EY-Quartalsbericht aus der Automobilbranche

Autoindustrie: Nur vier Konzerne können Absatz steigern

Studie Autoabsatz EY
Der weltweite Absatz von Automobilen ist zurückgegangen. Bild: naypong / fotolia.com
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Auch im zweiten Quartal 2019 ging der Gesamtgewinn der 16 größten Autokonzerne der Welt zurück – insgesamt um 18 Prozent. Beim Absatz aller wichtigen Marken stand am Ende ebenfalls ein Minus von fünf Prozent. Lediglich vier Autobauer konnten mehr Neuwagen verkaufen als vor einem Jahr, nämlich Mitsubishi, Honda, Toyota und BMW.

Unter anderem zu diesen Zahlen kommt die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY), die quartalsweise die Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt analysiert.

Die stärksten Absatzrückgänge verzeichneten die US-Hersteller (minus neun Prozent) und die französischen Konzerne (minus zehn Prozent). Im Ranking der absatzstärksten Autokonzerne lag Toyota dank eines Absatzwachstums von vier Prozent leicht vor Volkswagen (minus zwei Prozent).

EY kommt aber auch zum Ergebnis, dass die Mehrzahl der Unternehmen beim Umsatz – vor allem dank des SUV-Booms – zulegen konnte. Insgesamt stieg der Umsatz der Unternehmen um 1,3 Prozent und erreichte damit einen neuen Höchststand. Das stärkste Wachstum schafften die deutschen Hersteller mit einem Umsatzplus von 5,2 Prozent vor den französischen Konzernen (4,7 Prozent). Rückläufig war der Umsatz der US-Unternehmen (minus 3,0 Prozent) und der japanischen Hersteller (minus 1,3 Prozent). Umsatzweltmeister waren im zweiten Quartal Volkswagen vor Toyota.

Branche liegt „vor nie dagewesenen Umbrüchen“

„Die weltweite Autoindustrie befindet sich in einer Absatz- und Gewinnkrise, die derzeit noch in erster Linie konjunkturell bedingt ist“, beobachtet Constantin Gall, Leiter des Bereichs Automotive & Transportation bei EY. „Alle großen Absatzmärkte schrumpfen – das führt zu einem stärkeren Preisdruck und zu rückläufigen Margen. Hinzu kommen hohe Investitionen in Bereichen wie Autonomes Fahren und Elektromobilität.“ Die echten Herausforderungen lägen aber noch vor der Branche, betont Gall: „In den kommenden Jahren werden die Karten neu gemischt. Strengere Emissionsgrenzwerte und der Vormarsch der Elektromobilität führen zu nie dagewesenen Umbrüchen – denen nicht alle Unternehmen gewachsen sein werden. Für die Entwicklung und Einführung verbrauchsärmerer Motoren, neuer Elektroautos und neuer Mobilitätsdienstleistungen werden in den kommenden Jahren enorme Investitionen nötig sein.“

Daher gehe der Trend hin zu mehr Kooperationen und Partnerschaften, die teilweise auch sehr weit gingen, erwartet Gall: „Nur so lassen sich die enormen Kosten und Risiken bei den Zukunftsinvestitionen in den Griff zu bekommen. In jedem Fall stehen wir am Anfang eines Ausleseprozesses.“

Aufgrund der aktuellen Absatzflaute drohten nun Überkapazitäten, fürchtet Peter Fuß, Partner bei EY: „Die derzeitigen Absatzrückgänge kommen relativ unerwartet – gerade der schrumpfende chinesische Markt hat einige Anbieter auf dem falschen Fuß erwischt. Das passt nicht zu den optimistischen Planungen vieler Unternehmen, die auf weiteres Wachstum gesetzt hatten. Die Situation in China wird also immer ungemütlicher.“ Das haben vor allem die französischen und US-amerikanischen Autobauer zu spüren bekommen, deren Absatz im Reich der Mitte im zweiten Quartal um 14 bzw. 55 Prozent einbrach.

Deutsche Konzerne mit stark sinkendem Gewinn – aber guten Perspektiven

Ungeachtet der aktuell insgesamt schwachen Gewinnsituation der deutschen Konzerne erfreuen sich ihre Produkte weltweit weiter großer Beliebtheit, analysiert EY: So hielt sich das Absatzminus mit zwei Prozent in Grenzen – gerade im Vergleich zur Konkurrenz aus den USA und Frankreich. Der Rückgang sei zudem teilweise auf die mangelnde Verfügbarkeit von Modellen und anstehende Modellwechsel zurückzuführen, so dass im zweiten Halbjahr durchaus wieder ein Absatzplus möglich sei, erwartet Fuß. Er betont zudem, dass insbesondere Einmaleffekte für die schwache Gewinnentwicklung im zweiten Quartal verantwortlich waren: „Die deutschen Konzerne haben zuletzt in großem Stil Altlasten aus der Bilanz geräumt – Themen wie die Dieselkrise, Kartellvorwürfe, Rückrufe wegen defekter Airbags und die WLTP-Umstellung haben in den vergangenen Jahren zu erheblichen Gewinneinbußen geführt. Das Großreinemachen könnte nun aber den Weg frei machen für steigende Gewinne spätestens im kommenden Geschäftsjahr. Denn operativ läuft es bei den Unternehmen nicht schlecht – sie gewinnen weltweit Marktanteile, kommen bei der Elektrifizierung der Modellpalette voran und werden mit harten Sparmaßnahmen auch die Kosten wieder senken.“

Brexit und China: die größten Risiken im zweiten Halbjahr

Einen Strich durch die Rechnung könnte allerdings die unsichere politische Lage machen: So werde ein harter Brexit immer wahrscheinlicher, was voraussichtlich zu erheblichen Einbußen auf dem europäischen Absatzmarkt führen würde, betont Fuß. Auch China bereite Sorgen, so Fuß: „In China sind die deutschen Autokonzerne trotz der aktuellen Marktschwäche derzeit noch gut unterwegs. Wenn der Handelsstreit mit den USA aber weiter eskaliert, wird das auch die deutsche Autoindustrie verstärkt zu spüren bekommen.“ (wag)


Kontakt zu Ernst & Young

Ernst and Young
Flughafenstraße 61
70629 Stuttgart
Tel.: +49 711 9881 0
Fax: +49 711 9881 550
E-Mail: info@de.ey.com
Website: www.ey.com/de

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