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EY-Studie: Verkäufe von Unternehmensteilen gehen deutlich zurück

EY-Studie
Verkäufe von Unternehmensteilen gehen deutlich zurück

Händeschütteln Handshake nach Vertragsabschluss EY-Studie
Händeschütteln nach einem Vertragsabschluss ist in Zeiten von Corona eher selten gesehen.
Bild: ASDF/stock.adobe.com
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Die Verkaufspläne vieler Großunternehmen wurden durch die Corona-Pandemie auf Eis gelegt: In den ersten fünf Monaten des Jahres 2020 blieb das Desinvestitionsvolumen in wichtigen Märkten weltweit unter dem Niveau der Vorjahre. Die untersuchten Konzerne trennten sich zwischen Januar und Mai von Unternehmensteilen im Gesamtwert von 379 Mrd. US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum waren es 42 Prozent mehr (656 Mrd. US-Dollar).

Zu diesem Ergebnis kommt EY in einer weltweiten Studie zu Unternehmensverkäufen. In der Studie wurden die Märkte Deutschland, USA, UK, Frankreich, China, Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark beobachtet.

Ebenfalls zurück – wenngleich nicht so deutlich – ging die Zahl der Desinvestitionen. In den ersten fünf Monaten 2020 wurden 2.980 Deals gezählt, 2019 waren es im gleichen Zeitraum 3.719 – ein Rückgang um knapp 20 Prozent.

Desinvestitionen: Weniger Deals, höherer Wert

Dass insgesamt weniger Deals gemacht werden, beobachtet EY schon seit mehreren Jahren. Dafür steige aber der Wert einzelner Desinvestitionen oft deutlich an, so auch in diesem Jahr.

In Deutschland stieg der Transaktionswert von 15,4 Mrd. US-Dollar im Zeitraum Januar bis Mai 2019 auf 25,3 Mrd. US-Dollar im diesjährigen Vergleichszeitraum. Dies hängt vor allem mit dem Verkauf der Aufzugs-Sparte von Thyssenkrupp zusammen, für die umgerechnet 18,8 Mrd. US-Dollar fällig wurden.

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In Frankreich erhöhte sich das Deal-Volumen von 11,4 auf 22,4 Mrd. US-Dollar. Auch hier war vor allem ein Deal für den Anstieg verantwortlich – der Verkauf von Anteilen an der Ingenico Group durch BPIfrance für 11,4 Mrd. US-Dollar.

In Großbritannien sorgte der Verkauf des Thailand- und Malaysia-Geschäfts von Tesco PLC durch Sime Darby im Wert von 10,6 Mrd. US-Dollar für einen Gesamtanstieg des Volumens von 15,8 auf 25,6 Mrd. US-Dollar.

Deal-Werte in USA und China gehen zurück

In den USA und China, den zwei größten Märkten, traten die Verkäufer im beobachteten Zeitraum auf die Bremse.

Seit Jahren wird in den USA der höchste Deal-Wert erzielt. Hier jedoch betrug der Gesamtwert nur noch 111,3 Mrd. US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum lag er mit 231,6 Mrd. US-Dollar mehr als doppelt so hoch.

Auch der chinesische Markt – von der Deal-Anzahl betrachtet der größte Einzelmarkt – kühlte merklich ab: Einem Deal-Wert von 67,8 Mrd. US-Dollar in den ersten fünf Monaten 2019 stand in diesem Jahr nur ein Vergleichswert von 41,9 Mrd. US-Dollar gegenüber.

Coronavirus legt Verkaufs-Pläne auf Eis

„Die Corona-Pandemie verändert alle Lebensbereiche. So auch die Wirtschaft, wo die Pläne für Verkäufe von Unternehmensteilen wegen der Krise erst einmal auf Eis gelegt wurden“, erklärt Carsten Kniephoff, Leiter Divestment für die Region EMEIA bei EY, die Ergebnisse.

Hierbei handle es sich aber um die Ruhe vor dem Sturm. „Großunternehmen in Deutschland und der Welt werden sich in den kommenden Monaten verstärkt von Bereichen trennen“, ist sich Kniephoff sicher. „Bei zahlreichen Großkonzernen ist die Verschuldung kritisch angestiegen – sie sind gezwungen, sich zu transformieren und sich auf Kerngebiete zu konzentrieren.“

Kniephoff geht aber nicht davon aus, dass es zu kurzfristigen „Notverkäufen“ kommen wird. „Eine erfolgreiche Desinvestition muss gut vorbereitet werden und braucht Zeit. Wir reden hier von mindestens sechs Monaten“, so der Divestment-Leiter.

Sollte in den kommenden Monaten alles normal laufen, könnten deutsche Unternehmen als Gewinner aus der Krise hervorgehen, so die deutsche Wirtschaft doch vergleichsweise gut durch die Krise gekommen.

Das Kerngeschäft der meisten Unternehmen sei gesund, auch wenn die Pandemie Schwachstellen in Geschäftsmodellen und Lieferketten aufgedeckt habe.

Kniephoff sieht daher im Verkauf von Unternehmensteilen ein probates Mittel, um den Umbau des eigenen Geschäftsmodells voranzutreiben. Gleichzeitig könne ein gezielter Zukauf dabei helfen, die Zukunftsfähigkeit zu sichern.

Technologiefirmen stoßen auf großes Interesse

Käufer sind derzeit besonders an Technologie- und Medienfirmen interessiert. Bereits 2019 wurden mit 1.778 die meisten Deals in diesem Bereich getätigt. Auch das Gesamtvolumen war mit 328 Mrd. US-Dollar das höchste aller untersuchten Branchen.

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden 83 Mrd. US-Dollar bei insgesamt 624 Deals investiert. So viele Deals gab es in keiner anderen Branche.

Kniephoff erwartet, dass die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie diesem Trend einen weiteren Schub geben könnten. „Spätestens die Krise hat aufgezeigt, dass digitale Lösungen dabei helfen, die Prozesse im Unternehmen weiterzuführen, Lieferketten zu steuern und die Kommunikation mit Kunden und Vertragspartnern aufrecht zu halten.“

Da digitales Know-how in vielen Unternehmen aber erst mühsam aufgebaut werden müsse, sei es sinnvoll, sich durch Zukäufe dieses Wissen schneller anzueignen. „Daher wird das Interesse an Digitalunternehmen weiter ansteigen“, ist sich Kniephoff sicher. (wag)


Kontakt zu Ernst & Young


Ernst & Young GmbH
Flughafenstraße 61
70629 Stuttgart
Tel.: +49 711 9881 0
E-Mail: info@de.ey.com
Website: www.ey.com/de

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