Altersversorgung im Mittelstand 2017“ der Generali Versicherungen und des F.A.Z.-Instituts. Seit 2011 veröffentlichen beide Partner die Studienreihe, die auf einer jährlichen, repräsentativen Forsa-Umfrage unter rund 200 bAV-Verantwortlichen in deutschen mittelständischen Unternehmen basiert.
bAV-Anbieter können mit Digitalisierung punkten
Mehr als die Hälfte der befragten Personalverantwortlichen (59 %) erwartet von bAV-Anbietern ganzheitliche digitale Lösungen – also Angebote, bei denen sämtliche Angelegenheiten wie Antragsstellung, Verwaltung und Änderung digital möglich sind, um den komplexen Themen und Kundenwünschen gerecht zu werden. Bei großen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern gaben dies sogar zwei Drittel an. Gleichzeitig sind für 58 % aller Befragten Online-Tools zur Abwicklung und Kontrolle der bAV wichtig. Immerhin ein Viertel erachtet die Möglichkeit mobiler Zugriffe auf die bAV-Verwaltung als relevant.
Mit dem verstärkten Einzug digitaler Anwendungen in die bAV wächst zudem auch die Bedeutung von IT-Sicherheit und Datenschutz. Beides stellt laut 91 % der befragten Personalverantwortlichen hohe Anforderungen an die Administration und Kommunikation der bAV.
Michael Stille, Chief Insurance Officer Pension der Generali Lebensversicherung AG, meint: „Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz und der Digitalisierung verändert sich die betriebliche Altersversorgung im Mittelstand enorm. Auf der einen Seite ist eine steigende Nachfrage zu erwarten, auf der anderen Seite haben Unternehmen hohe Ansprüche an Produkte und digitale Services.“
Die Frage nach der Reform-Umsetzung
Neben dem schon angesprochenen, steigenden Arbeitnehmer-Interesse verbinden die Unternehmen mit der gesetzlichen Neuordnung der Betriebsrente die Hoffnung auf attraktivere bAV-Produkte: Das erklärte mehr als die Hälfte der Befragten (56 %). Einen sinkenden Haftungsumfang für die Arbeitgeber erhoffen sich 44 %, und ein gutes Drittel der Personalverantwortlichen rechnet mit einer Entlastung der Unternehmen bei der Bürokratie und den Vorschriften zur bAV (35 %). Lediglich 13 % der befragten Unternehmen gaben an, dass sie keine positive Wirkung erwarten.
Gleichzeitig ergab die Studie, dass rund zwei Drittel (62 %) der befragten Unternehmen noch nicht wissen, ob der eigene Betrieb die Möglichkeiten des Betriebsrentenstärkungsgesetzes aufgreifen und neue Angebote unterbreiten wird. 18 % von ihnen schließen einen Ausbau des eigenen bAV-Angebots sogar bereits jetzt aus. Nur 17 % der Befragten sagen demgegenüber zu, auf die Gesetzesnovelle positiv zu reagieren und das eigene bAV-Angebot zu erweitern.
Die Betriebe, die sich bereits jetzt zur Angebotserweiterung entschlossen haben, zielen insbesondere darauf ab, den Förderbetrag für Geringverdiener nutzen zu können: Das erklärte rund die Hälfte der Umfrageteilnehmer (47 %). Das „Opt-out-Modell“ hingegen, also die automatische Lohnumwandlung, wollen laut Umfrage derzeit lediglich 18 % der befragten Betriebe nutzen.
Christian Krause ist für die Generali AG in München im Bereich der externen Kommunikation tätig.
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