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Studie von BCG: Kurzarbeit bremst Transformation und Innovation in Unternehmen – Mitarbeiter unzufrieden

BCG-Studie
Kurzarbeit bremst Transformation und Innovation in Unternehmen

Das Wort Kurzarbeit, rot markiert auf einem Arbeitsvertrag. Die Maßnahme macht Mitarbeiter unzufrieden
Kurzarbeit verlangsamt die Transformation und macht Mitarbeiter unzufrieden.
Bild: Ralf Geithe/stock. adobe.com
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Transformation und Innovation in deutschen Unternehmen werden von der Kurzarbeit gebremst. Etwa die Hälfte aller Betriebe, die sich in Kurzarbeit befinden, hat Projekte in diesen Bereichen gestoppt oder verlangsamt. Zu diesen Ergebnissen kommt die Boston Consulting Group (BCG) in einer aktuellen Umfrage. Gleichzeitig ist Kurzarbeit ein wirksames Instrument, um die aktuelle Krise zu bewältigen. 

Vier von zehn Unternehmen hätten ohne Kurzarbeit Stellen abbauen müssen. BCG schätzt, dass mit der Maßnahme seit dem ersten Lockdown 2,4 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleiben konnten. Die Strategie-Beratung hat für die Analyse Entscheidungsträger aus Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro befragt. Insgesamt beschäftigen diese Firmen mehr als 1,4 Millionen Mitarbeiter.

„Kurzarbeit hilft, die akute Krise zu meistern“, sagt Reinhard Messenböck. Der Leiter des Change Management bei BCG warnt aber auch: „Zu lange eingesetzt, kann sie jedoch überholte Strukturen festigen und so die Zukunftsfähigkeit deutscher Unternehmen gefährden.“

Kurzarbeit: Fünf Mal so viele Mitarbeiter betroffen wie in Finanzkrise

7,3 Millionen Menschen waren im Mai 2020 in Kurzarbeit – fünf Mal so viele wie zum Höhepunkt der Finanzkrise 2008/2009. Im Oktober waren es immer noch 3,3 Millionen bzw. zehn Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die befragten Unternehmen rechnen damit, Kurzarbeit im Schnitt über einen Zeitraum von einem Jahr einsetzen zu müssen.

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„Erfolgreiche Unternehmen warten nicht einfach auf die Erholung der Konjunktur, sondern treiben laufende Transformationen voran und gehen strukturelle Probleme konsequent an“, sagt Messenböck. Und der Nachholbedarf in diesem Bereich ist deutschlandweit groß: Bereits vor der Krise schätzte nur ein Drittel der hiesigen Firmen die vorhandenen Kompetenzen für die digitale Transformation als ausreichend ein.

Im weltweiten Schnitt fühlte sich dagegen bereits die Hälfte der Unternehmen für die Digitalisierung gut aufgestellt. „Es besteht die Gefahr, dass Deutschland im internationalen Vergleich weiter zurückfällt, wenn sich Transformations-Projekte weiter verzögern und notwendige Personalanpassungen ausbleiben“, so Messenböck.

Notwendiger Personalabbau droht verschleppt zu werden

Vier von zehn Unternehmen sehen Hinweise darauf, dass Entlassungen aufgeschoben werden, obwohl diese bereits vor der Coronakrise notwendig waren. Die Personal-Verantwortlichen sehen jedoch im eigenen Betrieb eine um zehn Prozentpunkte geringere Wahrscheinlichkeit dafür als bei Wettbewerbern.

Nach der Kurzarbeit könnte dies für viele Unternehmen zum Problem werden. Notwendige Anpassungen bleiben in der Krise aus. „Deshalb ist es wichtig, jetzt zügig zu agieren und die Weichen für die Zukunft zu stellen“, erläutert Messenböck.

Produktivität nimmt wegen Kurzarbeit ab

55 Prozent der Unternehmen geben an, dass ihre Produktivität unter den Bedingungen der Kurzarbeit abgenommen hat. Die Zusammenarbeit in Teams leide und viele Arbeitsprozesse könnten nicht störungsfrei laufen, wenn Mitarbeiter gar nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sind.

„Flexible Arbeitsmodelle oder gezielte Weiterbildungen können Mitarbeiter selbst in der aktuellen Krisensituation motivieren“, sagt Reinhard Messenböck. Er empfiehlt außerdem, Mitarbeiter aktiv in die Transformation einzubinden und die Veränderungsgründe klar zu artikulieren. So könnten Motivation und die Produktivität gesteigert werde.

„Viele von Kurzarbeit betroffene Mitarbeiter empfinden ihre Situation als belastend“, gibt Messenböck zu bedenken. „Das wirkt sich auf die Unternehmenskultur aus.“

Rund die Hälfte der Kurzarbeiter ist unzufrieden und fühlt sich ungerechter behandelt als die Kollegen, zeigt die Umfrage von BCG.

Messenböck gibt Lösungsvorschläge: „Transparente Entscheidungen und eine gute Kommunikation – etwa regelmäßige Mitarbeitergespräche – helfen Unsicherheiten und Ängste in der Belegschaft abzubauen.“ Zudem sollten Unternehmen regelmäßig für einzelne Abteilungen prüfen, ob und inwieweit Kurzarbeit überhaupt noch notwendig sei. Dadurch sei es für die Mitarbeiter einfacher, Entscheidungen nachzuvollziehen. „Letztlich geht es darum, Kurzarbeit fair anzuwenden“, so Messenböck. (wag)


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Boston Consulting Group GmbH
Ludwigstraße 21
80539 München
Tel.: +49 89 2317 40
E-Mail: onlineDE@bcg.com
Website: www.bcg.com

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