Startseite » Arbeitswelt »

Bitkom-Chef Achim Berg: Bilanz bei der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) nach zwei Jahren "bestenfalls bescheiden"

2 Jahre DSGVO
Bitkom-Chef Berg: „Bilanz der DSGVO bestenfalls bescheiden“

Die DSGVO ist heute vor zwei Jahren in Kraft getreten. Unternehmen haben damit zu kämpfen. Bild: peterschreiber.media via Adobe Stock
Die DSGVO ist heute vor zwei Jahren in Kraft getreten. Unternehmen haben damit zu kämpfen.
Bild: peterschreiber.media/ stock.adobe.com
Anzeige

Das Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) jährt sich heute zum zweiten Mal. Aufgrund der DSGVO haben Unternehmen und Organisation erweiterte Informationspflichten, müssen Verarbeitungs-Verzeichnisse für Personendaten erstellen und den Datenschutz schon in Produktionsprozessen berücksichtigen. Bitkom-Chef Achim Berg zieht nach zwei Jahren eine vorläufige Bilanz.

Der Datenschutz habe in Deutschland mittlerweile eine herausragende Bedeutung, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Das zeige sich auch jetzt in der Corona-Krise.

Interessant dabei: Der Datenschutz dominiere laut Berg selbst in dieser Krisensituation viele weitere Rechte – wie etwa das Recht auf körperliche Unversehrtheit, Versammlungsfreiheit, Gewerbefreiheit oder den Zugang zu schulischer Bildung.

„So werden einerseits weitgehende Einschränkungen von Grundrechten akzeptiert, gleichzeitig scheiterte die Veröffentlichung einer […] Tracing-App an Datenschutzbedenken“, die die Menschen von vielen Einschränkungen befreien hätte können, so Berg.

Gut ausbalanciertes System durch DSGVO „aus den Fugen geraten“

Außerdem könnten Schulen ihren Unterrichtsbetrieb nicht wieder aufnehmen und verlieren zu vielen Schülern einen funktionierenden Kontakt. Lehrern werde der Einsatz vieler gut funktionierender Video-Plattformen mit Hinweisen auf Datenschutzprobleme kategorisch verboten.

„Offenkundig ist das bislang gut ausbalancierte System an Freiheits- und Schutzrechten mit der DSGVO aus den Fugen geraten“, kritisiert Berg.

Berg: „Bilanz der DSGVO bestenfalls bescheiden“

„Das Gesetzgebungsverfahren zur Datenschutz-Grundverordnung war eines der aufwändigsten in der Geschichte der Europäischen Union. Die Bilanz der DSGVO ist hingegen bestenfalls bescheiden“, resümiert Berg.

Positiv sei, dass das allgemeine Bewusstsein für das Thema Datenschutz stark zugenommen habe. Leider sei man aber von einem einheitlichen Datenschutzniveau innerhalb der EU noch weit entfernt. Grund dafür sei die unterschiedliche Auslegung in den Mitgliedsstaaten.

Schwerpunktseite: Coronavirus

„Auch zwei Jahre nach Geltungsbeginn der DSGVO haben viele Unternehmen noch nicht alle Anforderungen umgesetzt. Nicht wenige sind der Meinung, eine komplette Umsetzung der DSGVO sei nicht möglich“, so Berg.

Außerdem seien die Aufsichtsbehörden mit einer nicht zu bewältigenden Flut an Anfragen konfrontiert. Das Ergebnis: Auf allen Seiten stehen hohe personelle und finanzielle Aufwände.

Institutionen beim Datenschutz unterschiedlich behandeln

Berg ist der Ansicht, dass die EU den „grundsätzlichen Geburtsfehler“ beseitigen muss: Die Reglementierung jedes einzelnen Datenverarbeitungsvorgangs und jeder Datenerhebung durch die DSGVO.

„Vereine, Startups und Großkonzerne werden über denselben Kamm geschoren und nicht differenziert behandelt“, kritisiert der Bitkom-Chef. Die vorgesehenen Ausnahmen innerhalb der DSGVO für kleinere Unternehmen kämen in der Praxis so gut wie nie zum Tragen.

Berg fordert, dass die Art und der Umfang der Datenverarbeitungen ausschlaggebend für die Verpflichtungen sein sollten. Außerdem sollte man die Regeln vereinfachen.

„In der Forschung sollten der Datennutzung weniger Hürden in den Weg gestellt werden – insbesondere für EU-weite Projekte im Gesundheitsbereich“, fordert Berg.

Datenschutz ist die größte Hürde mein Technologie-Einsatz

Die Wirtschaft nimmt Regeln beim Datenschutz zunehmend als Herausforderung wahr, stellte der Bitkom in einer repräsentativen Umfrage im April 2020 fest. Derzeit sehen 79 Prozent der Unternehmen Datenschutzanforderungen als die größte Hürde beim Einsatz neuer Technologien. Im Vorjahr sagten dies erst 74 Prozent, im Jahr 2018 63 Prozent.

Zur geplanten Evaluierung der DSGVO durch die EU-Kommission hat Bitkom Empfehlungen erarbeitet. Diese sind auf der Website des Bitkom downloadbar. (wag)


Kontakt zum Bitkom


Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.
Albrechtstraße 10
10117 Berlin-Mitte
Tel.: +49 30 2757 60
E-Mail: bitkom@bitkom.org
Website: www.bitkom.org

Ebenfalls interessant:

Europäischer Datenschutztag: EU-Kommission will Verstöße härter ahnden


Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de