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Einkaufsmanager-Index von IHS Markit und BME: Beispielloser Einbruch der Industrieproduktion im Monat April

Coronakrise
Beispielloser Einbruch der Industrieproduktion im Monat April

Der Einkaufsmanager-Index von IHS Markit und BME ist im April 2020 beispiellos eingebrochen. jirsak
Der Einkaufsmanager-Index von IHS Markit und BME ist im April 2020 beispiellos eingebrochen.
Bild: jirsak/stock.adobe.com
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Die Coronavirus-Krise hat im April zu einem Rekord-Rückgang der Industrieproduktion in Deutschland geführt. Das zeigen die Daten des Einkaufsmanager-Indexes, der von IHS Markit im Auftrag des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)  erstellt wurde. Trotz Einführung von Kurzarbeit auf breiter Front sorgen ein massiver Nachfrage-Einbruch und teils düstere Geschäftsaussichten für 2021 für das größte Minus bei den Beschäftigungs-Zahlen seit fast elf Jahren.

Der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) stürzte im April auf 34,5 Punkte ab. Im März lag er noch bei 45,4 Zählern. Es ist der niedrigste Wert seit März 2009. Er wird jedoch von den 19,7 Punkten des Teilindexes Leistung noch deutlich in den Schatten gestellt.

Durch eine Rekord-Verlängerung der Lieferzeiten und einen Anstieg der Vormaterial-Lager wurde der Fall des Hauptindex abgemildert. Beide Trends stehen dabei im Zusammenhang mit einer Unterbrechung der Lieferketten und zeigen sich normalerweise bei einem Abschwung, so der englische Finanzdienstleister IHS Markit.

Covid-19: Herausforderung für Einkauf, Logistik, Lieferketten

„Die Covid-19-Pandemie ist nicht nur ein Schlag für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland. Sie fordert auch Einkauf, Logistik und Supply Chain Management heraus“, sagt Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME). Die Lockerungen der Corona-Einschränken stimmten allerdings positiv.

„Die Stimmung in der deutschen Industrie ist schlecht – sehr schlecht“, konstatiert die Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, Gertrud Traud.

Allerdings überrasche dies nicht. Immerhin sei das Wirtschaftsleben aufgrund des staatlich verordneten Shutdowns fast zum Erliegen gekommen.

Aufgrund der aktuellen und kommenden Lockerungen bestünde die Hoffnung auf einen Anstieg des EMI im Juni – ganz nach dem chinesischen Muster.

Deutschland im Jahr 2020: Rückgang des BIP, tiefe Rezession

Nichtsdestotrotz werde Deutschland 2020 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in Höhe von mehr als vier Prozent eine tiefe Rezession durchlaufen.

„Entscheidend ist, dass das Leben und Wirtschaften bald wieder erlaubt sein muss. Ansonsten driften wir in unser Negativszenario mit einem BIP-Rückgang von sieben Prozent“, fügt Traud hinzu.

Der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater, rechnet damit, dass die volle Wucht der Corona-Krise Deutschland und den Euroraum erst im zweiten Quartal 2020 trifft. Seiner Einschätzung nach ist in Deutschland mit einem BIP-Minus in Höhe von mehr als sechs Prozent zu rechnen.

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„Der EMI stürzt im April auf den niedrigsten Wert seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 ab. Alle Teilindizes zeigen auf Abschwung“, sagt Katharina Huhn, Leiterin des Referats Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen im DIHK.

Beim Hochfahren der Wirtschaft werde es für die Unternehmen hierzulande auch darauf ankommen, dass die globalen Lieferketten funktionieren. „Der europäische Binnenmarkt und der Abbau internationaler Handelshemmnisse gewinnen in dieser Phase noch einmal zusätzlich an Bedeutung“, so Huhn.

Corona-Krise: Rohstoffpreise sind weltweit eingebrochen

„Die Weltrohstoffpreise sind im April infolge der Corona-Krise sowohl auf Dollar-Basis als auch in Inlandswährung nochmals um rund 22 Prozent eingebrochen“, berichtet Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG.

Obwohl es noch immer Unsicherheit darüber gibt, wie lange der Shutdown noch andauern wird, dürfte nach Einschätzung von Büchner der Tiefpunkt weitgehend erreicht sein.

USA trägt stärker zur Markt-Stabilisierung bei als vor Präsident Trump gewünscht

„Selbst bei den Rohölpreisen dürften die beschlossenen Produktionskürzungen im Verlauf des Mai langsam greifen, zumal bereits 300 aktive Bohrlöcher in den USA geschlossen wurden“, so Büchner. Die USA trage somit stärker zur Markt-Stabilisierung bei als es von US-Präsident Donald Trump gewünscht sei.

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick

  • Industrieproduktion: Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe ist im April in noch nie dagewesenem Ausmaß eingebrochen. Etwa 68 Prozent der Umfrage-Teilnehmer verzeichneten einen Rückgang und begründeten dies mit Werksschließungen, Kurzarbeit, Zulieferproblemen und der generell schwachen Nachfrage. Der entsprechende Teilindex notierte mit 19,7 Punkten (bisheriges Rekordtief: 27,8 im Januar 2009).
  • Auftragseingang: Die Anzahl der Neuaufträge in der Industrie ging so dramatisch zurück wie nie zuvor in 24 Jahren Datenerhebung. Im Investitionsgüterbereich – zu dem der Fahrzeug- und Schwermaschinenbau zählt – schlug das größte Minus zu Buche, gefolgt vom Vorleistungs-Güterbereich. Der Konsumgüterbereich brach ebenfalls ein und verzeichnete den heftigsten Rückgang der Neuaufträge in der Umfrage-Geschichte des EMI.
  • Exportaufträge: Im April stürzte der Exportaufträge-Index auf ein Allzeittief und signalisierte eine noch markantere Schrumpfung als beim Gesamt-Auftragseingang. Vereinzelte Meldungen über ein leichtes Plus in China konnten die geringeren Neuaufträge aus Europa, den USA und den meisten anderen Schlüsselmärkten nicht kompensieren.

Risiken im Lieferanten-Management rechtzeitig erkennen und steuern

  • Beschäftigung: Firmen schalteten beim Personalabbau im April noch einen Gang höher. Der saisonbereinigte Teilindex signalisierte den größten Beschäftigungsrückgang seit Mai 2009. Entlassungen, Nichtverlängerung von Zeitarbeitern und natürliche Fluktuation trugen zur Reduzierung der Mitarbeiterzahl bei. Da zahlreiche Unternehmen Kurzarbeit einführten, um Kündigungen möglichst zu vermeiden, fiel das Minus insgesamt geringer aus als bei der Produktion.
  • Einkaufs-/Verkaufspreise: Die Einkaufspreise in der Industrie verbilligten sich im April den zwölften Monat hintereinander. Laut Umfrage-Teilnehmern ging dies vor allem auf die schwache Nachfrage sowie den Absturz des Ölpreises zurück. Im Vergleich zum Vormonat ging die Rückgangs-Rate etwas zurück, da einige Produkte entgegen dem Trend anzogen. Das gilt etwa für Desinfektionsmittel und andere Chemikalien.
    Der Wettbewerb um Neuaufträge inmitten des starken Nachfragerückgangs führte dazu, dass die Verkaufspreise den zehnten Monat in Folge sanken. Der saisonbereinigte Teilindex änderte sich gegenüber dem 10,5-Jahrestief vom März nur marginal. Allerdings fiel der Rückgang deutlich kräftiger aus als während der Finanzkrise 2008/2009. Markante Preisabschläge im Investitionsgüter- sowie Vorleistungs-Güterbereich standen einem leichten Plus im Konsumgüterbereich gegenüber.
  • Jahresausblick: Die Mehrheit der Befragten (62 Prozent) bleibt bei der Einschätzung der Produktionsniveaus binnen Jahresfrist pessimistisch. Vor allem die langfristigen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie sind kaum abzusehen und sorgen für Unsicherheit und Besorgnis. Die Stimmung verbesserte sich gegenüber dem Rekordtief vom März kaum. So notierte der entsprechende Teilindex weiter über zehn Punkte niedriger als zu jedem anderen Zeitpunkt seit Erhebung dieser Daten im Juli 2012.

Informationen zum Einkaufsmanager-Index (EMI)

Der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Der Index erscheint seit 1996 und wird von IHS Markit mit Hauptsitz in London erstellt. Er beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern und Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland. Die Unternehmen werden nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt. Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (Markit U.S.-PMI). (wag)


Kontakt zum BME


Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)
Frankfurter Straße 27
65760 Eschborn
Tel.: +49 6196 5828 0
E-Mail: info@bme.de
Website: www.bme.de

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