Brexit

Verbände fordern schnelles Freihandelsabkommen mit Großbritannien

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Nach dem Wahlsieg von Johnson und den Tories kann der Brexit jetzt kommen. Verbände fordern ein schnelles Freihandelsabkommen. Bild: veneratio / stock.adobe.com
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Großer Erfolg für die Tories bei den Wahlen in Großbritannien: Boris Johnson und seine Partei haben die absolute Mehrheit der Sitze im britischen Parlament errungen. Der Brexit scheint jetzt nur noch Formsache. So reagieren das ifo Institut und die Verbände VDA und VDMA auf die Wahl.

„Es ist zu erwarten, dass es jetzt schnell zu einer Einigung über den Brexit kommt“, sagt etwa Clemens Fuest vom ifo Institut. Ökonomisch bedeute dies, dass ein harter Brexit mit unkalkulierbaren Kosten zunächst abgewendet sei. Dennoch sei dies noch kein Grund für grenzenlosen Optimismus. Wenn alles wie geplant läuft, kommt es am 31. Januar 2020 zum Austritt der Briten aus der EU.

„Für Entwarnung ist es trotzdem zu früh. Es wird schwer, innerhalb der Übergangsfrist bis Ende 2020 ein Freihandelsabkommen zu vereinbaren“, ergänzt Fuest. Eine Studie des Forschungsnetzwerks EconPol Europe beziffert die Kosten für die Unsicherheit um den Brexit für das Vereinigte Königreich auf fast 20 Milliarden Euro jährlich. Fuest geht davon aus, dass nach der Wahl die Probleme in Großbritannien weitergehen werden. „In Schottland bahnt sich ein zweites Referendum über die Unabhängigkeit an, das ebenfalls für Unsicherheit sorgen wird“, sagt der Präsident des ifo Instituts.

Mattes: „Bedauern den Brexit, respektieren die Entscheidung“

Für den Verband der Automobilindustrie (VDA) ist es jetzt von höchster Priorität, dass die Industrie Planungssicherheit hat. Noch-VDA-Präsident Bernhard Mattes: „Wir bedauern den Brexit, respektieren aber die Entscheidung der Briten. Um die komplexen Anpassungsprozesse so gut wie möglich beherrschen zu können, brauchen unsere Mitgliedsunternehmen schnell einen klaren Handlungsrahmen für die zukünftigen Handelsbeziehungen zwischen Europäischer Union und Großbritannien.“

Nach Ansicht von Mattes können die deutschen Automobilunternehmen die Herausforderungen stemmen, die sich durch einen geordneten Brexit ergeben. Dazu seien allerdings klare Regeln und Prozesse nötig.

VDA hofft auf weiterhin enges Verhältnis zwischen UK und EU

Sollte Großbritannien Ende Januar 2020 aus der EU austreten, blieben zunächst elf Monate, um ein Abkommen zu verhandeln. Ein zeitlich sehr ambitioniertes Ziel, findet Mattes. „Aus Sicht der Automobilindustrie sollte das Verhältnis zwischen Großbritannien und der EU so eng wie möglich bleiben.“

Nach jetzigem Stand werden ab 1. Februar 2020 die Freihandelsabkommen der EU mit Drittstaaten wie Japan oder Südkorea nicht mehr für das Vereinigte Königreich gelten. Für die Standorte der Autohersteller in Großbritannien könnte dies zu einem Problem werden.

Und nicht nur das: Der VDA gibt zu bedenken, dass das Vereinigte Königreich das wichtigste Exportland für deutsche Pkw  ist. Allerdings ist der Export in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Während 2016 noch 809.900 Fahrzeuge nach UK exportiert wurden, waren es im vergangenen Jahr nur noch rund 512.600 Pkw. Eine Trendwende ist vor dem Hintergrund des bevorstehenden Brexit nicht anzunehmen.

„Jahrelange Achterbahnfahrt“ des Brexit nun vor dem Ende

Ein mehr oder weniger erleichtertes Aufatmen gibt es beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Nach dem Wahlsieg Johnsons lichte sich der „Nebel über dem Brexit“ ein wenig, was nach der „jahrelangen Achterbahnfahrt“ eine gute Nachricht für europäische Unternehmen sei, sagt VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann.

Doch auch der VDMA hätte sich ein anderes Szenario gewünscht: „Auch wenn wir den Austritt unserer britischen Freunde aus der EU nach wie vor für einen Fehler halten und sehr bedauern, können die Unternehmen sich nun darauf einstellen, dass Großbritannien am 31. Januar 2020 die EU verlassen wird, und zwar durch einen geordneten Austritt“, so Brodtmann.

Mit Hochdruck am Freihandelsabkommen arbeiten

Die gute Nachricht: „Die zu erwartenden Verwerfungen eines harten Brexits werden dadurch zunächst vermieden“, sagt Brodtmann. Allerdings müsse nun mit Hochdruck an einem Freihandelsabkommen gearbeitet werden, das bis Ende 2020 abgeschlossen werden soll. „Gelingt dies nicht, gehen die mit einem harten Brexit verbundenen Diskussionen und Unsicherheiten Ende 2020 wieder los.“ Für Brodtmann gilt es, dieses Szenario unbedingt zu vermeiden. (wag)


Kontakt zu ifo, VDA und VDMA

ifo Institut
Poschingerstr. 5
81679 München
Tel.: +49 89 9224 0
E-Mail: ifo@ifo.de
Website: www.ifo.de

Verband der Automobilindustrie e. V. (VDA)
Behrenstr. 35
10117 Berlin
Tel.: +49 30 8978 420
E-Mail: info@vda.de
Internet: www.vda.de

VDMA e. V.
Lyoner Str. 18
60528 Frankfurt
Tel.: +49 69 6603 0
E-Mail: kommunikation@vdma.org
Website: www.vdma.org

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