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Coronakrise: Risiken und Chancen für die Technologiebranche

Coronakrise
Risiken und Chancen für die Technologiebranche

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Die Corona-Krise hat gerade für die Tech-Branche, die zusätzlich unter dem Produktionsrückstau aus China leidet, beträchtliche Auswirkungen.  Bild: Vittaya_25/stock.adobe.com
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Die Corona-Pandemie und die daraus resultierenden Maßnahmen treffen die Weltwirtschaft derzeit hart. Der Coronavirus hat die Lebensrealität von Verbrauchern und Unternehmen verändert. Für die Tech-Branche, die zusätzlich unter dem Produktionsrückstau aus China leidet, hat das ebenfalls beträchtliche Auswirkungen. 

Der Autor: Andrei Klubnikin

Im ersten Szenario „Delayed recovery“ führen nationale Ausgangsbeschränkungen, Einschränkungen der Reisetätigkeit und Kontaktsperren Mitte April zu einem Absinken der Infekte. Die Anzahl der Ansteckungen schwächt sich über den Sommer deutlich ab.

Dank medizinischer Entwicklungen kann die zweite Welle im Herbst ohne weitere Quarantänemaßnahmen bewältigt werden. Ein starker Einbruch von Handel und Konsum begleitet uns bis ins vierte Quartal, ebenso wie ein starker Anstieg von Insolvenzen und Entlassungen.

Die Wirtschaft schrumpft übers Jahr gesehen. Ab dem vierten Quartal sehen wir Zeichen der Erholung.

Das zweite Szenario geht davon aus, dass der Coronavirus seinen Peak erst Mitte Mai erreicht. Konsum und Handel leiden weitaus deutlicher und die Weltwirtschaft entwickelt sich vergleichbar zum Krisenjahr 2008-2009.

Die Einschränkungen werden uns das gesamte Jahr 2020 begleiten, was zu einer stark ansteigenden Zahl von Insolvenzen und Entlassungen führen wird.

Da die Banken ausreichende Kapitaleinlagen haben, wird der Finanzsektor allerdings stabil bleiben. Erst im Frühjahr 2021 wird die globale Weltwirtschaft Zeichen der Erholung zeigen.

Tech-Industrie in der Pandemie

Die Implementierung des Mobilfunkstandards 5G in den USA und Asien könnte sich um bis zu 18 Monate verzögern. Ohne effizientere Netzwerk-Infrastruktur stehen ehrgeizige IoT-Projekte mit hohem Dateneinsatz und Edge Computing (zum Beispiel Smart Cities) auf der Kippe.

Internet-Traffic am Limit

Andererseits ist zu erwarten, dass die Nachholeffekte nach der Krise ebenso groß sein werden und man nun die Zeit für Projektvorbereitung nutzen kann.
Im April 2020 ist fast die Hälfte der Weltbevölkerung in Quarantäne oder Selbstisolation – das hat nicht zuletzt Auswirkungen auf den Internet-Traffic.

Video-Streaming für Nachrichtenportale, Gesundheits- und Notfalldienste und Unternehmen müssen vorrangig behandelt werden. Verbraucher bekommen das zu spüren: YouTube und Netflix haben ihre Videoqualität bereits reduziert.

AWS, Microsoft Azure, Google und andere Cloud-Computing-Plattformen werden endgültig unverzichtbar im Business- und Contentbereich. In den nächsten Monaten werden Unternehmen gezwungen sein, veraltete Anwendungen SaaS/PaaS-tauglich zu machen.

Software-Entwickler mit Kenntnissen in Microservices und Containerization werden stark nachgefragt sein. Vor der Coronakrise stammte rund 50% des Internet-Traffics von Mobilgeräten.

Die Nutzung über Tablets und Laptops steigt aber aktuell, weil mehr Leute von zu Hause arbeiten. Das könnte auch bedeuten, dass der Abverkauf von Smartphones und innovativen Wearables sinkt, auch wenn diese bei der diesjährigen CES in Las Vegas noch in aller Munde waren.

In folgende Branchen erwartet der IT-Sektor nach Corona Aufwind

  • e-Learning. Deutschlands Schulen sind bis mindestens nach den Osterferien geschlossen. Global sind laut UN derzeit in über 100 Ländern Schulen ganz oder teilweise geschlossen. Homeschooling ist angesagt – und damit erleben die E-Learning-Plattformen einen nie dagewesenen Boom. Das trifft auch für die digitale Weiterbildung insgesamt zu. Auch, wenn noch nicht klar ist, ob der Trend anhält, mehren sich die Zeichen, dass der Bildungsmarkt sich intensiver mit E-Learning auseinandersetzen muss und wird.
  • Teleconferencing. Vor dem Ausbruch der Coronakrise kannte kaum einer Eric Yuan, den Gründer von Zoom Video Communications. Jetzt ist seine Firma wertvoller als 4 amerikanische Fluglinien – zusammen. In Deutschland arbeitet mittlerweile jeder zweite Arbeitnehmer im Home Office – damit werden Teleconferencing-Tools für viele Unternehmen plötzlich zum geschäftskritischen Tool. Sensor Tower schreibt, dass Anwendungen wie Zoom, Slack, Tencent Meeting, and Microsoft Teams 6,7 Millionen Downloads allein in der ersten Märzwoche verzeichnet haben.
  • Virtual Reality und Augmented/Extended Reality: Teleconferencing und Task Management-Tools helfen, dass Firmen in dieser schwierigen Zeit (einigermaßen) produktiv bleiben. Im industriellen Sektor stellen geschlossene Produktionsstätten aber die geübte Praxis von Vor-Ort-Trainings auf den Prüfstand. Wie können derzeit beispielsweise Industriearbeiter an neuen Maschinen geschult werden? VR ist die Antwort. Auch der arg gebeutelte Tourismussektor könnte aus der Krise etwas lernen: Mit Extended Reality (XR) die Welt nach Haus bringen – ein Beispiel ist die Travel World VR. Auch Kultureinrichtungen wie Museen rüsten derzeit ihre Fähigkeiten auf, virtuelle Touren durch ihre Sammlungen zu liefern (und sogar mehr zu zeigen als man es beim Gang durchs Museum entdecken kann).
  • Telemedizin and IoT für Healthcare: Allgemein wird erwartet, dass der Coronavirus die Implementierung von E-Health vorantreiben wird – vor allem, was telemedizinische und IoT-basierte Gesundheitsüberwachung angeht. Selbst im datenschutzkritischen Deutschland mehren sich die Stimmen, bleiben aber im globalen Vergleich leiser. In China wiederum geht man mutig voran: Telekommunikationsanbieter haben ein auf 5G basierendes Kommunikationssystem aufgebaut, das Ärzte vom West China Hospital und 27 Krankenhäusern mit Coronapatienten verbindet. Das Land hat die Polizei mit Drohnen ausgestattet, um Personen, die sich nicht an die Quarantäne-Anweisungen halten, zu entdecken – indem sie die Temperatur bei diesen Personen messen. Südkorea war das erste Land mit einer App, die die Einhaltung von Selbstisolation überwacht. Die Anwendung erlaubt es den Nutzern aber auch, mit Ärzten und anderen Gesundheitsanbietern in Kontakt zu bleiben. Australien nutzt innovative Technologien auf einem anderen Weg: Fake News werden mit einem KI-gesteuerten Chatbot bekämpft.
    Ein wachsendes Problem sind Cyberattacken gegen IT-Systeme von Krankenhäusern, die im Rahmen der Pandemie ihre IT-Systeme abrupt ausbauen müssen und nicht auf die Sicherheitsfragen vorbereitet sind, die sich diesbezüglich ergeben. Alles in allem deutet die Entwicklung an, dass der Einsatz von Technologie in der Gesundheitsbranche, zum Beispiel, um den Ausbruch eines Virus nachzuvollziehen, nach der Coronakrise breiter diskutiert werden wird. Länder mit einem geringeren Datenschutz werden diesbezüglich sicher die Vorreiter sein.
  • Lieferdienste: FoodBoss zeigt den stetig wachsenden Bedarf kontaktloser Lieferungen in Zeiten von Corona. Andere sind besorgt, weil die Kuriere nicht gut auf die Situation eingestellt sind, insbesondere die Hygiene bleibt ein Problem. China nutzt Drohnen für die Lieferung von Medikamenten, was zu einer Halbierung der Lieferzeiten führt. Auch die DHL mischt auf diesem Gebiet mit. Das weckt Hoffnungen, dass Politiker weltweit dem Beispiel von China folgen, wo der Einsatz von Drohnen für Paketlieferung schon länger erlaubt ist. Auch in den USA gibt es erste Testversuche mit Medikamentenlieferungen. Paketzustellung gilt laut einer Studie von Roland Berger (vor der Coronakrise) als der am schnellsten umzusetzende Bereich für den Einsatz von Drohnen im privaten Bereich. (ag)

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Bretonischer Ring 12
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