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IW-Studie zeugt: Der Fachkräftemangel ist in typischen Männer- und Frauenberufen besonders hoch

IW-Studie
Fachkräftemangel in typischen Männer- und Frauenberufen

Fachkräftemangel IW
Der Fachkräftemangel trifft die Industrie mit voller Wucht.
Bild: N. Theiss/stock.adobe. com

Der Fachkräftemangel in Deutschland steigt seit Jahren in beinahe allen Branchen an – und lähmt die deutsche Wirtschaft. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass besonders in Berufen mit ungleichen Geschlechter-Verhältnissen viele Fachkräfte fehlen.

Der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen für die Wirtschaft. Über alle Berufe hinweg fehlen derzeit fast 540.000 Fachkräfte. Und hier scheint auch kein Ende der Fahnenstange erreicht zu sein. Besonders groß sind die Lücken in der Sozialarbeit, der Erziehung, der Pflege, der IT und dem Handwerk. Die zehn Berufe, die aktuell am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen sind, lassen sich als typische Männer- oder Frauenberufe beschreiben.

Fachkräftemangel: Soziale und handwerkliche Stellen unbesetzt

Mit aktuell 20.600 nicht zu besetzenden Stellen sticht die Sozialarbeit und -pädagogik am stärksten hervor. In der Kinderbetreuung konnten mehr als 20.000 Stellen nicht besetzt werden. Es gab dafür einfach kein Fachkräftepotenzial.

Im Handwerk fehlten im vergangenen Jahr insgesamt 87.000 Fachkräfte. Besonders stark betroffen sind die Bauelektrik, die Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie die Kraftfahrzeugtechnik.

In fünf der zehn besonders betroffenen Berufen lag der Frauenanteil mit mindestens 76,6 Prozent zuletzt sehr hoch. In den anderen fünf stark betroffenen Berufsgattungen kehrt sich dieses Phänomen genau um: Hier ist der Anteil weiblicher Beschäftigter besonders niedrig. In der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sind nur 0,4 Prozent der Mitarbeiter Frauen, in der Kraftfahrzeugtechnik sind es 4,5 Prozent.

Attraktivität beruflicher Möglichkeiten so wichtig wie nie zuvor

Um Geschlechterklischees bei der Berufswahl abzubauen, empfiehlt das IW, möglichst frühzeitig in die berufliche Orientierung zu investiert. So könne es sich lohnen, Mädchen und Jungen schon früh für die Arbeit in Engpassberufen zu begeistern. Dies funktioniere am besten mit Rollenvorbildern.

Darüber hinaus würde es sich für Unternehmen lohnen, in Stellenausschreibungen unterrepräsentierte Gruppe gezielt anzusprechen. Dies könnte zu mehr Bewerbungen führen. Das Aufbrechen der Stereotype könne dazu beitragen, dass sich junge Menschen stärker an den eigenen Neigungen und Fähigkeiten orientieren und diese mit der Arbeitsmarktnachfrage abgleichen. So würde eine bessere Passung zwischen Arbeitskräftenachfrage und -angebot erzielt.

„Bei der aktuellen Fachkräftesituation ist es fatal, wenn Geschlechterklischees den Pool an Bewerbern noch weiter einschränken“, sagt Studienautorin Filiz Koneberg vom IW. „Unternehmen müssen die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe kennenlernen.“

Ihrer Ansicht nach würden eine gendergerechte Ansprache und eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie dabei helfen dabei, beide Geschlechter anzusprechen. Doch das alleine würde nicht reichen: Künftig brauche es mehr qualifizierte internationale Zuwanderung, um den Fachkräftebedarf langfristig zu decken. (wag)

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