Automobilbarometer 2019

Deutsche skeptisch gegenüber E-Mobilität und autonomem Fahren

E-Mobilität Studie EY Malte Reiter Stock
Bild: Malte Reiter / Adobe Stock
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Die Deutschen haben noch immer große Vorbehalte gegenüber Elektroautos. Den einen sind sie zu teuer, für andere ist deren Reichweite zu gering. Zwar sagt immerhin etwas mehr als ein Viertel der Verbraucher (26 Prozent), dass sie Elektroautos interessant finden und auch fahren würden. Allerdings geben 64 Prozent an, dass die Stromer für sie vorerst nicht in Frage kommen. Unter anderem zu diesen Ergebnissen kommt die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst and Young (EY) in ihrem „Automobilbarometer 2019“.

Der Hauptgrund, warum sich die Deutschen gegen den Kauf eines Elektroautos entscheiden, ist die geringe Reichweite der sich auf dem Markt befindlichen Modelle. 28 Prozent führten diesen Grund an. Weitere 27 Prozent sind der Ansicht, dass der Preis für Elektroautos noch zu hoch ist. 13 Prozent sind von der noch löchrigen Infrastruktur abgeschreckt, für sie gibt es noch zu wenige Ladepunkte in Deutschland – auch wenn etwa VW angekündigt hat, bis 2025 36.000 Ladepunkte in Europa zu bauen. Die Dauer des Ladevorgangs ist für elf Prozent der Grund gegen einen Kauf. Für das Automobilbarometer 2019 befragte EY insgesamt 2.500 Verbraucher in Deutschland.

Der Verbrenner ist nicht tot

Aus den oben genannten Gründen wird die Mehrheit beim nächsten Autokauf auch auf eine klassische Antriebsart setzen: 32 Prozent geben an, dass sie vorhaben, als nächstes einen Benziner zu kaufen. Und beachtliche 21 Prozent werden sich trotz der aktuellen Marktlage für einen Diesel entscheiden. Ein reines Elektroauto wollen sich nur neun Prozent der Befragten zulegen. Hybridfahrzeuge, also die Mischung aus Benzin- und Elektroantrieb, stehen da höher im Kurs: 16 Prozent haben einen Vollhybrid auf dem Einkaufszettel, sechs Prozent wollen sich einen Plug-in-Hybrid mit externer Lademöglichkeit zulegen.

Das autonome Fahren hat laut Auomobilbarometer 2019 einen schweren Stand bei den Verbrauchern. Knapp die Hälfte, nämlich 49 Prozent, lehnt es ab, sich in ein komplett autonom fahrendes Auto zu setzen. Wenn die Befragten noch selbst in den Straßenverkehr eingreifen können, ist die Ablehnung geringer. Doch auch hier könnten es sich 30 Prozent nicht vorstellen, ein autonom fahrendes Fahrzeug zu nutzen. Bemerkenswert dabei ist, dass die Ablehnung bei vorangegangenen Befragungen (2013 und 2017) noch deutlich geringer war.

Politik und Industrie konnten Mehrwert nicht vermitteln

„Den Automobilherstellern und der Politik ist es bisher nicht gelungen, dem Großteil der Autokäufer den Mehrwert der E-Mobilität zu vermitteln“, sagt Peter Fuß, Partner bei EY. „Im Gegenteil: Nach wie vor fehlt in Deutschland die nötige Infrastruktur. Elektroautos werden spätestens 2021 einen Anteil von fünf Prozent an den Neuzulassungen in Deutschland haben – dann werden deutlich mehr Ladesäulen benötigt“, analysiert Fuß die aktuelle Situation.

Die nachlassende Akzeptanz des autonomen Fahrens gibt Constantin Gall, Leiter des Bereichs Automotive & Transportation bei EY, zu denken: „Das autonome Fahren ist unter strenger Beobachtung der Öffentlichkeit. In den vergangenen Jahren standen einige – auch tödliche – Unfälle in den Schlagzeilen. Die Verbraucher werden das autonome Fahren erst akzeptieren, wenn sie es als sicher wahrnehmen.“

„Die Verbraucher werden das autonome Fahren erst akzeptieren, wenn sie es als sicher wahrnehmen.“

— Constantin Gall, Leiter Automotive & Transportation, EY

5G-Mobilfunkstandard als Chance

Aus Sicht der Verbraucher ist die Sicherheit der entscheidende Faktor, damit sich das autonome Fahren durchsetzen kann. 30 Prozent sehen die rechtliche Unsicherheit und ungeklärte Haftungsfragen als größtes Hemmnis für autonomes Fahren. 28 Prozent nennen die Sicherheit der Fahrgäste. „Für die Autohersteller ist die neue 5G-Technologie eine Chance, dieses Sicherheitsbedürfnis bestmöglich zu bedienen“, so Gall. „Der Mobilfunk-Standard erlaubt Datenübertragungen in Echtzeit – wodurch selbstfahrende Autos ihre Position besser bestimmen und Gefahrensituationen schneller erkennen können.“

Deutlich höhere Zustimmung bei jungen Verbrauchern

Unterschiede bei den Einschätzungen gibt es bei den Altersgruppen. 33 Prozent der 18- bis 29-Jährigen und sogar 43 Prozent der 30- bis 39-Jährigen geben an, dass sie E-Fahrzeuge interessant finden und diese auch fahren würden. Bei Verbrauchern zwischen 50 und 64 Jahren und bei Verbrauchern ab 65 Jahren ist die Zustimmung mit 24 Prozent beziehungsweise 15 Prozent dagegen deutlich geringer.

Ein ähnliches Ergebnis erhielt EY beim autonomen Fahren. Während die Hälfte der 18 bis 29-Jährigen und immerhin noch 41 Prozent der 30- bis 39-Jährigen bereit wären, in einem autonomen Fahrzeug unterwegs zu sein, nimmt die Bereitschaft bei den Älteren rapide ab. Nur noch 22 Prozent der 50- bis 64-Jährigen und 12 Prozent der über 65-Jährigen würden sich in ein autonom fahrendes Auto setzen.

Wenige wollen für Klimaschutz weniger Auto fahren

„Die Automobilindustrie steckt derzeit in einer Gewinnkrise – unter anderem bedingt durch die Milliardeninvestitionen in die Elektromobilität und das autonome Fahren“, sagt Fuß. „Die Ergebnisse zeigen aber, dass sich die Investitionen lohnen können, da vor allem die jüngeren Verbraucher durchaus Interesse an den neuen Technologien haben. Jetzt gilt es für die Autohersteller, ihre Karten richtig auszuspielen.“ Denn die Befragungsergebnisse zeigten, dass die Deutschen weiterhin am Auto hingen. Für 72 Prozent bleibt der Besitz eines Autos wichtig. Und 44 Prozent haben nicht vor, ihr Mobilitätsverhalten zu ändern. Nur 13 Prozent erwägen überhaupt, aus Klimaschutzgründen weniger Auto zu fahren. (wag)


Kontakt zu Ernst & Young

Ernst & Young GmbH
Flughafenstraße 61
70629 Stuttgart
Tel.: +49 711 98810
Fax: +49 711 9881 550
E-Mail: info@de.ey.com
Website: www.ey.com/de

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