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Die vier wichtigsten Fähigkeiten von Fertigungsunternehmen in Zeiten der Coronakrise

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Die vier wichtigsten Fähigkeiten von Fertigungsunternehmen in Zeiten der Coronakrise

Industriefertigung
Coronakrise hat Einfallsreichtum und Innovationen gefördert – auch in der Industrie.
Bild: Herrndorff_images/stock.adobe.com
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PTCs CEO Jim Heppelmann legte den Fokus seiner online übertragenen LiveWorx 2020-Keynote auf das große Ganze, zukunftsweisende Technologien und die Vorteile digitaler Strukturen in einer veränderten Welt. Besonders hervorgehoben wurden vier wesentliche Fähigkeiten, die Unternehmen dabei helfen, in Krisenzeiten wie der aktuellen Pandemie handlungsfähig zu bleiben.

Der Gegensatz zur Keynote 2020 könnte größer nicht sein. Bei ihr handelte es sich um eine sehr viel zurückhaltendere Angelegenheit, die online aus Heppelmanns Bostoner Wohnung übertragen wurde. „Es fühlt sich absurd an, dass ich von zu Hause aus mit Ihnen spreche“, sagte der PTC Chef. „Aber die letzten Monate waren in beinahe jeder Hinsicht verrückt“.

Coronakrise hat Einfallsreichtum und Innovationen gefördert

Trotz der außergewöhnlichen Umstände gelang Heppelmann eine Grundsatzrede, in der er es nicht versäumte, all jene zu würdigen, die seit Beginn der Covid-19-Krise überall auf der Welt in unterschiedlichen Rollen ihren Beitrag zu deren Bewältigung leisten. Er scheute sich nicht, die menschlichen und wirtschaftlichen Kosten von Covid-19 anzusprechen und die Leistungen der Beschäftigten in den Betrieben hervorzuheben.

Die Covid-19-Pandemie bezeichnete Heppelmann als letzte in einer Reihe von globalen Störungen, die im vergangenen Jahrzehnt das Leben nahezu aller beeinflusst hätten. Er nannte Terrorismus, den Brexit und die jüngsten Handelskriege als Beispiele. Jedes dieser Ereignisse habe sich auf Stabilität und Planbarkeit ausgewirkt.

Die jetzige Situation zeige einmal mehr, dass die Welt sich in einer weniger stabilen und vorhersehbaren Ära befinde und nun Wege finden müsse, diese neue Normalität zu akzeptieren und sich in und mit ihr weiterzuentwickeln.

Die Pandemie habe aber, so Heppelmann, neben viel Leid auch beeindruckende Beispiele von Innovation und Einfallsreichtum, Charakterstärke und Entschlossenheit hervorgebracht. Unternehmen hätten so selbst während des Lockdowns viel erreicht. In diesem Zusammenhang fand er auch für sein eigenes Team Worte des Dankes und der Anerkennung.

Während der Pandemie sei es nicht zuletzt im eigenen Haus vor allem dank des Einsatzes der Mitarbeiter gelungen, das globale Geschäft des Unternehmens fortzuführen und entscheidende Software-Releases wie Creo 7 von zu Hause aus voranzutreiben. Bei dem Update, sagt Heppelmann, handle es sich um „die größte Weiterentwicklung, seit wir Ihnen Creo vor einem Jahrzehnt vorgestellt haben“ und „einen der ehrgeizigsten und innovativsten“ Releases der Unternehmensgeschichte.

Digitale Lösungen funktionieren, aber längst noch nicht für alle

Die Ergebnisse der digitalen Arbeit von zu Hause aus bewertete Heppelmann als „in vielen Bereichen überraschend positiv“. Dank Cloud-Lösungen und SaaS in vielen Software-Bereichen habe die Mehrheit der Büro- oder Wissensarbeiter in Finanz-, Vertriebs-, Marketing- und Produktmanagement-Abteilungen relativ nahtlos zur Distanzarbeit übergehen können.

Während dieser Zeit habe eine OECD-Studie ein Ansteigen des Datenverkehrs über Internet-Knotenpunkte um bis zu 60 Prozent gezeigt. Die Zahl der täglich aktiven Nutzer von Microsoft Teams und Zoom sei aufgrund der Zusammenarbeit auf Distanz ebenfalls gestiegen.

„Aber“, fragte Heppelmann seine Zuhörer rhetorisch, „was ist mit all den Menschen, die in der echten Welt arbeiten, statt am Computer? Digitale Lösungen helfen ihnen nur bedingt.“ Bei etwa 75 Prozent der weltweit anfallenden Tätigkeiten sei die physische Präsenz am Arbeitsplatz unerlässlich, etwa in Produktion, Montage, Distribution oder Außendienst.

Für diese Beschäftigten sei die gegenwärtige Störung eine viel größere Herausforderung. Vier entscheidenden Fähigkeiten, die Fertigungsunternehmen benötigen, um die Corona-Krise zu meistern

Für die meisten habe es dementsprechend keine digitale Alternative gegeben. Firmen seien gezwungen worden, das Beste aus der Situation zu machen, zu beheben, was nicht funktionierte und sich für das Leben in der neuen Normalität zu wappnen.

Durch Beobachtung der Krisenbewältigung bei PTC Kunden, resümierte Heppelmann, habe er erkannt, dass vor allem vier wichtige Fähigkeiten von Unternehmen entscheidend dafür seien, dass diese nicht nur überleben, sondern erfolgreich weiteragieren könnten.

Es sind diese Fähigkeiten, die sich seiner Einschätzung nach in den kommenden Monaten und Jahren als erfolgsentscheidend erweisen werden.

Mobilität und Resilienz der Arbeitskräfte

Die erste Fähigkeit davon ist die Mobilität und Resilienz der Arbeitskräfte – mit anderen Worten, die verstärkte Nutzung von Cloud-Technologien, die gewährleisten, dass Arbeitnehmer unabhängig von ihrem Standort Zugang zu den Werkzeugen und Daten haben, die sie für ihre Arbeit benötigen.

Mit der Übernahme von Onshape im November 2019 hat PTC beispielsweise nicht nur eine vollständige Suite von SaaS-CAD- und PLM-Tools erworben, sondern auch die technologische Grundlage für die künftige Bereitstellung von SaaS-Versionen aller Produkte geschaffen.

Es sind solche Cloud- und SaaS-Strukturen, die bei vielen produzierenden Unternehmen „den Tag gerettet“ hätten, als deren Arbeitskräfte in den Lockdown gingen. Das treffe unter anderem für Kunden des PLM-Systems Windchill zu, das eine lange Cloudhistorie habe, sagte Heppelmann und nannte Beispiele.

Dazu zählen unter anderem der Roboterhersteller GreyOrange sowie der Medizingerätespezialist Fresenius Medical Care.

GreyOrange stellt autonome Roboter her, die berührungslose Interaktionen u.a. in Lagern und Distributionszentren ermöglichen. Als die Entwickler von zu Hause aus arbeiteten, konnten sie dank Windchill von dort auf Produktinformationen sowie Designs für digitale Reviews und Release-Prozesse zugreifen. So konnte das Unternehmen produktiv bleiben.

Fresenius wiederum zählt zu den größten Anbietern von Dialyse-Ausrüstung und -dienstleistungen. Auch hier arbeiteten Angestellte statt in einer der weltweit 37 Betriebsstätten von zu Hause aus weiter an Lösungen, die Dialysepatienten den Gang ins Krankenhaus und damit ein erhöhtes Infektionsrisiko ersparen sollen.

Und wie bei GreyOrange erwies sich die PLM-Plattform als funktionierendes Werkzeug für die Zusammenarbeit auf Distanz.

Bei Garret Motion, einem Automobilzulieferer mit einem umfassenden Portfolio von Turboladern, Electric Boosting und Automotive-Software-Lösungen, war es wiederum die SaaS-Produktentwicklungsplattform Onshape, die die Ingenieure in die Lage versetzte, ihre Arbeit von zu Hause aus fortzuführen.

Flexible und innovative Lieferketten

Bei der zweiten Fähigkeit handelt es sich um flexible und innovative Lieferketten. In einer Welt, in der viele Unternehmen gemeinsam an der Entwicklung und Herstellung eines Produkts arbeiten, so Heppelmann, stellten Software-Inkompatibilitäten weiterhin ein Hindernis dar.

Auch in dieser Hinsicht vereinfacht ein cloudbasiertes Produkt wie Onshape die Zusammenarbeit der Partner beim Design. Das zeigen unter anderem die Beatmungsgeräte, die von einem Konsortium lokaler Firmen in El Salvador unter der Leitung der Francisco Gandia Universität hergestellt wurden.

Auch das Franchisemodell des deutschen Elektrofahrzeugspezialisten e.GO Mobile profitiert davon. Gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Industrie und Stadtplanung entwickelt e.GO als Startup ein neuartiges Elektroauto, das mit OEMs konkurrieren kann.

Weltweit sollen Franchisenehmer dieses Design übernehmen, es nach Bedarf an ihren lokalen Markt anpassen und das Fahrzeug produzieren.

Das Betriebskapital von e.GO besteht somit vor allem in geistigem Eigentum. Deshalb benötigt das Unternehmen eine Lösung, mit deren Hilfe es Produktinformationen mit den Franchisenehmern teilen und gleichzeitig sein geistiges Eigentum schützen kann. Auch e.GO fand diese Lösung in Onshape.

Dort erhalten Franchisenehmer Zugang zu den Daten, ohne dass e.GO ihnen eine Kopie überlassen muss. Die Partner können auch bei lokalen Anpassungen zusammenarbeiten.

Konnektivität und Kooperation an Präsenzarbeitsplätzen

Die dritte Fähigkeit ist die Ermöglichung von Konnektivität und Kooperation an vorderster Front. Hier ging Heppelmann auf PTCs Vuforia Augmented Reality (AR)-Anwendungen ein. „Wie viele von Ihnen bin ich der festen Überzeugung, dass AR den zahlreichen Mitarbeitern in Produktion, Distribution, Lager oder Außendienst massive Vorteile verschaffen wird“, sagte Heppelmann.

Beispiel: Automobilgigant Toyota Motor Company setzt Vuforia Chalk ein, damit Mitarbeiter der Produktionstechnik aus der Ferne die Subunternehmer unterstützen können, die sich um die Installation neuer Fertigungslinien kümmern und bestehende Anlagen und Einrichtungen auf der ganzen Welt warten.

In Großbritannien stellte PTC als Teil des Konsortiums VentilatorChallengeUK seine AR-Plattform dem effizienten Training in der Montage zur Verfügung. Mit Hilfe von Vuforia Expert Capture konnten erfahrene Fachleute die entscheidenden Montageschritte und -prozesse beim Bau von Beatmungsgeräten aufzeichnen und mit den Arbeitern in den Werken derjenigen Partnerunternehmen, die in “normalen” Zeiten andere Dinge fertigen, teilen.

Fernüberwachung und -wartung

Auch die Fernüberwachung und -wartung mit Hilfe des Internet of Things (IoT) spielt eine immer größere Rolle. Sie hält die Maschinen in den Fabriken am Laufen und gewährleistet deren vorausschauende Wartung nach Kauf und Installation durch die Kunden.

Medizingerätehersteller Elekta beispielsweise konnte durch IoT-Konnektivität die Zeit für den Austausch von Teilen an Strahlentherapiegeräten von 60 auf 15 Stunden reduzieren. Etwa die Hälfte der Geräteprobleme werden inzwischen aus der Ferne gelöst.

Beim Unternehmen Autoliv, das Sicherheitsausrüstung wie Airbags und Sicherheitsgurte fertigt, wird IoT zur Echtzeiterkennung von Problemen bei der Produktqualität und -zuverlässigkeit eingesetzt.

Digitale Transformation als Antwort auf die Herausforderungen

Am Ende seiner Ansprache brachte Heppelmann es klar auf den Punkt: „Die Coronakrise stellt uns vor schwerwiegende gesundheitliche und wirtschaftliche Probleme, aber sie beschleunigt definitiv die Entwicklung hin zu digitalen Technologien wie IoT, AR und SaaS. Diesen Technologien hat PTC immer höchste Priorität eingeräumt, und sie sind es, die unser Unternehmen so einzigartig machen“. (ag)


Kontakt zu PTC

Parametric Technology GmbH
Edisonstraße 8
85716 Unterschleissheim
Tel.. +49 89 3210 60
E-Mail: information@ptc.com
Website: www.ptc.com

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