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Zahl der Frauen in Führungspositionen steigt

Männer noch immer in deutlicher Überzahl
Zahl der Frauen in Führungspositionen steigt

Frauen Vorstand Führungsposition DAX
Frauen im Vorstand von börsennotierten Unternehmen sind noch immer eine Seltenheit. Bild: nd3000 / fotolia.com
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Die Zahl weiblicher Vorstände in börsennotierten Unternehmen in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2019 zum achten Mal in Folge gestiegen – von 58 zu Jahresbeginn auf nun 61. Auch der Anteil der Frauen in den Vorstandsetagen der DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen ist in den vergangenen acht Halbjahren kontinuierlich gestiegen: Mittlerweile sind 8,7 Prozent aller Vorstände weiblich.

Auch wenn noch nie so viele Frauen Vorstandsposten innehatten, geben Männer weiterhin den Ton an: In zwei von drei Unternehmen entscheidet keine Frau auf Vorstandsebene mit. Jedes dritte Unternehmen hat zumindest eine Frau im Vorstand. Nur bei sechs Prozent der Unternehmen gehören zwei Frauen dem Vorstand an. Zu diesen Ergebnissen kommt die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY), die halbjährlich eine Analyse der Struktur der Vorstände der 160 im DAX, MDAX und SDAX gelisteten Unternehmen durchführt.

Bei der Gesamtverantwortung gab es sogar einen Rückschritt: Nur noch drei Konzerne werden von einer Frau als CEO geführt: DIC Asset, Hamburger Hafen und Logistik sowie GrenkeLeasing. Vor einem halben Jahr wurden noch vier der untersuchten Unternehmen von einer Frau gelenkt – das von Prof. Dr. Dolores Schendel geführte Biotech-Unternehmen Medigene wird allerdings seit dem Frühjahr nicht mehr im SDAX gelistet.

„Die Vorstände in den börsennotierten Unternehmen in Deutschland bleiben zum Großteil reine Männerclubs. Die Unternehmen befördern seit Jahren zwar immer mehr Frauen auf Vorstandsposten. Dennoch scheint kaum etwas voranzugehen: Noch immer werden zwei von drei Unternehmen ausschließlich von Männern gelenkt“, sagt Markus Heinen, Leiter des Geschäftsbereiches People Advisory Services von EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wenn die Zahl der Frauen in den Vorstandsgremien weiter so langsam steigt wie im ersten Halbjahr dieses Jahres, wird es bis zum Jahr 2048 dauern, bis ein Drittel der Vorstandsposten mit Frauen besetzt ist.

Frau im Vorstand bei 23 von 30 DAX-Konzernen – in MDAX und SDAX deutlich weniger

23 der 30 Unternehmen im DAX haben eine Frau im Vorstand, fünf davon kommen auf mindestens zwei Frauen. Allerdings hat sich an der Gesamtzahl der Frauen nichts geändert: Wie schon vor einem halben Jahr gehören 28 Frauen dem Führungsgremium an. Weil in der gleichen Zeit aber fünf männliche Vorstände hinzukamen, ist der Anteil um 0,3 Prozentpunkte auf 14,1 Prozent gesunken. Bei den MDAX-Unternehmen erreicht der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder mit aktuell 8,6 Prozent einen neuen Höchstwert im Untersuchungszeitraum, liegt aber weiterhin klar unter der Quote der DAX-Unternehmen. Bei gerade einmal 28 Prozent der Unternehmen arbeitet mindestens eine Frau im Vorstand. Noch schlechter sieht es im SDAX aus. Nur 12 der 258 Vorstandsmitglieder sind weiblich – ein Anteil von 4,7 Prozent. Bei jedem sechsten SDAX-Unternehmen sitzt eine Frau im Vorstandsgremium.

Dafür, dass derzeit nicht mehr Frauen in den Unternehmen in Verantwortung sind, macht Heinen vor allem zwei Gründe verantwortlich: „Zum einen gibt es, anders als für Aufsichtsräte, keine gesetzliche Quote. Dadurch ist der Druck nicht so groß, Vorstandsposten mit Frauen zu besetzen. Zum anderen wäre dies aber auch bei einer Quote gar nicht so leicht: Weil in der Vergangenheit zu wenig für die Förderung weiblicher Managementtalente getan wurde, gibt es derzeit nicht übermäßig viele weibliche Führungskräfte mit der Erfahrung und Qualifikation, um einen weltweit operierenden Konzern zu führen.“

Die Entwicklung im DAX zeige aber: „Es ist möglich, den Frauenanteil deutlich zu erhöhen. In eigentlich allen Großunternehmen ist die Förderung von Frauen ein Riesenthema, denn mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass gemischte Teams besser arbeiten und auch die wirtschaftliche Perfomance des Unternehmens positiv beeinflussen.“ Zunehmend flexibles Arbeiten käme außerdem denjenigen Frauen zugute, die Karriere und Familienplanung verbinden wollen, so Heinen.

Telekommunikationsbranche setzt am stärksten auf weibliche Führungskräfte

In der Telekommunikationsbranche schaffen Frauen verhältnismäßig oft den Sprung in die Unternehmensführung: 16 Prozent der Vorstandsmitglieder in den Telekommunikationsunternehmen sind weiblich. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Finanzbranche sowie die Transport- und Logistikbranche mit 14 beziehungsweise 13 Prozent. Bei Pharma- und Biotechunternehmen, Rohstoffkonzernen und in der IT- und Technologiebranche ist aktuell nur jedes 20. Vorstandsmitglied eine Frau.

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