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So weit sind die Unternehmen beim 5G-Ausbau

5G Mobilfunkstandard
5G-Ausbau in Deutschland: Das ist der aktuelle Stand

5G Mobilfunk aktueller Stand Deutschland
Die vier 5G-Frequenzen-Ersteigerer geben einen Einblick, wie weit der Ausbau des neuen Mobilfunkstandards in Deutschland gediehen ist. Bild: Deyan Georgiev / stock.adobe.com
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Wo steht Deutschland beim Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G? In welchem Anwendungsbereich steckt das höchste Potenzial? Warum hinkt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich hinterher? Wir haben bei den vier Mobilfunkanbietern, die 5G-Frequenzen ersteigert haben – 1&1 Drillisch, Telefónica, Telekom und Vodafone – nachgefragt.

Von unserem Redakteur Thomas Wagner

Inhaltsverzeichnis

Welche Projekte zum 5G-Ausbau laufen aktuell und welche stehen noch an?

Telefónica: Neben der Erforschung von grundsätzlichen Aspekten der Technologie 5G bringen wir uns unter anderem auch in den Bereichen industrielle Anwendungen, Verkehrssteuerung, Rundfunk und Festnetz-Ersatzlösungen ein. Hierzu haben wir bereits vor drei Jahren unser Projekt „TechCity“ in München gestartet – einem realen Testfeld außerhalb von Laboren, bei dem wir technische Aspekte von 5G näher beleuchten, hinterfragen und zusammen mit Partnern aus der Mobilfunkindustrie erforschen. Speziell in Bayern arbeiten wir am Projekt „5G Today“, bei dem wir herausfinden wollen, wie 5G über große Entfernungen für den Broadcast verwendet und optimiert werden kann. Und wir erforschen gemeinsam auf der A9 die Anwendung von 5G im Bereich des vernetzten Fahrens.

Vodafone: Im Juli 2019 hat Vodafone das erste 5G-Netz in Deutschland gestartet, aktuell funken mehr als 150 5G-Antennen in unserem Mobilfunknetz. Bis zum Ende des laufenden Jahres wollen wir 10 Millionen Menschen mit 5G erreichen, bis Ende 2021 dann rund 20 Millionen. Zudem haben wir hierzulande die ersten echten 5G Anwendungen gestartet – für die Industrie und Privatkunden. Gemeinsam mit der e.GO Mobile AG haben wir die erste 5G-Fabrik gestartet, in Wolfsburg das erste 5G-Bundesligastadion. Wir haben mit Airbus ein zwölf Meter großes Luftschiff per 5G aus der Ferne gesteuert. Und wir haben einer blinden Skifahrerin geholfen, mit 5G erstmals alleine die Piste herunterzufahren. In diesem Jahr werden viele weitere Anwendungen folgen, vor allem in der Industrie. Aktuell haben wir gemeinsam mit Total die ersten beiden 5G-Tankstellen in Europa ans Netz genommen.

Vodafone hat in Wolfsburg das erste 5G-Bundesligastadion realisiert

1&1 Drillisch: Aktuell befinden wir uns in Verhandlungen mit potenziellen Partnern für den Netzaufbau. Wenn diese Gespräche abgeschlossen sind, gehen wir in die Detailplanung unseres Netzes. Im nächsten Schritt geht es für uns auch darum, eine Vereinbarung mit den etablierten Netzbetreibern zum Thema National Roaming zu treffen. Als Neueinsteiger können wir vom ersten Spatenstich an auf modernste Technologie setzen. Beim Bau unseres Netzes können wir zudem auf das Glasfasernetz unserer Schwester 1&1 Versatel bauen. Damit bringen wir sehr gute Voraussetzungen mit, um einen erheblichen Beitrag zu leisten, Deutschland zu einem Leitmarkt für 5G zu machen.

Telekom: Aktuell hat die Telekom rund 450 5G-Antennen in Deutschland aufgebaut. 5G ist bereits in acht deutschen Städten – Berlin, Bonn, Hamburg, Darmstadt, Köln, München, Leipzig und Frankfurt – verfügbar. Im laufenden Jahr soll die Zahl der Antennen auf bis zu 1.500 anwachsen und in 20 Städten – darunter alle Landeshauptstädte – verfügbar sein. In allen 5G-Städten wird das Netz im Laufe des Jahres weiter verdichtet. In der Netzplanung setzen wir auf zusammenhängende Gebiete. In Berlin etwa betreiben wir das größte zusammenhängende 5G-Netz in Deutschland. Für die schnelle und erfolgreiche Einführung haben wir im Herbst 2018 ein Acht-Punkte-Programm vorgelegt. Bis zum Jahr 2025 will die Telekom unter anderem eine Abdeckung mit 5G für 99 Prozent der Bevölkerung und 90 Prozent der Fläche.

Wie weit ist der Ausbau in deutschen Ballungszentren fortgeschritten? Und wie lange wird es dauern, bis es vernünftige 5G-Netze für Unternehmen und Privatpersonen im ländlichen Raum geben wird?

Telefónica: Zunächst einmal: Wir sind heute 5G ready. Unsere Kunden werden im Laufe des Jahres von einem leistungsstarken 5G-Netz und innovativen Produkten profitieren. Dabei steht für uns bei 5G stets der tatsächliche Nutzen für Verbraucher und Industrie im Vordergrund. Daher starten wir parallel zum aktuellen LTE-Ausbau zunächst in fünf deutschen Großstädten mit dem Aufbau eines 5G-Netzes, das Privat- und Geschäftskunden künftig höhere Geschwindigkeiten, mehr Kapazitäten und eine intelligente Vernetzung ihrer digitalen Geräte ermöglicht. Bis Ende 2022 wollen wir 30 Städte mit insgesamt 16 Millionen Einwohnern versorgen.

Telefónica will bis Ende 2022 30 Städte mit insgesamt 16 Millionen Einwohnern mit 5G versorgen

Vodafone: 5G ist zu Beginn vor allem für die Industrie sehr vorteilhaft. Der ersten 5G-Fabrik in Deutschland sollen noch in diesem Jahr weitere folgen. Wir haben unsere ersten 5G-Stationen gezielt nicht ausschließlich in einzelnen Großstädten, sondern auch in kleineren Orten, entlang von Autobahnen und in Industriegebieten gestartet. Dadurch wollen wir ermitteln, wo 5G zu Beginn wirklich gebraucht wird. In diesem Jahr nimmt der Ausbau weiter an Fahrt auf. Bis zum Ende des Jahres wollen wir 5G für 10 Millionen Menschen ermöglichen – in den großen Städten, aber auch auf dem Land.

1&1 Drillisch: Bis 5G flächendeckend zur Verfügung steht, wird es wohl noch einige Jahre dauern. Das liegt auch in der Natur der 5G-Frequenzen – sie können zwar viele Daten übertragen, haben jedoch nur eine sehr begrenzte Reichweite. Langwellige Frequenzen, die für die flächendeckende Versorgung geeignet sind, werden erst in vier bis fünf Jahren verfügbar sein. Um schnelles Internet auch in den ländlichen Raum zu bringen und dort Funklöcher zu stopfen, ist LTE aktuell der wichtigere Schlüssel. Für Industrieunternehmen wie etwa Siemens steht 5G bereits schon heute im Rahmen von Campus-Netzen zur Verfügung.

Telekom: Die Antwort wurde bereits in Frage eins gegeben.

In welchem Anwendungsbereich sehen Sie für 5G das größte Potenzial?

Telefónica: Im Wesentlichen in zwei Bereichen: Unserer Ansicht nach werden insbesondere im industriellen Umfeld 5G-Vorteile wie geringe Latenzzeiten die Produktivität von Industriestandorten erheblich steigern. Dabei geht es vor allem um autarke Campus-Netze, die nach und nach WLAN-Netze ablösen werden. Darüber hinaus werden wir durch einen gezielt nutzerorientierten Aufbau 5G im O2-Netz sowohl Privat- als auch Geschäftskunden in Deutschland anbieten.

Vodafone: Zu Beginn profitiert vor allem die Industrie von 5G: Maschinen und Roboter unterstützen den Menschen bei der Arbeit – in Echtzeit. Auch die Sportbranche und mit ihr die Zuschauer werden von 5G profitieren. Gemeinsam mit der DFL haben wir in Wolfsburg das erste 5G-Bundesliga-Stadion gestartet und eine Echtzeit-App entwickelt. Außerdem wird die 5G die Gaming-Branche, auch in den Beriechen Virtual und Augmented Reality, nach vorne bringen.

1&1 Drillisch: 5G ist mehr als ein verbesserter Mobilfunk – Smart City, autonomes Fahren oder Internet der Dinge sind dabei nur einige Schlagworte. Wo 5G die größte Durchschlagskraft hat, werden die nächsten Jahre zeigen. Fest steht – 5G wird die Welt, wie sie heute ist, verändern.

Telekom ist sich sicher: Industrie und Logistikbranche werden von 5G profitieren

Telekom: 5G ist die Antwort auf ansteigenden Datenverkehr. Es schafft die Grundlage für neue Kunden-Erlebnisse und die Vernetzung von Geräten und Maschinen in der Industrie. Außerdem werden viele Lebensbereiche digitalisiert. Das Internet der Dinge wird erheblich an Bedeutung gewinnen. Gerade die Industrie und auch die Logistikbranche werden von 5G bei vielen Anwendungen profitieren. Endverbraucher werden 5G zunächst durch Augmented- und Virtual-Reality-Anwendungen erleben.

Welche Hürden und Probleme müssen hier bewältigt werden?

Telefónica: Um beispielsweise geringe Latenzzeiten realisieren zu können, werden eine dezentrale Rechenleistung (Edge Computing) in der Nähe des Einsatzortes und Glasfaseranbindungen benötigt. Außerdem bedarf es eines vollständigen End-to-End-5G-Systems. Das wiederum bedingt den Aufbau eines 5G-Kernnetzes („Core“) im Rahmen einer „Stand Alone 5G“-Architektur. Aktuell sind die ersten 5G-Netze als Non-Stand-Alone-Netze auf ein darunter liegendes 4G-Netz als Anker angewiesen.

Vodafone: Es ist wichtig zu verstehen, dass 5G nicht der Gamechanger für alles ist. In vielen Fällen sind LTE oder unser neues Maschinennetz Narrowband IoT genauso gut geeignet, um Sensoren oder Gegenstände zu vernetzen. Unser Maschinennetz funkt bereits auf mehr als 96 Prozent der Fläche in Deutschland. Grundsätzlich sollte in Deutschland dringend der bislang eher gehemmte Infrastruktur-Ausbau gefördert werden. Der Bau einer neuen Mobilfunkstation dauert in Deutschland bis zu zwei Jahre – in anderen Ländern gerade einmal sechs Monate. Hinzu kommt die 5G-Auktion, bei der der Branche 6,6 Milliarden Euro entzogen wurden. Damit hätte man 50.000 neue Mobilfunkstationen bauen und das Funkloch-Problem lösen können.

1&1 Drillisch: Wir wollen uns als vierter Netzbetreiber in Deutschland etablieren. Dazu benötigen wir ein faires National-Roaming-Abkommen, einen guten Systempartner und Netzintegrator und am Ende einen sehr guten Netzausbau mit entsprechender Standort-Akquise. Diesen Herausforderungen beim 5G-Ausbau stellen wir uns aktuell und befinden uns auf einem insgesamt guten Weg.

1&1 Drillisch: „Wir wollen uns als vierter Netzbetreiber in Deutschland etablieren“

Telekom: Die 2019 vergebenen 5G-Frequenzen haben eine geringe Reichweite. Wir benötigen daher zukünftig mehr Antennenstandorte, damit die Daten auch an stark frequentierten Orten schnell und mit guter Qualität fließen. Vereinfachte und beschleunigte Genehmigungsverfahren für den Aufbau von 5G-Antennen würden die schnelle Einführung unterstützen. Dies gilt übrigens auch für den weiteren Ausbau von LTE.

Warum hinkt Deutschland im internationalen Vergleich so hinterher?

Telefónica: Die Ausbau-Situation in Deutschland ist aufgrund unterschiedlicher Vergabeverfahren schwer mit der anderer Länder vergleichbar. Bei den Bedingungen für den Netzausbau in Deutschland sehen wir ein deutliches Verbesserungspotenzial. Fakt ist: In den vergangenen 20 Jahren wurden dem Markt durch Frequenzauktionen mehr als 66,6 Milliarden Euro entzogen, die besser in den Netzausbau geflossen wären. Hinzu kommt die aus unserer Sicht verhältnismäßig große Reserve von insgesamt 100 MHz der verfügbaren 400 MHz im 3,6 GHz-Band allein für eine lokale Nutzung. Dies hat die bundesweit von den investierenden Netzbetreibern nutzbaren Frequenzen künstlich verknappt. Ein erfolgreicher und zügiger Netzausbau erfordert richtige politische Rahmenbedingungen. Dazu gehören neue Frequenzvergabeverfahren, Vereinfachungen in Genehmigungsverfahren und Fördermittel. Wirtschaft und Politik müssen dabei zusammenarbeiten.

Vodafone: Die Netze in Deutschland sind gut, aber noch nicht gut genug. Im vergangenen Jahr haben wir mehr als 8.000 LTE-Bauprojekte geschafft – und 5G an ersten Standorten gestartet. Grundsätzlich sollte in Deutschland dringend der Infrastruktur-Ausbau gefördert werden. Bislang wird der Mobilfunk-Ausbau hierzulande eher gehemmt. Die Baugenehmigungsverfahren müssen beschleunigt werden, bei LTE ebenso wie bei 5G. Hinzu kommt die 5G-Auktion, bei der der Branche 6,6 Milliarden Euro entzogen wurden.

1&1 Drillisch: Gründe für die vergleichsweise schwache Position von Deutschland im internationalen Vergleich gibt es zahlreiche. Politisch fehlt beispielsweise die Bündelung der Verantwortlichkeiten und ein langfristiger Plan für die Digitalisierung unseres Landes. Gleichzeitig ist es notwendig, dass die Netzbetreiber stärker an einem Strang ziehen, etwa beim Infrastruktur-Sharing. Nur so können wir das enorme Potenzial von 5G heben.

Telekom: Mitte Juni 2019 sind in Deutschland die 5G Frequenzen versteigert worden. Nur wenige Wochen später funkten bereits die ersten 5G Antennen im Live-Netz der Telekom. Der Ausbau geht nun Schritt für Schritt weiter. Wir sehen bis 2025 eine Bevölkerungsabdeckung von 99 Prozent vor. Um einen neuen Funkstandard im Netz einzuführen, braucht es viele Schritte von der Entwicklung bis zur Einführung und ein gutes Zusammenspiel – in der gesamten Industrie, mit den Zulieferern und auch unseren Wettbewerbern.


Kontakt zu den Unternehmen

1&1 Drillisch AG
Wilhelm-Röntgen-Straße 1-5
63477 Maintal
Tel.: +49 6181 4123
Website: www.1und1-drillisch.de

Telefónica Germany GmbH & Co. OHG
Georg-Brauchle-Ring 50
80992 München
Tel.: +49 89 2442 0
Website: www.telefonica.de

Deutsche Telekom AG
Friedrich-Ebert-Allee 140
53113 Bonn
Tel.: +49 228 1810
E-Mail: info@telekom.de
Website: www.telekom.de

Vodafone GmbH
Ferdinand-Braun-Platz 1
40549 Düsseldorf
Website: www.vodafone.de

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