Startseite » Arbeitswelt »

Trotz Corona: Mehr deutsche Startups erhalten frisches Kapital – Investitionsvolumen verringert sich

Startup-Barometer von EY
Trotz Corona: Mehr deutsche Startups erhalten frisches Kapital

Deutsche Startups erhielten trotz Corona mehr Kapital als im Vorjahreszeitraum. Boggy Adobe Stock
Deutsche Startups erhielten trotz Corona mehr Kapital als im Vorjahreszeitraum.
Bild: Boggy/stock.adobe.com
Anzeige

Die Corona-Krise tut den Investitionen in Startups keinen Abbruch. Im ersten Halbjahr 2020 erhielten mehr deutsche Startups frisches Kapital als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Finanzierungsrunden stieg um acht Prozent auf 360. Allerdings gab es in diesem Halbjahr kaum größeren Transaktionen, die 2019 noch für Finanzierungsrekorde gesorgt hatten. Das Investitionsvolumen sank entsprechend um 22 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro.

In Berlin waren die Investoren wieder besonders aktiv: Die Zahl der Finanzierungsrunden kletterte um 14 Prozent auf 149. Der Mangel an großen Transaktionen macht sich dort allerdings besonders bemerkbar: Das Investitionsvolumen verringerte sich um 47 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.

Umgekehrt war die Entwicklung in Bayern. Die Zahl der Deals steig um 60 Prozent auf 83. Das Investitionsvolumen vervierfachte sich beinahe: von 204 auf 773 Millionen Euro.

In den übrigen größeren Startup-Standorten war die Entwicklung rückläufig. Die Zahl der Investitionen sank in Nordrhein-Westfalen um 24 Prozent auf 32, in Baden-Württemberg und Hamburg jeweils um 32 Prozent auf 17.

Auch beim Investitionsvolumen konnten diese drei Bundesländer nicht an das Vorjahr anknüpfen: In Baden-Württemberg schrumpfte die insgesamt investierte Summe um 30 Prozent auf 105 Millionen Euro, in NRW um 55 Prozent auf 60 Millionen Euro und in Hamburg um 68 Prozent auf 26 Millionen Euro.

Zu diesen Ergebnisse kommt Ernst & Young (EY) in der Juni-Ausgabe des halbjährlich veröffentlichten Startup-Barometers. Das Beratungsunternehmen berücksichtigt darin Unternehmen, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt.

Startup-Barometer: Effekte von Corona deutlich erkennbar

„Es gibt eindeutig einen Corona-Effekt bei den Risikokapitalinvestitionen“, beobachtet Thomas Prüver, Partner bei EY.

„Die offensichtlichste Entwicklung ist der starke Rückgang bei sehr großen Deals: Die Zahl der Transaktionen mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von sieben auf zwei. Gleichzeitig gab es allerdings mehr kleine Transaktionen. Damit fällt der Corona-Effekt weniger massiv aus als zunächst befürchtet“, so Prüver.

Schwerpunktseite: Coronavirus

Die größte Transaktion in Deutschland war eine Finanzspritze von 218 Millionen Euro für den Münchner Flugtaxi-Entwickler Lilium im März. Sie wurde im Juni auf fast 250 Millionen Euro erweitert.

An zweiter Stelle steht eine 195-Millionen-Euro-Finanzierung für den Berliner Verleiher von Technik-Geräten Grover. Diese ging bereits im Januar über die Bühne.

Die drittgrößte Transaktion konnte die Smartphone-Bank N26 vermelden. Im Mai erhielt das Startup 91 Millionen Euro.

Sinkende Transaktionszahlen im Verlauf des ersten Halbjahrs

Nach einem starken Jahresauftakt sank die Zahl der Finanzierungen im Verlauf des ersten Halbjahres: Von 90 im Januar über 49 im März auf 34 im Juni.

„Deals werden nicht von heute auf morgen umgesetzt, sondern erfordern eine ausführliche Vorbereitung und daher einen gewissen zeitlichen Vorlauf“, betont Prüver.

Zu einem großen Teil wurden Transaktionen, die vor Corona in Angriff genommen worden waren, auch abgeschlossen. Nur wenige Deals wurden abgesagt.

Die mittelfristigen Folgen der Krise werde man aber erst in den kommenden Monaten sehen, sagt Prüver. „Dann zeigt sich, in welchem Umfang noch neue Transaktionen gestartet und zum Abschluss gebracht werden. Fest steht aber schon jetzt: Die Investoren sind eindeutig vorsichtiger geworden.“

Dennoch sind große Transaktionen nach wie vor möglich: Zwar wurden im Juni „nur“ 34 Transaktionen angekündigt, deren Gesamtvolumen lag aber bei 373 Millionen Euro.

„Der Markt befindet sich im Umbruch – aber nicht in Schockstarre“, stellt Prüver fest. „Herausragende Geschäftsideen stoßen bei den Investoren nach wie vor auf großes Interesse.“

Der EY-Partner sieht in der aktuellen Situation auch eine Normalisierung nach der Überhitzung der Vorjahre: „Die Investoren achten jetzt mehr auf Qualität, die Bewertungen rücken sich zurecht, einige Hype-Themen sind in der Realität angekommen – das muss keine schlechte Entwicklung sein.“

FinTech und Mobility verlieren stark – Technologie-Startups legen zu

Die Schwerpunkte der Investitionstätigkeit in Deutschland verschoben sich im ersten Halbjahr 2020 deutlich: Auf der einen Seite konnte der Bereich Software und Analytics kräftig zulegen – um 12 Prozent auf 112 Transaktionen und um 30 Prozent auf 501 Millionen Euro.

Auf der anderen Seite floss weniger Geld vor allem an Mobilitäts-Startups und FinTechs: Im Mobilitäts-Segment ging das Finanzierungsvolumen um 34 Prozent auf 434 Millionen Euro zurück, bei jungen Finanzunternehmen gab es sogar einen Rückgang um 55 Prozent auf 313 Millionen Euro.

„Das Interesse an hochinnovativen Technologie-Geschäftsmodellen war schon vor der Corona-Krise gestiegen, dieses Segment hat aber nun einen zusätzlichen Schub bekommen“, stellt Prüver fest.

„SaaS (Software as a Service), Analytics und KI bieten vielversprechende Geschäftsideen – auch und gerade in Pandemie-Zeiten. Diese Themen profitieren daher weiterhin von hohen Bewertungen.“

Auch Gesundheits-Startups seien in den vergangenen Monaten stärker in den Fokus von Investoren geraten – die Zahl der Deals in diesem Segment stieg um 30 Prozent auf 61.

„Digital Health wird weiter boomen. Und auch BioTech und Medtech haben in den vergangenen Monaten enorm an Bedeutung gewonnen“, so Prüver.

München entwickelt sich zum zweiten großen Startup-Standort

Berlin konnte seine Position als Deutschlands führender Startup-Standort behaupten – doch Bayern konnte kräftig zulegen und den Abstand zur Bundeshauptstadt deutlich verringern.

„München bildet sich als zweiter großer Startup-Standort heraus“, stellt Prüver fest. Von den Top-5-Deals in Deutschland entfielen im ersten Halbjahr drei auf Berlin und immerhin zwei auf München.

„Das Profil des Münchner Startup-Ökosystem unterscheidet sich von dem der Bundeshauptstadt: Bayern ist vor allem im Technologie-Bereich stark. Damit ergänzen sich die beiden deutschen Top-Standorte hervorragend“, betont Prüver.

Nachdem im Vorjahreszeitraum noch 76 Prozent des in Deutschland investierten Kapitals nach Berlin flossen und nur sieben Prozent nach München, lagen die beiden Regionen im ersten Halbjahr 2020 deutlich näher beieinander: 52 Prozent der Finanzierungssumme flossen nach Berlin, immerhin 35 Prozent nach Bayern. (wag)


Kontakt zu Ernst and Young


Ernst & Young GmbH
Flughafenstraße 61
70629 Stuttgart
Tel.: +49 711 9881 0
E-Mail: info@de.ey.com
Website: www.ey.com/de

Ebenfalls interessant:

Investitionen in Industrie-Standort Europa nehmen 2019 zu


Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de