ifo-Konjunkturprognose

Deutscher Wirtschaft droht Rezession

ifo-Konjunkturindex Herbst 2019
Das ifo-Institut rechnet mit einer Rezession. Bild: xyz / fotolia.com
Anzeige

Der deutschen Wirtschaft droht eine Rezession, analysiert das ifo-Institut in seiner Konjunkturprognose für den Herbst 2019. Dieser Abschwung wurde nach Beobachtung des Instituts durch eine Reihe weltpolitischer Ereignisse ausgelöst, die eine über Jahrzehnte gewachsene, globale Wirtschaftsordnung in Frage stellen und Anpassungen bei etablierten internationalen Wertschöpfungsketten erfordern.

In der Folge stieg die wirtschaftspolitische Unsicherheit weltweit auf historische Höchststände und die internationale Konjunktur kühlte sich zunehmend ab. Mittlerweile sind der Welthandel und die Weltindustrieproduktion rückläufig. Zudem sehen sich insbesondere die Automobilhersteller einem abrupten Technologiewandel gegenüber, der teilweise enorme Anpassungserfordernisse mit sich bringt, schreibt das Institut in seinem Bericht.

Vor diesem Hintergrund sinkt die Wertschöpfung im exportorientierten Verarbeitenden Gewerbe bereits seit einem Jahr. Allmählich mehren sich allerdings die Anzeichen, dass sich die Industrieschwäche auch auf andere Bereiche der deutschen Wirtschaft überträgt. So hat sich das Geschäftsklima in den konsum- und baunahen Dienstleistungssektoren sowie im Baugewerbe in den vergangenen zwölf Monaten zum Teil deutlich verschlechtert.

Konjunkturschwäche hinterlässt Spuren auf Arbeitsmarkt

Die Konjunkturschwäche hinterlässt mittlerweile auch Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Während die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe bereits seit dem Frühjahr sinkt, kam auch der bislang kräftige Zuwachs bei den privaten Dienstleistern und im Baugewerbe im Sommer zum Erliegen. Die Arbeitslosigkeit steigt bereits den vierten Monat in Folge, und immer mehr Unternehmen melden Kurzarbeit an. Dagegen stützen die nach wie vor hohen Einkommenszuwächse der privaten Haushalte, die aus kräftigen Tariflohnsteigerungen und einer Ausweitung der staatlichen Transferleistungen resultieren.

Insgesamt sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die deutsche Wirtschaft in eine Rezession gleite, schreibt das ifo-Institut. Das Bruttoinlandsprodukt, das bereits im zweiten Quartal um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft ist, dürfte im dritten Quartal noch einmal um 0,1 Prozent sinken, bevor es am Jahresende wieder leicht zunimmt, so die Einschätzung. Damit dürfte das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr mit 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr deutlich niedriger ausfallen als in den zurückliegenden Jahren des Aufschwungs. Im kommenden Jahr wird sich die Konjunktur wohl allmählich wieder normalisieren und der Anstieg der Wirtschaftsleistung auf 1,2 Prozent erhöhen; kalenderbereinigt ergibt sich wegen der höheren Zahl von Arbeitstagen jedoch nur ein Zuwachs von 0,8 Prozent. Der Beschäftigungsaufbau dürfte sich im Prognosezeitraum deutlich verlangsamen, von jahresdurchschnittlich 383.000 Personen in diesem Jahr auf nur noch 128.000 im kommenden Jahr. Gleichzeitig dürfte die jahresdurchschnittliche Zahl der Arbeitslosen im kommenden Jahr zum ersten Mal seit 2013 wieder steigen um voraussichtlich 37.000 Personen.

Das ifo-Institut weißt aber auch darauf hin, dass dieser Ausblick mit hohen Unwägbarkeiten verbunden ist. So wurde für die Prognose unterstellt, dass ein harter Brexit oder eine Eskalation des US-Handelskrieges ausbleiben. Mittlerweile sind diese beiden Ereignisse aber sehr viel wahrscheinlicher geworden. Auch wenn ihre konkreten konjunkturellen Folgen nur schwer kalkulierbar sind – weil es hierfür an historischen Erfahrungswerten mangelt – so würden sie aber mit Sicherheit die rezessiven Tendenzen in der deutschen Wirtschaft vertiefen und verlängern. (wag)

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des ifo-Instituts.


Kontakt zum ifo-Institut

ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V.
Poschingerstr. 5
81679 München
Tel.: +49 89 9224 0
Fax: +49 89 9853 69
E-Mail: ifo@ifo.de
Website: www.ifo.de

Ebenfalls interessant:

Produktionsturbo und hilfreiche Assistenz für die Industrie

Anzeige

Smarte Maschinen im Einsatz

Konferenz „Smarte Maschinen im Einsatz – Künstliche Intelligenz in Unternehmen“ am 15. Oktober 2019

Konradin Industrie

Titelbild KEM Konstruktion Entwicklung Management S6
Ausgabe
S6.2019
LESEN
ARCHIV
ABO

Webinare & Webcasts

Technisches Wissen aus erster Hand

Whitepaper

Aktuelle Whitepaper aus der Industrie

Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de