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Mittelstandsbarometer 2020 von Ernst & Young: Unternehmen pessimistischer als im Vorjahr

Umfrage von EY
Mittelstandsbarometer 2020: Unternehmen pessimistischer als im Vorjahr

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30 Prozent der Mittelständler rechnen mit einer Verschlechterung der Wirtschaftslage in Deutschland. Bild: adrian_ilie825 / stock.adobe.com
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Der deutsche Mittelstand hat an der schwächeren Konjunkturentwicklung zu knabbern. Jeder zehnte Mittelständler bezeichnet die eigene Geschäftslage als schlecht oder eher schlecht – vor einem Jahr lag der Anteil bei drei Prozent. Der Anteil der Unternehmen, die uneingeschränkt zufrieden sind, sinkt von 65 auf 57 Prozent. Zu diesen Ergebnissen kommt das Mittelstandsbarometer vom Januar 2020 von Ernst and Young (EY), für das 1.500 mittelständische Unternehmen in Deutschland befragt wurden, die zwischen 20 Millionen und einer Milliarde Euro Umsatz machen.

Der Umfrage zufolge macht den Unternehmen vor allem die allgemeine Wirtschaftslage Sorgen: 30 Prozent der Mittelständler rechnen mit einer Verschlechterung der Wirtschaftslage in Deutschland, 21 Prozent erwarten eine positive Entwicklung der Konjunktur.

Freie Stellen in IT, Buchhaltung und Forschung und Entwicklung

Das wirkt sich auch auf die Investitions- und Einstellungsbereitschaft aus, die jeweils geringer ausfällt als im Vorjahr. Trotzdem wollen weiterhin mehr Unternehmen ihre Investitionen erhöhen und neue Mitarbeiter einstellen als umgekehrt. Gesucht werden vor allem IT-Spezialisten: Jeder dritte Mittelständler hat offene Stellen im IT-Bereich, jeder sechste in der Buchhaltung, jeder siebte im Bereich Forschung und Entwicklung.

„Die Stimmung in weiten Teilen des deutschen Mittelstands ist trotz der schwierigen Wirtschaftslage bemerkenswert gut“, kommentiert EY-Partner und Mittelstands-Verantwortlicher Michael Marbler. „In einigen Branchen – vor allem in der Autobranche und dem Maschinenbau – haben die Unternehmen in den Krisenmodus umgeschaltet. Bei der Mehrzahl der übrigen Unternehmen laufen die Geschäfte aber nach wie vor gut bis sehr gut.“

Autoländer stehen vor großen Herausforderungen

Besonders in der Automobilindustrie ist die Stimmung eingetrübt. 31 Prozent der dort tätigen Unternehmen äußern sich zufrieden mit ihrer Geschäftslage – 15 Prozent weniger als vor einem Jahr (46 Prozent) und 36 Prozent weniger als Anfang 2018 (67 Prozent).

„Damit stehen vor allem die Regionen mit einem hohen Anteil von Autoherstellern und Zulieferern vor großen Herausforderungen, also etwa die Flächenländer Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen“, sagt Marbler. In keiner anderen Branche ist der Anteil der Unternehmen, die Stellen abbauen wollen, so groß: 18 Prozent wollen die Zahl der Mitarbeiter reduzieren, fünf Prozent wollen sie erhöhen. Zum Vergleich: In der Baubranche planen 32 Prozent der Unternehmen zusätzliche Einstellungen, sieben Prozent wollen Stellen abbauen. Auch im Maschinenbau und in der chemischen Industrie hat sich die Geschäftslage gegenüber dem Vorjahr massiv eingetrübt.

Bauunternehmen und Elektrotechnik-Unternehmen sind zufrieden

Es gibt aber auch Branchen, in denen die Geschäfte nach Angaben der Befragten nach wie vor glänzend laufen: 68 Prozent der Bauunternehmen und 70 Prozent der Mittelständler aus der Elektrotechnik-Branche sind derzeit mit der Geschäftsentwicklung rundum zufrieden.

„Die Lage im Mittelstand ist je nach Branche sehr unterschiedlich“, so Marbler. Während etwa Dienstleister und die Baubranche nach wie vor florierten, habe sich die Lage in anderen Branchen in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert. Die Schwäche von Autoindustrie und Maschinenbau ziehe zunehmend auch angrenzende Branchen in Mitleidenschaft. Von einer flächendeckenden Krise könne jedoch noch keine Rede sein. Marbler fordert jedoch, dass die weltweite Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands durch eine integrierte Wirtschafts-, Steuer- und Industriepolitik gestärkt werden sollte.

Nur sieben Prozent planen, Mitarbeiter zu entlassen

Der Beschäftigungstrend – ausgenommen in der Autobranche – bleibt insgesamt positiv. Allerdings will deutschlandweit nur noch knapp jedes vierte Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter einstellen – das ist der niedrigste Wert seit 2013. Nur sieben Prozent planen, die Zahl der Mitarbeiter reduzieren. Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt dürfte aus Arbeitgebersicht angespannt bleiben: Aufgrund der Digitalisierung und des damit einhergehenden Transformationsprozesses benötigten die Unternehmen jedoch „mehr denn je qualifizierte und motivierte Mitarbeiter“, sagt  Marbler.

Der Fachkräftemangel bleibt daher das größte Risiko für den Mittelstand: 56 Prozent der deutschen Mittelständler bezeichnen den Fachkräftemangel als große Gefahr – drei Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Der zunehmende Wettbewerb und die konjunkturelle Situation folgen im Sorgen-Ranking mit 50 bzw. 46 Prozent erst auf den Plätzen zwei und drei.

Berliner Unternehmer voller Optimismus

97 Prozent der Mittelständler in Berlin sind derzeit mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Entsprechend groß ist hier auch die Bereitschaft, neue Mitarbeiter einzustellen: Gut 36 Prozent suchen derzeit zusätzliches Personal. In Hamburg und Hessen liegt der Anteil mit 34 Prozent nur knapp darunter. Deutlich zurückhaltender äußern sich die Unternehmen in Sachsen, wo nur 16 Prozent der Mittelständler Neueinstellungen planen. In Schleswig-Holstein liegt der Anteil bei nur 11 Prozent. (wag)

Hier finden Sie unsere Berichte zum Mittelstandsbarometer 2019 und zum Mittelstandsbarometer 2018.

Die gesamten Befragungsergebnisse finden Sie auf der Website von EY.


Kontakt zu Ernst and Young

Ernst & Young GmbH
Flughafenstraße 61
70629 Stuttgart
Tel.: +49 711 9881 0
E-Mail: info@de.ey.com
Website: www.ey.com/de

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