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ZF beschleunigt Transformation, passt Kapazität an neue Marktlage an und investiert in Zukunftsfelder

Coronakrise
ZF passt Kapazitäten an neue Marktlage an

Zentrale ZF Friedrichshafen
Umbau bei ZF: Die Friedrichshafener Konzernstrukturen und Kapazitäten werden langfristig auf die weltweit geringere Fahrzeugproduktion und den Technologiewandel ausgerichtet.
Bild: ZF
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Nachdem sich die weltweiten Fahrzeugmärkte langsam beleben, fährt der Fridrichshafener Getriebespezialist ZF seine Produktionskapazitäten wieder hoch und erwartet für das Gesamtjahr ein positives bereinigtes EBIT, so heißt es in einer Pressemitteilung von ZF. Im ersten Halbjahr 2020 hat das Unternehmen unter schwierigen Bedingungen einen Umsatz von 13,5 (2019: 18,4) Milliarden Euro erwirtschaftet. Die organische Umsatzveränderung betrug gegenüber dem Vorjahreszeitraum minus 27 Prozent.

ZF konnte durch rasch eingeleitete und effektive Maßnahmen zur Anpassung von Ausgaben und Kosten das bereinigte EBIT bei minus 177 Millionen Euro halten. Im zweiten Halbjahr steht für den Getriebauer im Fokus das Unternehmen auf die neuen wirtschaftlichen und technologischen Gegebenheiten einzustellen und seine finanzielle Unabhängigkeit zu stärken.

ZF beschleunigt Transformation und investiert in Zukunftsfelder

„Wir haben, gemeinsam mit allen Mitarbeitern von ZF weltweit, schon im März unsere Kosten wirksam angepasst und diese im ersten Halbjahr um mehr als eine Milliarde Euro reduziert“, sagte der Vorsitzende des Vorstands der ZF Friedrichshafen AG, Wolf-Henning Scheider, bei der Vorlage der Zahlen für das erste Halbjahr. „Im zweiten Halbjahr werden wir die Produktion überall kontinuierlich hochfahren, operativ zu positiven Zahlen zurückkehren und Strukturen und Kapazitäten langfristig neu ausrichten. Wir werden unseren Kurs strikt beibehalten, weiter die Ausgaben begrenzen, die Personalkapazitäten an das Umsatzniveau anpassen und sehr gezielt investieren“, so Schneider.

Wenn es in den nächsten Monaten keine größere Covid-19-Welle gäbe und das Marktniveau im zweiten Halbjahr entsprechend unserer Erwartung im Bereich von minus 10 bis minus 15 Prozent unter Vorjahresniveau liege, dann könne man – auch in diesem für alle außergewöhnlichen Jahr – am Jahresende ein positives bereinigtes EBIT erreichen, so der ZF-Vorstandsvorsitzende. Der erwartete Jahresüberschuss von ZF wird dennoch negativ sein.

Scheider erinnerte daran, dass ZF aufgrund der seit zwei Jahren schwächeren Marktentwicklung bereits vor Ausbruch der Pandemie begonnen habe, Strukturen und Kapazitäten anzupassen: „Mit unserer Strategie Next Generation Mobility haben wir die langfristige Ausrichtung des Konzerns festgelegt und unsere Ziele formuliert.

Damit sind wir auf dem richtigen Weg. In den Kernthemen der Transformation hat sich die Auftragslage trotz der beispiellosen Bedingungen des ersten Halbjahrs gut entwickelt. Wir konnten in den Bereichen der E-Mobilität, bei hochentwickelten Fahrerassistenzsystemen und den dafür notwendigen intelligenten und vernetzten Sensoren und Aktuatoren einige Schlüsselaufträge gewinnen.“

Positive Tendenzen, so Scheider weiter, zeige auch der Auftragseingang für Busgetriebe und elektrische Busantriebe sowie im Aftermarket. Auch die Windkraftsparte von ZF profitiert von einem starken Marktwachstum außerhalb Europas. Insbesondere im Hinblick auf das weltweit zunehmende Interesse an einer Wasserstoffwirtschaft, ergeben sich weitere interessante Entwicklungen für dieses Geschäftsfeld.

Ausstieg vom Verbrenner-Antrieb

Vor wenigen Tagen hat ZF einen weiteren wichtigen Schritt zur weiteren Transformation des Unternehmens hin zur E-Mobilität bekanntgegeben: So wurde zum 1. Januar 2021 die Gründung einer neuen Division aus den bisherigen Divisionen Pkw-Antriebstechnik und E-Mobility beschlossen, um den Kunden elektrifizierte Antriebslösungen aus einer Hand anzubieten.

Zukünftig wird ZF keine Komponenten mehr nur für verbrennungsmotorische Antriebe (wir berichteten) entwickeln, sondern fokussiert die Entwicklungsaktivitäten auf Plug-in-Hybride mit hoher Reichweite und rein elektrisch fahrende Fahrzeuge.

„Die Corona-Krise hat einen spürbaren Beschleunigungseffekt auf die Transformation der Autoindustrie, denn wir erwarten, dass die Elektrifizierung jetzt noch schneller kommt. Wir nehmen diese Herausforderung an und bringen noch mehr Dynamik in die Veränderungen bei ZF, um besser am wachsenden Markt für elektrifizierte Pkw-Antriebe teilzuhaben“, erläutert Wolf-Henning Scheider.

Die neu gegründete Division kann die Systemvorteile der beiden Divisionen ausspielen und den Fahrzeugherstellern ein umfassendes elektrifiziertes Antriebsportfolio sowie weltweite Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten unter einem Dach anbieten.

Einen weiteren Impuls erwartet der ZF-Chef von der am 29. Mai vollzogenen Akquisition des Nutzfahrzeugbremsenherstellers WABCO (wir berichteten). Dieser wurde als neue Division Commercial Vehicle Control Systems in das Unternehmen eingegliedert und trägt dazu bei, ZF auch im Nutzfahrzeugbereich als Systemanbieter zu positionieren und das Portfolio für die Kunden in diesem Segment entscheidend zu erweitern.

Der Integrationsprozess, der sofort nach dem Closing gestartet wurde, läuft planmäßig und wird insbesondere bei den Zukunftsthemen der hochentwickelten Fahrerassistenzsysteme und autonomen Funktionen für Nutzfahrzeuge zügig umgesetzt. Die neue Division, deren Ergebnis für einen Monat in den Halbjahreszahlen enthalten ist, leistet trotz der aktuellen Marktschwäche durch das Coronavirus einen positiven Beitrag zum Konzernergebnis.

Neben den strukturellen Veränderungen baut ZF weltweit gezielt Kapazitäten ab, um sich auf die schwächere Nachfrage einzustellen und auch die schneller kommende Elektrifizierung des Straßenverkehrs zu antizipieren. In Deutschland hat das Unternehmen dazu den „Tarifvertrag Transformation“ mit der Arbeitnehmervertretung und den Gewerkschaften geschlossen.

Er sieht vor, dass ZF bis Ende 2022 keine betriebsbedingten Kündigungen ausspricht und keine Standorte in Deutschland schließt. Im Gegenzug erhält das Unternehmen die Möglichkeit, die Arbeitszeiten von Tarifmitarbeitern um bis zu 20 Prozent zu reduzieren und gezielt Abfindungs- und Altersteilzeitpakete in Deutschland anzubieten. Seit Mitte des vergangenen Jahres hat ZF weltweit 5.300 Stellen abgebaut, davon allein 3.800 seit Jahresbeginn.

60.000 Mitarbeiter wurden ins Homeoffice geschickt

Um die Sicherheit der Mitarbeiter beim Wiederanlauf der Produktion zu gewährleisten, hat ZF umfangreiche Schutzmaßnahmen erarbeitet und etabliert. „Wir haben außerordentliche Anstrengungen unternommen, um die Lieferkette aufrechtzuerhalten“, betonte Scheider. Hierbei ist ZF auch neue Wege gegangen: Die IT-Abteilung hat in kurzer Zeit mehr als 60.000 ZF-Mitarbeitern weltweit ermöglicht, extern zu arbeiten, indem sie die entsprechende Infrastruktur und Programme zur digitalen Zusammenarbeit kurzfristig zur Verfügung stellte.

Gleichzeitig wurde die Software für die gesamte digitale Kommunikation und Kollaboration von ZF in die Cloud verlegt, um die Leistungsfähigkeit und Verfügbarkeit an die neue Arbeitsweise anzupassen. Darüber hinaus wurden Weiterbildungsangebote auf Online-Plattformen geschaffen und gut angenommen.

Viele ZF-Mitarbeiter wünschen sich, dass sie ihre positiven Erfahrungen mit „Remote Work“ und der Virtualisierung von Arbeitsumgebung und -prozessen auch langfristig fortsetzen können. Da sowohl Arbeitszufriedenheit als auch Produktivität durch die Flexibilisierung zugenommen haben, wird das Unternehmen eine an regionale Anforderungen angepasste „Remote Work“-Regelung einführen.

Konzern steuert im Gesamtjahr auf positives bereinigtes EBIT zu

Angesichts der durch die Pandemie bedingten Nachfrageeinbrüche und des zeitweisen Produktionsstillstands in der Automobilbranche lagen die Kennzahlen von ZF im ersten Halbjahr 2020 deutlich unter den Werten des Vorjahreszeitraums. Der Umsatz betrug 13,5 (2019: 18,4) Milliarden Euro. Bereinigt um Wechselkurs- und M&A-Effekte, entspricht dies einer organischen Umsatzveränderung von minus 27 Prozent. Das Unternehmen verzeichnete ein bereinigtes EBIT von minus 177 Millionen Euro.

Dies entspricht einer bereinigten EBIT-Marge von minus 1,3 Prozent. Im ersten Halbjahr 2019 hatte ZF noch ein bereinigtes EBIT von rund 650 Millionen Euro ausgewiesen; dies entsprach einer bereinigten EBIT-Marge von 3,5 Prozent. Das Nettoergebnis betrug im ersten Halbjahr 2020 minus 911 Millionen Euro.

Um den finanziellen Spielraum zu erweitern, hat ZF im Mai im Kreis der bestehenden Kernbanken eine neue syndizierte Kreditlinie in Höhe von 1,35 Milliarden Euro abgeschlossen. Sie ergänzt einen bereits bestehenden revolvierenden Kredit über mehr als drei Milliarden Euro, der weiter vollständig als Liquiditätsreserve zur Verfügung steht. Insgesamt stehen ZF zum Halbjahresende 4,7 Milliarden Euro zur Verfügung.

„Als die Ausbreitung des Coronavirus begann, haben wir sehr schnell ein Netzwerk an Task Forces eingesetzt und Maßnahmen zur Gegensteuerung eingeleitet“, sagte ZF-Finanzvorstand Dr. Konstantin Sauer. „So konnten wir die finanziellen Auswirkungen der Pandemie begrenzen und durch ein aktives Cash- und Kostenmanagement unsere Liquiditätssituation stabilisieren. Das ist in Finanzkreisen positiv bewertet worden. Zudem nutzen wir die Erfahrungen aus dem Krisenmanagement, um unsere Kostenstruktur nachhaltig zu verbessern.“

Für das Gesamtjahr erwartet ZF entsprechend der allgemeinen Marktentwicklung einen deutlich unter dem Vorjahr liegenden Umsatz. Trotz des negativen Ergebnisses im ersten Halbjahr steuere das Unternehmen im Gesamtjahr jedoch auf ein noch positives bereinigtes Ergebnis vor Steuern und Zinsen zu und erwarte einen positiven bereinigten Free Cashflow. Diese Ziele seien jedoch sehr ambitioniert und angesichts der volatilen wirtschaftlichen Situation mit erheblichen Risiken behaftet, führte Finanzvorstand Sauer aus.

Ausblick: Wirtschaftslage weiterhin angespannt

Für das zweite Halbjahr erwartet ZF ein weiterhin sehr heterogenes Marktumfeld. „Europa zeigt im Moment zwar Erholungstendenzen, ist aufgrund des nachlassenden Exports von Fahrzeugen und strengerer Emissionsvorgaben in den nächsten Jahren aber die wohl kritischste Region“, sagte ZF-Chef Scheider. Sehr unsicher sei aufgrund der gegenwärtig sehr hohen Covid-19-Infektionszahlen die weitere Entwicklung auf dem amerikanischen Kontinent. „China und Asien entwickeln sich aktuell am vielversprechendsten. Das Geschäft dort kommt sehr stark zurück und hilft uns, unsere Umsätze wieder zu steigern.“

Insgesamt bleibt die Lage der Weltwirtschaft angespannt. ZF erwartet keine Erholung des Marktes auf das Niveau von 2019 in den nächsten drei Jahren. „Dies gilt für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge bis sechs Tonnen Gewicht, wobei unsere Prognosen bei den Pkw mit 88,5 Millionen Einheiten im Jahr 2023 noch weit von den rund 94 Millionen Einheiten des Jahres 2018 entfernt sind“, so Scheider. Bei den schweren Nutzfahrzeugen geht es tendenziell langsamer bergauf: 2023 liegt der erwartete Absatz mit 3,2 Millionen schweren Lkw um 360.000 Fahrzeuge unter dem Wert von 2019 (3,56 Millionen).

Angesichts dieser langsamen Erholung handelt ZF und passt sich an die neuen Gegebenheiten an, um die Ergebnissituation nachhaltig zu verbessern. Scheider betonte: „Das ist entscheidend, um weiter in Zukunftstechnologien wie Elektromobilität und neue Mobilitätsangebote zu investieren, Aufträge zu gewinnen und die finanzielle Unabhängigkeit für die Zukunft weiter zu stärken.“ (ag)


Kontakt zu ZF

 

ZF Friedrichshafen AG
Löwentaler Straße 20
88046 Friedrichshafen
Tel.: +49 7541 770
E-Mail: postoffice@zf.com
Website: www.zf.com

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