Plattform-Ökonomie

Nur 45 Prozent sehen Plattformen als Chance fürs Unternehmen

Bitkom Studie Digitale Plattformen Maria Savenko
Digitale Plattformen würden von der Wirtschaft noch immer unterschätzt, diagnostiziert der Bitkom. Bild: Maria Savenko / stock.adobe.com
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Plattformen wie Amazon, Youtube, Spotify, Alibaba und Booking.com verändern die Welt. In einer aktuellen Bitkom-Umfrage gaben 45 Prozent der befragten Unternehmen an, digitale Plattformen eher als Chance für die eigene Firma zu sehen. Zeitgleich halten drei von zehn Unternehmen Plattformen für ein Risiko. Und etwa jedes fünfte Unternehmen (22 Prozent) misst digitalen Plattformen keine Bedeutung für das eigene Geschäft zu.

Zum Vergleich: 96 Prozent sind der Ansicht, dass Digitalisierung im Allgemeinen eine eine Chance für das eigene Unternehmen ist – demgegenüber stehen nur drei Prozent, die die Digitalisierung als Risiko identifizieren. Für die repräsentative Studie hat Bitkom mehr als 500 Unternehmen in Deutschland mit 20 oder mehr Mitarbeitern befragt. 63 Prozent nehmen an, dass die Nutzung digitaler Plattformen insgesamt mehr Vorteile als Nachteile für sie bringt, aber 27 Prozent glauben, dass digitale Plattformen ihre Existenz gefährden. „Jede Branche und jedes Unternehmen muss sich mit digitalen Plattformen beschäftigen“, sagt Bitkom-Chef Achim Berg und monierte gleichzeitig, dass die Chancen in der deutschen Wirtschaft noch immer unterschätzt würden.

Mehr Kunden und höhere Umsätze durch digitale Plattformen

Als wichtigste Vorteile digitaler Plattformen gelten in der deutschen Wirtschaft die Schaffung eines breiteren Angebots (74 Prozent), die Erschließung neuer Kundengruppen (72 Prozent) und die Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens (68 Prozent). Dahinter folgen die Steigerung der Bekanntheit (63 Prozent) und die Förderung von Innovationen (62 Prozent).

Vor- und Nachteile von Plattformen
Vor- und Nachteile von Plattformen: So Antworteten die Unternehmen. Grafik: Bitkom.

Als Nachteil sehen 65 Prozent der Unternehmen den einfachen Markteintritt für Wettbewerber, einen erhöhten Preisdruck sowie der Verlust der direkten Kundenbeziehung (je 55 Prozent).

Eine häufig geäußerte Sorge in der Diskussion über digitale Plattformen ist die Monopolbildung. Jedes zweite Unternehmen (52 Prozent) glaubt, dass sich auf Dauer nur eine Plattform für einen Zweck auf dem Markt halten kann und so ein Monopol entstünde. „Die Geschichte vom Plattform-Monopol ist ein Märchen“, beruhigt Berg die Unternehmen. „Auf jedem Markt gibt es Platz für mehr als eine digitale Plattform. Und die Karten werden in der digitalen Welt ständig neu gemischt – selbst heute führende Plattformen können in einigen Jahren von neuen Wettbewerbern überholt werden.“

Von digitalen Plattformen profitieren nicht nur die Anbieter

Von den Unternehmen, die von Plattformen bislang nichts wissen wollen, schließen zwei Drittel (66 Prozent) ihre Nutzung auch für die Zukunft aus. Umgekehrt sind die Plattform-Nutzer von ihrer Entscheidung überzeugt: 93 Prozent der aktuellen Plattform-Nutzer würden bei einem Jobwechsel auch ihrem neuen Unternehmen empfehlen, auf digitale Plattformen zu setzen. „Plattformen überzeugen ganz offensichtlich diejenigen, die sie nutzen“, sagt Berg und leitet daraus eine Empfehlung ab: „Wirklich jeder sollte den Schritt in die Welt der digitalen Plattformen tun.“

Zu den größten Sorgen, die Unternehmen vor dem Einsatz von Plattformen haben, zählt der Datenschutz (64 Prozent), die Anforderungen an die IT-Sicherheit (55 Prozent) und fehlendes qualifiziertes Personal (54 Prozent).

Insgesamt wollen deutsche Unternehmen aber bei Investitionen in digitale Plattformen zulegen. So gaben 55 Prozent der Befragten an, in diesem Jahr zusätzlich In Plattformen investiert zu haben, bei 37 Prozent sind sie unverändert geblieben und nur bei zwei Prozent haben sie abgenommen. Im kommenden Jahr wollen 34 Prozent die Ausgaben erhöhen, 54 Prozent möchten sie konstant halten, acht Prozent wollen sie reduzieren.

Politik soll Aufbau deutscher und europäischer Plattformen fördern

84 Prozent der Unternehmen fordern, dass die Politik den Aufbau deutscher und europäischer digitaler Plattformen fördern sollte, etwa durch einheitliche Regeln (53 Prozent) oder mehr Rechtssicherheit (50 Prozent). „Wir brauchen einen Rechtsrahmen, der neue, plattformbasierte Geschäftsmodelle fördert und nicht erschwert“, sagt Berg.

Insgesamt herrscht große Einigkeit darüber, dass die Bedeutung von digitalen Plattformen künftig weiter zunehmen wird. Neun von zehn Unternehmen sind davon überzeugt, dass in zehn Jahren digitale Plattformen für die weltweite (90 Prozent) wie auch für die deutsche Wirtschaft (89 Prozent) sehr wichtig oder eher wichtig sein werden. 83 Prozent stimmen der Aussage für die eigene Branche zu und immerhin 75 Prozent für das eigene Unternehmen. „Die Unternehmen haben erkannt, dass digitale Plattformen eine wachsende Bedeutung haben und wünschen sich, dass es viel mehr davon in Deutschland und Europa gibt – aber im eigenen Unternehmen wollen sich noch zu wenige damit beschäftigen“, so Berg. (wag)

Die Präsentation der Studie gibt es beim Bitkom zum Download (externer Link).


Kontakt zum Bitkom

Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.
Albrechtstraße 10
10117 Berlin-Mitte
Tel.: +49 30 275760
E-Mail: bitkom@bitkom.org
Website: www.bitkom.org

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