Bitkom-Studie

Handel: 73 Prozent sehen sich als Nachzügler bei Digitalisierung

Digitalisierung Bitkom
Bild: peshkova / Adobe Stock
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Viele Verbraucher bestellen im Internet oder fahren in große Einkaufszentren außerhalb der Städte. In den Fußgängerzonen klagen Einzelhändler über sinkende Kundenzahlen, Ladenflächen stehen leer. Der Handel in Deutschland sieht sich mit großen Herausforderungen konfrontiert – und die Digitalisierung ist eine der größten.

Und im Bereich Digitalisierung sieht es bei deutschen Handelsunternehmen nicht gerade gut aus. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine aktuelle und repräsentative Bitkom-Umfrage, für die 504 stationär und online tätige Groß- und Einzelhändler befragt wurden. Demnach halten sich 73 Prozent der Befragten beim Thema Digitalisierung für Nachzügler und nur 23 Prozent für Vorreiter und Gestalter. 65 Prozent der Unternehmen sehen die Digitalisierung generell als eine große Herausforderung an – und 71 Prozent haben große Probleme, Mitarbeiter mit digitalen Fachkenntnissen zu finden. Trotzdem sehen immerhin 72 Prozent in der Digitalisierung grundsätzlich eine Chance für ihr Unternehmen.

Handel muss sich auf Kundenbedürfnisse einstellen

„Die Digitalisierung verändert nicht nur die Handelslandschaft massiv, sie verändert auch die Bedürfnisse der Verbraucher“, sagt Bitkom-Chef Achim Berg. Der Handel müsse sich auf diese Bedürfnisse einstellen, was jedoch nicht allen gelänge. Wichtig sei es, den Kunden den Einkauf auf möglichst vielen Kanälen zu ermöglichen. „Die Grenzen zwischen Online und Offline verschwinden im Handel zusehends, E-Commerce, Mobile-Commerce und mittlerweile auch Voice-Commerce erweitern das traditionelle Geschäftsmodell. Das gilt für sämtliche Bereiche von Kleidung über Elektronik bis hin zu Lebensmitteln“, so Berg.

Digitalisierung Unternehmen Umfrage Bitkom
73 Prozent der Unternemen sehen sich als Nachzügler. Grafik: Bitkom. Hier klicken, um Grafik in vollständiger Größe anzuzeigen.

25 Prozent handeln ausschließlich offline

66 Prozent der Handelsunternehmen verkaufen ihre Produkte sowohl stationär als auch online. Jedes vierte Unternehmen (25 Prozent) handelt ausschließlich stationär, sechs Prozent bieten ihre Waren nur im Internet an. Diejenigen Händler, die auch online verkaufen, erzielen damit erhebliche Umsätze: So geben 41 Prozent an, dass 30 bis 50 Prozent des Gesamtumsatzes aus dem Internetgeschäft stammt, 37 Prozent generieren so zehn bis 30 Prozent ihres Umsatzes und acht Prozent der befragten Unternehmen erwirtschaften online mehr als die Hälfte ihres Umsatzes. „Wer nicht online ist, verpasst nicht nur den Anschluss – er verzichtet auch auf zusätzliche Einnahmen“, sagt Berg. Fast jedes Handelsunternehmen hat heute eine eigene Website (98 Prozent). Etwas mehr als jedes dritte (35 Prozent) macht bei Verkaufsplattformen wie Amazon oder Ebay auf sich aufmerksam, etwa jedes vierte (26 Prozent) hat eine Präsenz in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder Twitter. 13 Prozent verfügen über einen Eintrag auf Bewertungsplattformen, mit Influencern arbeitet dagegen nur ein Prozent zusammen.

2019 soll mehr in Digitalisierung investiert werden

Online wie offline wollen viele Handelsunternehmen außerdem weiter in die Digitalisierung investieren: 19 Prozent sagen, die Investitionen in diesem Bereich werden 2019 im Vergleich zu 2018 stark zunehmen. 26 Prozent sagen, die Investitionen nehmen eher zu. Nur acht Prozent werden weniger investieren, bei 42 Prozent bleibt die Summe 2019 gleich hoch wie im Vorjahr. „Umso mehr Wege die Händler nutzen, ihre Kunden anzusprechen und umso bessere Services sie anbieten, desto eher können sie auf dem umkämpften Markt bestehen – das gilt für den Online-Handel ebenso wie für Ladengeschäfte“, sagt Berg. 62 Prozent sind so auch der Ansicht, der Handel in den Innenstädten müsse sich neu erfinden. 81 Prozent sind sich sicher, dass On- und Offline-Handel miteinander verschmelzen werden. 86 Prozent befürchten jedoch auch, dass die Digitalisierung insgesamt das Händlersterben beschleunigen wird.

Handel sucht Fachkräfte mit Digitalkompetenz

Viele Unternehmen wollen für die Digitalisierung neue Mitarbeiter einstellen. 28 Prozent wollen ihren IT-Bereich in den kommenden fünf Jahren personell aufstocken, 21 Prozent stellen im Verkauf und zehn Prozent im Bereich Logistik neu ein. In der Verwaltung sind am ehesten Einschnitte zu erwarten: 19 Prozent der Unternehmen sagen, hier bis 2024 Mitarbeiter entlassen zu wollen.

Der Bedarf an kompetenten Fachkräften ist hoch: 71 Prozent der Unternehmen sagen, sie hätten große Probleme, Mitarbeiter mit digitalen Fachkenntnissen zu finden. Damit ist dies aus Sicht der Unternehmen eine noch größere Herausforderung als die Digitalisierung (65 Prozent). Schwierigkeiten bereiten ebenfalls die Suche nach Fachkräften und Mitarbeitern mit nicht-digitalen Kompetenzen (59 Prozent), die steigenden Ausgaben für die Miete (53 Prozent) oder die Konkurrenz durch andere Wettbewerber (29 Prozent).

Für viele wirken außerdem die Datenschutzvorgaben abschreckend. 98 Prozent sagen, der Aufwand hierfür sei der größte Nachteil, den die Digitalisierung mit sich bringe. 86 Prozent der Unternehmen bemängeln außerdem hohe Investitionskosten, 64 Prozent befürchten den Verlust des persönlichen Kontakts zum Kunden. Fast anderthalb Jahre nach Einführung der DSGVO haben noch immer 33 Prozent der Unternehmen die neue Verordnung nur mangelhaft umgesetzt.

Die Kasse ist ein Auslaufmodell

In die Zukunft schaut der Handel jedoch insgesamt optimistisch, und sieht zahlreiche Innovationen kommen: 19 Prozent glauben, dass im Jahr 2030 Verkaufsroboter durch Geschäfte führen werden. 39 Prozent halten dann Warenlieferungen per Drohne für verbreitet und jeder Zweite (50 Prozent) geht davon aus, dass Geschäfte 24 Stunden am Tag, sieben Tage pro Woche geöffnet haben. 77 Prozent sehen den Abschied von der Kasse gekommen: Sie gehen davon aus, dass das Bezahlen in vielen Geschäften automatisch abläuft. Digitale Technologien und Lösungen „können auch klassische, traditionelle Geschäfte beleben und ihnen den Weg in eine erfolgreiche Zukunft ebnen“, so Berg. (wag)

Eine Präsentation zur Studie gibt es auf der Seite des Bitkom zum Download (externer Link, PDF).


Kontakt zum Bitkom

Bitkom – Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.
Albrechtstraße 10
10117 Berlin-Mitte
Tel.: +49 30 275760
Fax: +49 30 27576 409
E-Mail: bitkom@bitkom.org
Website: www.bitkom.org

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