DAX-Konzerne

19,8 Milliarden Euro für ausländische Investoren

Bulle und Bär auf einer Zeitungsseite DAX
Der Anteil von ausländischen Investoren, die Aktien von DAX-Konzernen besitzen, steigt weiter. Foto: peterschreiber.media / fotolia.com
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Deutsche Anleger haben wenig vom Dividenden-Rekord der DAX-Konzerne. Von den 36,5 Milliarden Euro, die die DAX-Konzerne 2019 ausschütten, landen gerade einmal 12,5 Milliarden Euro bei den deutschen Anteilseignern – ein Rückgang um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. An ausländische Investoren überweisen die DAX-Konzerne hingegen 19,8 Milliarden Euro und damit 4,8 Prozent mehr als 2018. Bei den übrigen 4,2 Milliarden Euro konnte die Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) die Nationalität der Investoren nicht ermitteln.

Laut Untersuchung zur Aktionärsstruktur der im DAX gelisteten Unternehmen (Stichtag: Ende des vergangenen Geschäftsjahres) von EY ist der Grund im erneut erhöhten Engagement ausländischer Unternehmen im DAX zu finden. Mehr als jede zweite Aktie (55 Prozent) findet sich mittlerweile in ausländischen Depots, ein Anstieg von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Investoren aus Deutschland hielten im Schnitt 33,2 Prozent der Anteile, 1,1 Prozent weniger als noch 2018. Die restlichen 11,8 Prozent der DAX-Anteile konnte von EY nicht auf spezifische Länder zugeordnet werden.

Aktuell liegen bei den Unternehmen, die entsprechende Angaben machen, durchschnittlich 26,2 Prozent der Aktien in den Depots von Investoren aus dem europäischen Ausland – das sind 1,4 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr – und 22,3 Prozent bei nordamerikanischen Investoren, was einem Zuwachs um 0,2 Prozentpunkten entspricht.

„DAX-Konzerne sind inzwischen globale Unternehmen“

„Die meisten DAX-Konzerne sind inzwischen globale Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland – nur noch etwa ein Viertel des Umsatzes wird in Deutschland erwirtschaftet“, analysiert Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY. Dabei liege es nahe, dass immer mehr ausländische Investoren in DAX-Unternehmen investieren, da diese auf bedeutenden ausländischen Märkten eine große Rolle spielten. Bedauerlich sei allerdings, dass ein Großteil der hohen Dividendenausschüttungen der DAX-Konzerne ins Ausland fließe und nicht heimischen Anlegern zu Gute komme: „Mit einem größeren Engagement bei deutschen Blue Chips könnten deutsche Anleger stärker von den hohen Ausschüttungen profitieren“, so Barth.

Dass das Engagement ausländischer Investoren trotz der zuletzt teils enttäuschenden Geschäftsentwicklung gestiegen ist, wertet Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung von EY, als Vertrauensbeweis in die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen: „Im vergangenen Jahr lief es nicht rund für viele DAX-Unternehmen: Der Gesamtumsatz stieg nur noch um ein Prozent, der operative Gewinn sank um sieben Prozent.“ Besonders der Maschinenbau und die Autoindustrie befänden sich in einem Umbauprozess, der mit steigenden Investitionen, sinkenden Margen und rückläufigen Dividendenzahlungen einherginge. „Dennoch erhöhten ausländische Anleger ihr Engagement bei allen vier Automobil- bzw. Zulieferunternehmen im DAX“, sagt Meyer.

Mehrzahl der Unternehmen mit steigendem Auslandsanteil

Mehr als 70 Prozent der ausgegebenen Aktien sind bei fünf DAX-Unternehmen gemäß aktueller Geschäftsberichte in ausländischer Hand (Adidas, Deutsche Börse, Linde, Infineon und Bayer), insgesamt 19 Unternehmen sind zu mindestens 50 Prozent im Besitz ausländischer Aktionäre. Den geringsten Anteil ausländischer Aktionäre weisen Henkel (26 Prozent) und Lufthansa (30 Prozent) auf. Laut Studie stieg der Anteil ausländischer Investoren bei sechzehn DAX-Konzernen im Vergleich zum Vorjahr, bei zehn Unternehmen ist er gesunken. Zu den restlichen Unternehmen liegen EY keine Informationen vor.

Besonders stark zugelegt hat der Anteil ausländischer Anteilseigner bei Merck (plus sieben Prozentpunkte) und Adidas (plus sechs Prozentpunkte), während die Deutsche Börse den stärksten Rückgang (um sechs Prozentpunkte) verzeichnete.

Langfristig gestiegenes Engagement ausländischer Investoren

Vor allem der Mehrjahresvergleich zeigt das gestiegene Engagement ausländischer Anleger: Bei den 22 Unternehmen, von denen vergleichbare Angaben für das Jahr 2005 vorliegen, stieg der Anteil ausländischer Anteilseigner von durchschnittlich 48 Prozent im Jahr 2005 auf 58 Prozent im Geschäftsjahr 2018.

Die zunehmende Bedeutung ausländischer Aktionäre spiegele sich derzeit noch nicht vollständig in den Aufsichtsgremien der meisten DAX-Konzerne wider, beobachtet Meyer. „Obwohl die Mehrzahl der DAX-Aktien in ausländischem Besitz ist, waren im vergangenen Jahr nur 29 Prozent der DAX-Aufsichtsratsmitglieder auf der Kapitalseite Ausländer.“ Gerade angesichts der wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Risiken, mit denen deutsche Unternehmen auf ausländischen Märkten zunehmend konfrontiert sind, wirbt Meyer für eine stärkere Internationalisierung der Aufsichtsratsgremien: „Die deutschen Unternehmen mit ihrer starken Ausrichtung auf ausländische Märkte sind darauf angewiesen, die dortigen Chancen und Risiken gut einschätzen zu können. Da könnte sich zusätzliche internationale Kompetenz im Management und in den Aufsichtsorganen positiv auswirken.“ (wag)

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