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Future Readiness Index 2019: Fertigungsindustrie weniger optimistisch

Future Readiness Index 2019
Fertigungsindustrie blickt weniger optimistisch in die Zukunft

Future Readiness Index: Fertigung Fließband
Auf die Fertigungsindustrie kommen schwere Zeiten zu. Bild: Industrieblick/stock.adobe.com

Bei den deutschen Fertigungsunternehmen schwindet der Optimismus – das zeigt der aktuelle Future Readiness Index, den die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG dieses Jahr zum zweiten Mal veröffentlicht hat. 

Der Autor: Harald v. Heynitz, Partner, Head of Industrial Manufacturing, Audit KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Die Fertigungsunternehmen in Deutschland sind mit Blick auf die nächsten fünf Jahre mehrheitlich optimistisch gestimmt (61 Prozent). Allerdings sind die diesjährigen Selbsteinschätzungen im Sektor eingetrübter als noch vor einem Jahr, damals blickten rund 68 Prozent positiv in die Zukunft. Damit sinkt der Wert für die Fertigungsindustrie stärker als der Gesamt-Indexwert über alle Branchen hinweg. Das zeigt der „Future Readiness Index“ von KPMG, bei dem deutschen Unternehmen ihre Zukunftsfähigkeit bewertet haben.

Schwelende Handelskonflikte belasten die weltweite Konjunktur und immer wieder neu aufflammende Krisenherde wirken sich auf die Stimmung negativ aus. Aktuelle Meldungen zu Wachstumsprognosen, die nach unten korrigiert wurden, Ankündigungen von Kurzarbeit und rückläufige Auftragseingänge belegen diesen negativen Trend. Im Vergleich zu anderen Sektoren zeigt sich die Fertigungsindustrie jedoch überdurchschnittlich optimistisch.

Sind Fertigungsunternehmen auf Herausforderungen vorbereitet?

In Sachen Zukunftsfitness des Sektors bescheinigen sich die Fertigungsunternehmen bei vielen wachstumsrelevanten Aspekten zwar mehrheitlich eine hohe Zukunftsfähigkeit und sehen sich auch bei einigen Effizienzthemen als zukunftssicher aufgestellt. Insgesamt sinkt die Selbsteinschätzung des eigenen Reifegrades jedoch bei fast allen Themen im Vergleich zum Vorjahr.

Besonders deutlich wird dies bei der Anpassung an den technologischen Fortschritt und bei der eigenen Innovationsfähigkeit: bei beiden Aspekten messen sich die Unternehmen einen deutlich geringeren Reifegrad als noch im Vorjahr zu. Außerdem kommt die wachsende Bedeutung des Trends zu kürzeren Innovationszyklen für den Sektor hinzu, auf den immer dringender Antworten gefunden werden müssen. Dies deckt sich auch mit den Beobachtungen der Studienautoren, die die Technologie- und Innovationsführerschaft der Fertigungsunternehmen aus Deutschland im internationalen Wettbewerb gefährdet sehen.

Hier liegt laut der Erhebung besonderer Handlungsbedarf vor: Innovationen sind essentiell, um zukünftige Herausforderungen zu meistern und die Chancen bevorstehender Veränderungen erfolgreich zu nutzen. Die Fähigkeit der Unternehmen, Innovationen hervorzubringen und zu kommerzialisieren, gehört genauso zu den zentralen Erfolgsfaktoren wie die Anwendung neuer Prozesse und Technologien. Innovative Fertigungsverfahren, digitalisierte Prozesse und neue Materialien bieten dabei noch ungenutzte Potentiale, um sich durch neue Produkte und Dienstleistungen Vorteile im internationalen Wettbewerb zu sichern.

Digitale Transformation bestimmt Agenda der Fertigungsindustrie

Zu den wichtigsten Themen der Fertigungsindustrie in den nächsten fünf Jahren zählen neben den beständig kürzer werdenden Innovationszyklen auch die zunehmende Automatisierung, der demografische Wandel und die Veränderung der Kundenbedürfnisse. Auch die gestiegene Bedrohung der Unternehmenssicherheit, insbesondere durch Cyberattacken, rückt immer stärker in den Fokus der Unternehmen.

Der Trend zur Automatisierung wird in der Fertigungsindustrie als größte Herausforderung betrachtet. Im Vergleich zu allen anderen Sektoren erhält das Thema nur im Finanzsektor eine noch höhere Gewichtung. Für die Fertigungsunternehmen steht das Thema Automatisierung gleichbedeutend mit den Veränderungen durch Digitalisierung und die Vernetzung aller Prozesse – die auch Industrie 4.0 genannt wird. Diese Veränderungen führen zu Transformationsprojekten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Sie werden den Datenaustauch und das Datenmanagement ermöglichen beziehungsweise erleichtern. Algorithmen und Datenanalysen in Form einer intelligenten Automatisierung schaffen zudem Verbesserungen bei der Unterstützung von Entscheidungen, liefern Steuerungsmöglichkeiten und bieten die Grundlage für neue Geschäftsmodelle.

Übergreifende Digitalisierungsstrategie wichtiger denn je

Entscheidend dabei ist, dass alle Aktivitäten und Investitionen einer übergreifenden Digitalisierungsstrategie folgen. Nur so werden die zahlreichen Mosaiksteine der Einzelprojekte in Zukunft ein ganzheitliches Bild ergeben. Der digitale Wandel bedeutet immer auch einen massiven Eingriff in nahezu alle Arbeitsabläufe und die Art, wie Kunden, Zulieferer und Partner miteinander interagieren. Um den vollen Mehrwert der Digitalisierung und Automatisierung nutzen zu können, braucht es die Expertise aller beteiligten Fachbereiche. Digitalisierungsprojekte können nur dann erfolgreich sein, wenn diese nicht als IT-Projekt, sondern als Business Projekt verstanden werden. Das Geschäftsmodell und die Prozesse stehen im Mittelpunkt, Software und Cloud sind nur Mittel zum Zweck.

Menschliches Know-how zentraler Faktor für Digitalisierung

Menschliches Know-how ist der zentrale Faktor für eine erfolgreiche Digitalisierung
Die zweitgrößte Herausforderung der Fertigungsindustrie, die der Future Readiness Index verdeutlicht, sind der demografische Wandel und der damit einhergehende Fachkräftemangel. Die Digitalisierung führt auch zu einem grundlegenden Wandel der Arbeitswelt. Allein der Bedarf an Know-how zur Gestaltung und Umsetzung der Digitalisierungsprojekte wächst stetig – nicht nur bei Mitarbeitern mit direktem IT-Bezug, sondern auch bei der Neugestaltung von Prozessen und Strukturen in der Organisation. Und diese wiederum erfordern neue und veränderte IT-Sicherheitsstrategien im Sinne einer umfassenden Cyber Security. Initiativen und Programme zur Ausbildung und Qualifikation einerseits und zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität andererseits müssen fortlaufend ausgebaut und angepasst werden. Denn selbst bei autonomen Systemen ist und bleibt das Wissen von Menschen für den Erfolg des Unternehmens verantwortlich.

Gleichbedeutend mit dem Wandel der Arbeitswelt ist auch die Veränderung der Kundenbedürfnisse. Auch diese Entwicklung betrachten die Fertigungsunternehmen als eine der wesentlichen Herausforderungen der nächsten fünf Jahre. Um die gesamten Vorzüge dieser Vision zu realisieren, darf die Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung aller Prozesse nicht an der Unternehmensgrenze aufhören. In einem wettbewerbsintensiven Markt, in dem Fertigungsunternehmen die Loyalität ihrer Kunden schwer gewinnen und leicht verlieren können, entscheidet die Customer Experience über den langfristigen Markterfolg. Dabei müssen die Treiber für die Kundenbindung erkannt und verstanden werden. Hierfür können verschiedene digitale Kanäle genutzt werden, um die eigene Sichtbarkeit im Markt zu erhöhen und Interaktionen mit Kunden zu verbessern. Kunden müssen bekanntlich dort angesprochen werden, wo sie sich bewegen – und dabei gewinnen digitale Kanäle immer mehr an Bedeutung.


Kontakt zu KPMG

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Klingelhöferstraße 18
10785 Berlin
Tel.: +49 30 20680
E-Mail: information@kpmg.de
Website: www.kpmg.de

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