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Startup-Barometer von Ernst & Young: Massiver Einbruch bei Startup-Finanzierungen erwartet

Startup-Barometer
EY erwartet massiven Einbruch bei Startup-Finanzierungen

Startups erhalten im Jahr 2020 deutlich weniger Geld als 2019. DisobeyArt Adobe Stock
2020 wird deutlich weniger Geld in Startups fließen als im vorangegangenen Jahr.
Bild: DisobeyArt/ stock.adobe.com
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Aufgrund der Corona-Krise kommt es im Jahr 2020 zu einem massiven Einbruch bei Startup-Finanzierungen. Davon geht das Beratungs-Unternehmen Ernst & Young (EY) im aktuellen Startup-Barometer aus. Im Jahr 2019 stieg der Gesamtwert der Finanzierungen im Vergleich zum Vorjahr um 46 Prozent auf 31,1 Milliarden Euro – ein neuer Rekord. Gleichzeitig stieg allerdings auch die Zahl der Finanzierungs-Runden um ein Prozent auf 4.246.

Das Startup-Barometer wird von EY halbjährlich veröffentlicht und analysiert die Investitionen in europäische Startups. Als Startups bewertet die Prüfungsgesellschaft dabei Unternehmen, die nicht älter als zehn Jahre sind.

„2019 dürfte vorerst das letzte Rekordjahr für das europäische Start-up-Ökosystem gewesen sein“, sagt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY Deutschland.

Barth ist sich sicher, dass die Coronavirus-Pandemie nicht nur zu deutlich sinkenden Investitionen führen wird: „Es sind zudem bei vielen Unternehmen massive Umsatzausfälle zu erwarten. Damit ist diese Krise eine existenzielle Herausforderung für das europäische Startup-Ökosystem.“

Startups erhielten 2019 in Großbritannien das meiste Kapital

Großbritannien konnte 2019 trotz Brexit seine Spitzenposition innerhalb der europäischen Startup-Szene behaupten und sogar ausbauen. So sammelten Startups von der Insel insgesamt 11,1 Milliarden Euro – 54 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Finanzierungs-Runden sank allerdings um acht Prozent auf 971.

Deutsche Jungunternehmen erhielten 6,1 Milliarden Euro, ein Anstieg um 32 Prozent gegenüber 2018. In Frankreich stiegen die Start-up-Investitionen sogar um 50 Prozent auf 5,0 Milliarden Euro.

Im europäischen Städte-Ranking lag London mit 9,1 Milliarden Euro (plus 82 Prozent) auf dem ersten Platz vor Berlin (3,54 Milliarden Euro) und Paris (3,52 Milliarden Euro).

EY konnte bereits im zweiten Halbjahr 2019 einen Rückgang der Finanzierungs-Aktivitäten in Europa zu beobachten: Das Investitionsvolumen schrumpfte im Vergleich zur ersten Jahreshälfte um 15 Prozent auf 14,2 Milliarden Euro, die Zahl der Finanzierungs-Runden sank ebenfalls um 15 Prozent auf 1.944.

In diesem Jahr dürften die Zahlen noch deutlich stärker zurückgehen, erwartet Peter Lennartz, Partner bei EY. Wie stark, hänge von der Stärke und Dauer der aktuellen Krise ab: Fest stehe allerdings, dass es die größte Bewährungsprobe in der Geschichte des europäischen Startup-Ökosystems sei.

Mehrzahl der Deals eher klein – Finanzierungs-Engpässe zu erwarten

2019 ist viel Geld an europäische Jungunternehmen geflossen – der Großteil allerdings an große und bereits mit viel Kapital ausgestattete Startups. Die Mehrzahl der Deals war eher klein.

In Deutschland haben die Top-20-Startups (nach Finanzierungs-Summe) 3,4 Milliarden Euro erhalten (56 Prozent des insgesamt in Deutschland investierten Kapitals). Damit fielen auf die übrigen 631 Startups im Durchschnitt 4,2 Millionen Euro. 59 Prozent aller Deals in Deutschland lagen sogar im Bereich von höchstens einer Million Euro.

„Die Mehrzahl der Startups ist nur für einige Monate durchfinanziert, danach benötigen sie frisches Geld“, sagt Lennartz. Die Branche hoffe jetzt auf den von der Bundesregierung angekündigten Schutzschirm von zwei Milliarden Euro.

Auch in anderen Ländern plant die Politik milliardenschwere Hilfen für Startups – Frankreich hat etwa ein Rettungspaket in Höhe von 4,3 Milliarden US-Dollar angekündigt.

Auch Kapitalgeber leiden unter Corona-Krise

Eine besondere Herausforderung sei laut Lennartz die derzeitige Situation auch für die Kapitalgeber: „Ein Exit ist jetzt sehr viel schwieriger als vor der Krise – die Bewertungen werden nach unten angepasst.“ Für die Investoren ginge es daher vorrangig darum, ihre Portfolio-Unternehmen durch die Krise zu bekommen.

Im Zweifelsfall hätten die Investoren außerdem entschieden, welche Geschäftsmodelle eine Zukunft haben. „Für vielversprechende Unternehmen wird es durchaus noch Zwischenfinanzierungen geben – große Neuinvestitionen werden wir aber deutlich seltener sehen als 2019“, ist sich Lennartz sicher.

Regierung kommt bei Startup-Förderung nur schwer in Gang

„Der Finanzierungsmarkt darf nicht vollständig austrocknen – das würde den Technologie-Standort Deutschland um Jahre zurückwerfen“, warnt der Vorsitzende der Geschäftsführung von EY Deutschland, Hubert Barth. Eine noch deutliche stärkere Digitalisierung der Wirtschaft sei unverzichtbar. Das zeige sich in der aktuellen Krise.

„Jetzt erweist sich, wie wichtig etwa Plattformen sind, auf denen Lehrer ihre Schüler per Livestream unterrichten. Und wie sehr Unternehmen im Vorteil sind, die bereits funktionierende Homeoffice-Lösungen und Web-Konferenz-Tools etabliert haben“, sagt Barth.

Krise wird nicht für alle Unternehmen Schwächung bedeuten

Lennartz ist sich sicher, dass einige Unternehmen und Segmente auch gestärkt aus der Krise hervorgehen werden: „Digital Health im weitesten Sinne wird boomen – einige dieser Lösungen waren schon in den vergangenen Jahren in Gang gebracht worden, z.B. das eRezept oder Online-Sprechstunden.“

Die Entwicklungen in diesem Bereich würden sich jetzt beschleunigen. „BioTech und Medtech werden natürlich auch gewinnen“, prognostiziert Lennartz. Ebenfalls einen Aufschwung könnte es mittelfristig in den Bereichen Logistik, Food, Online-Handel, Online-Learning, Online-Kommunikation und bei Saas-Modellen geben. Schwierigkeiten werden hingegen Startups aus den Bereichen Travel, Mobility und Events haben.

GetYourGuide und Flixbus sammelten meistes Kapital in Deutschland

Vier der fünf größten Finanzierungs-Runden des vergangenen Jahres gingen britische Jungunternehmen: Das inzwischen insolvente Internet-Satelliten-Startup One Web erhielt 1,1 Milliarden Euro, an das schwedische Batterie-Startup Northvolt flossen 885 Millionen Euro.

Für das britische FinTech Greensill Capital gab es bei zwei Finanzierungs-Runden insgesamt knapp 1,3 Milliarden Euro.

Die 500-Millionen-Euro-Finanzierung für Flixbus war im europäischen Vergleich die sechstgrößte Investition, die Finanzspritze von 428 Millionen Euro für GetYourGuide war europaweit die achtgrößte. (wag)


Kontakt zu Ernst & Young

Ernst & Young GmbH
Flughafenstraße 61
70629 Stuttgart
Tel.: +49 711 9881 0
E-Mail: info@de.ey.com
Website: www.ey.com/de

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