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CO2-Reduktion bis 2030: Auf die Stahlindustrie kommen jährliche Mehrkosten im zweistelligen Milliardenbereich zu

Klimaschutz
CO2-Reduktion in der Stahlindustrie führt zu jährlichen Mehrkosten im zweistelligen Milliardenbereich

Stahlindustrie muss Milliardenausgaben einplanen
Eines ist sicher: Stahl wird in Zukunft deutlich teurer werden.
Bild: gui yong nian/stock. adobe.com

Europas Stahlindustrie verursacht heute 221 Mio. Tonnen Treibhausgasemissionen. Das entspricht 5,7 Prozent der gesamten EU-Emissionen. 2050 will Europa klimaneutral sein, bis dahin muss die Stahlbranche ihren Ausstoß bis 2030 um 30 Prozent reduzieren. Dazu muss großflächig auf klimafreundliche Technologien umgestellt werden. In der Studie „Green deal for steel. What will it take and who will pay?“ hat das Beratungs-Unternehmen Roland Berger untersucht, mit welcher Technologie und zu welchen Kosten das CO2-Reduktionsziel erreicht werden kann.

„Europas Stahlindustrie steht vor einer Mammutaufgabe“, konstatiert Akio Ito, Partner bei Roland Berger und empfiehlt den Konzernen dringend zu handeln, wenn sie die EU-Klimaziele erreichen wollen.

„Nach unserer Analyse ist die grüne Transformation allein für die heutige Hochofenroute am Ende der Dekade gleichbedeutend mit zusätzlichen jährlichen Kosten im zweistelligen Milliardenbereich – fast unabhängig von der angewandten Technologie.“ Hohe Ausgaben also, die auf die Unternehmen in diesem Sektor zukommen. 

Angesichts der Klimaziele sei ein Nichtstun aber auch keine Option. Zudem werde die konventionelle Stahlherstellung durch die Verteuerung der Preise für CO2-Zertifikate immer unattraktiver.

Stahlindustrie: Klimaneutrale Technologien im Vorteil

Die Studie zeigt, dass auf die Stahlhersteller in den kommenden Jahren erhebliche Kosten-Steigerungen zukommen. Weiterhin eine konventionelle Stahlproduktion zu verfolgen, käme sie wegen der erwarteten Preis-Steigerungen für CO2-Zertifikate jedoch am teuersten zu stehen.

Doch wie lassen sich die Klimaziele bis 2030 erfüllen? Den Berechnungen von Roland Berger zufolge müsste die Branche anstelle der Hochofenroute allein knapp ein Drittel der heutigen Produktion – 29 Mio. Tonnen – klimafreundlicher herstellen. Hierbei böten Wasserstoff- und – übergangsweise – erdgasbasierte Technologien das größte Potenzial.

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Wenn die Konzerne etwa eine wasserstoffbasierte Direktreduktionsroute in der Produktionskette wählen würden, würden nach der Analyse beispielhaft im Jahr 2030 zusätzliche Kosten von 17 Mrd. Euro für die Branche entstehen. 3,5 Mrd. Euro entfielen dabei auf die neue Technologie. 13,5 Mrd. Euro auf die CO2-Emissionskosten für die restlichen rund 66 Mrd. Tonnen konventionell produzierten Stahls.

Unsichere Preisentwicklung bei grünem Wasserstoff

„Wegen der unsicheren Preisentwicklung von grünem Wasserstoff und den steigenden, aber in ihrer Höhe nicht genau prognostizierbaren CO2-Emissionspreisen sollten sich die Stahlhersteller für brennstoff-flexible Direktreduktions-Technologien entscheiden“, empfiehlt Ito. „Der Mix aus Erdgas und grünem Wasserstoff als Reduktionsmittel eröffnet ihnen einen größeren Handlungsspielraum.“

Die Transformation zu grünem Stahl kann die Branche nicht alleine zahlen. Der Grund: Niedrige Gewinnspannen und schwankende Rohstoffpreise. Sowohl staatliche Institutionen als auch Kunden und Endverbraucher werden indirekt mitfinanzieren müssen, prognostiziert Roland Berger.

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„Politische Unterstützung ist bei der Transformation erforderlich. Die EU und einzelne Mitgliedstaaten haben bereits Innovationsförderungen aufgelegt und Mittel in Aussicht gestellt“, so Ito.

Bei Kunden werde klimaneutraler Stahl zunehmend gefragt sein, auch um die eigenen Klimaziele erfüllen zu können. Wenn die CO2-Preise und damit die Emissionskosten steil ansteigen, kämen Unternehmen mit konventioneller Produktion darüber hinaus auch kostenseitig unter Druck. „Gehen sie den Wandel nicht zeitig an, fallen sie im Konkurrenzkampf zurück und riskieren letztlich ihre Existenz“, ist Ito überzeugt. (wag)


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