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5. Brexit Survey von BDI und Deloitte: Ein Drittel der Unternehmen rechnet mit hartem Brexit

5. Brexit Survey
Ein Drittel der Unternehmen rechnet mit hartem Brexit

Deutsche Unternehmen wollen langsam Klarheit über den geplanten Brexit. Bild: Rawf8/Adobe Stock
Deutsche Unternehmen wollen langsam Klarheit über den geplanten Brexit.
Bild: Rawf8/stock.adobe.com
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Bei den Brexit-Verhandlungen ist noch immer die Frage offen, ob es zu einem No-Deal-Brexit kommt. Deloitte und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) haben vor diesem Hintergrund den 5. Brexit Survey durchgeführt. Daran nahmen 248 Unternehmen mit wirtschaftlichen Verbindungen ins Vereinigte Königreich teil. Was erwarten die Unternehmen von den Verhandlungen? Welche Konsequenzen befürchten sie? Wie planen sie und wie bereiten sie sich auf den Brexit vor? Diese Fragen standen im Zentrum der Umfrage.

„Ohne Verlängerung der Verhandlungsfrist bleiben nur noch etwa 180 Tage bis zum Ende der Übergangsperiode, das geht schnell“, sagt Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte.

Laut Börsch fühlt sich der Großteil der deutschen Wirtschaft auch auf einen „Worst Case“ gut vorbereitet; hohe Schäden würden dennoch erwartet.

„Europa ist den deutschen Unternehmen sehr wichtig, die Furcht vor einem Zerfall der EU als Folge des Brexit ist hoch. Bei der Weiterentwicklung der EU plädieren die Unternehmen für eine Vertiefung der europäischen Integration in ausgewählten Politikfeldern und eine Vertiefung des Binnenmarktes als Prioritäten“, fasst Börsch einen Teil der Ergebnisse zusammen.

Brexit – Was nun?

Die Mitglieds-Unternehmen des BDI beobachteten die Brexit-Verhandlungen genau und passten ihre Wertschöpfungsketten an die andauernde Unsicherheit an, sagt BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang.

„Der schleppende Verhandlungsverlauf erschwert wichtige Investitionsentscheidungen. Es besteht die Gefahr, dass sich die Verlagerungen weg von Großbritannien auf andere Standorte beschleunigen, wenn sich nicht sehr bald eine Perspektive für eine Wirtschaftspartnerschaft abzeichnet“, warnt Lang.

Knapp ein Drittel der Befragten befürchtet harten Brexit

Die Unternehmen rechnen laut Umfrage mit unterschiedlichsten Ergebnissen des Brexits:

  • 25 Prozent hoffen auf eine Verschiebung der Verhandlungsfrist
  • 26 Prozent setzen auf einen rechtzeitigen Abschluss und die Ratifizierung eines umfassenden Freihandelsabkommens
  • 18 Prozent erwarten ein Basisabkommen
  • 30 Prozent glauben nicht mehr an eine rechtzeitige Einigung und stellen sich daher auf einen harten Brexit ein. In diesem Fall könnten bei 30 Prozent der Befragten Stellen abgebaut werden.

Verhandlungskonflikte mit Großbritannien sehen die Unternehmen vor allem bei der EU-Forderung nach fairem Wettbewerb (58 Prozent), gefolgt von den Themen Steuern (45 Prozent) und Subventionen (43 Prozent).

Knapp die Hälfte wünscht sich vertiefte europäische Integration

Mit dem Brexit bricht für die Europäische Union eine neue Zeitrechnung an.

Die Sicht der Unternehmen ist dabei eher pro-europäisch: 43 Prozent befürworten für die Zeit nach dem Brexit eine vertiefte europäische Integration – fokussiert auf ausgewählte Politikfelder wie Außen- und Migrationspolitik.

25 Prozent plädieren für eine stärkere allgemeine Integration und Zentralisierung.

Damit bleibt die Akzeptanz für die Europäische Union hoch. Im Vergleich zu 2019 sank die Zustimmung zu stärkerer Zentralisierung allerdings deutlich. Die Offenheit gegenüber einer Integration in ausgewählten Bereichen stieg dagegen an.

Politisch priorisieren die Unternehmen in der Post-Brexit-Ära eine Vertiefung des EU-Binnenmarktes (57 Prozent) sowie den Ausbau neuer Technologien und Sicherheit (je 48 Prozent).

Bricht die Europäische Union nach dem Brexit auseinander?

Die Verhandlungen stocken weiterhin. Da überrascht es nicht, dass bei 38 Prozent der befragten Unternehmen noch Unsicherheit bezüglich der zu erwartenden Brexit-Ergebnisse herrscht.

Ein Viertel der Befragten bleibt optimistisch, bei einer Minderheit macht sich Resignation oder Müdigkeit breit.

Rund 45 Prozent der deutschen Unternehmen befürchten, dass die EU auseinanderfällt. Seit 2019 ist die Angst vor diesem Szenario deutlich gestiegen.

Vor einem Jahr stand die Gefahr eines nachlassenden Handels mit Großbritannien noch an erster Stellte, aktuell befürchten dies 40 Prozent. Besonders hoch fällt diese Besorgnis beim Maschinenbau (55 Prozent) und beim Handel (50 Prozent) aus.

33 Prozent rechnen mit einem verschärften Standort-Wettbewerb durch neue steuerliche Anreize im Vereinigten Königreich.

Kann der Finanzplatz Deutschland vom Brexit profitieren?

In der Stärkung des Finanzplatzes Deutschland sehen die Unternehmen die größte Brexit-Chance (54 Prozent). Immerhin 44 Prozent der Unternehmen rechnen zudem mit einer höheren Attraktivität Deutschlands für ausländische Direktinvestitionen.

Die höchsten Verluste für den eigenen Bereich erwartet das Bankwesen, das sich zugleich relativ schlecht vorbereitet weiß.

Die Automobilindustrie hingegen sieht sich überdurchschnittlich gut gewappnet und sieht geringere Schäden auf sich zukommen.

Die Corona-Krise spielt auch bei den Brexit-Vorbereitungen eine Rolle. Zwar hält knapp die Hälfte der Unternehmen am geplanten Vorgehen unverändert fest bzw. verstärkt seine Maßnahmen; immerhin sechs Prozent geben an, entsprechende Pläne zurückzufahren, 28 Prozent wollen diese aufschieben. (wag)


Kontakt zu BDI und Deloitte


Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI)
Breite Straße 29
10178 Berlin
Tel.: +49 30 2028 0
E-Mail: info@bdi.eu
Internet: www.bdi.eu

Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Rosenheimer Platz 4
81669 München
Tel.: +49 89 2903 60
E-Mail: kontakt@deloitte.de
Website: www.deloitte.de

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