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Bitkom-Studie: Sechs von zehn Industrie-Unternehmen nutzen Industrie 4.0-Anwendungen

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Sechs von zehn Industrie-Unternehmen nutzen Industrie 4.0

Bitkom-Umfrage: 59 Prozent nutzen bereits spezielle Anwendungen aus dem Bereich Industrie 4.0 Bild: xiaoliangge
Bitkom-Umfrage: 59 Prozent nutzen bereits spezielle Anwendungen aus dem Bereich Industrie 4.0.
Bild: xiaoliangge/ stock.adobe.com
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Die Digitalisierung der Industrie-Unternehmen in Deutschland macht Fortschritte. Fast sechs von zehn Industrie-Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern in Deutschland (59 Prozent) nutzen bereits spezielle Anwendungen aus dem Bereich Industrie 4.0. Vor zwei Jahren waren es erst 49 Prozent. Gleichzeitig ist für nur noch ein Prozent der Unternehmen Industrie 4.0 gar kein Thema. Vor zwei Jahren gaben das noch neun Prozent an.

Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. 552 Industrieunternehmen ab 100 Mitarbeitern wurden dafür befragt. Umfrage-Zeitraum war Mitte Februar bis Anfang April 2020.

Weitere 22 Prozent planen aktuell konkret den Einsatz spezieller Anwendungen für Industrie 4.0 – 17 Prozent können sich vorstellen, dies in Zukunft zu tun.

Industrie verfügt über riesiges digitales Potenzial

„Die produzierende und verarbeitende Industrie ist der Kern der deutschen Wirtschaft – und sie verfügt über ein riesiges digitales Potenzial“, sagt Bitkom-Chef Achim Berg.

Fast alle Unternehmen hätten sich auf den Weg in Richtung Industrie 4.0 gemacht. „Anders als Deutschlands Verwaltungen und Schulen war die Industrie auch ohne Corona digital gut in Schwung“, stellt Berg fest.

Jetzt gelte es, dass diese positive Entwicklung durch Corona keinen Dämpfer erhalte. Berg ist sich sicher, dass digital gut aufgestellte Unternehmen sich schneller vom Shutdown erholen werden.

94 Prozent der Befragten sehen in der Industrie 4.0 die Voraussetzung für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. 55 Prozent betonen, Industrie 4.0 gebe dem eigenen Geschäft generell neuen Schub. Insgesamt sehen 93 Prozent der Industrieunternehmen Industrie 4.0 als Chance – und nur fünf Prozent als Risiko.

Digitalisierung schafft neue Geschäftsmodelle

Der Bitkom fragte auch, welche Bedeutung die Digitalisierung für die Geschäftsmodelle der Unternehmen hat. Die Ergebnisse:

  • 73 Prozent verändern im Zuge von Industrie 4.0 ihre gesamten Geschäftsmodelle (2018: 59 Prozent)
  • 51 Prozent entwickeln neue Produkte und Dienstleistungen oder planen dies (2018: 39 Prozent)
  • 26 Prozent verändern ihre Produkte oder haben dies vor (2018: 18 Prozent)
  • 28 Prozent nehmen Produkte und Dienstleistungen ganz vom Markt (2018: 20 Prozent)
Digitalisierung schafft neue Geschäftsmodell in der Industrie. Grafik: Bitkom

„Automobilproduzenten entwickeln sich zu Anbietern von Mobilitätslösungen und Hersteller von Medizintechnik zu smarten Gesundheits-Dienstleistern“, stellt Berg fest. Dieser Weg müsse nun branchenübergreifend in der gesamten Industrie fortgeführt werden. „Die Geschäftsmodelle der Zukunft sind ausschließlich digital“, ist sicher der Bitkom-Präsident sicher.

Plattformen sind für viele Unternehmen das Mittel der Wahl

Die Mehrheit der Industrieunternehmen, die im Zuge der Industrie 4.0 neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln, setzt dabei auf Plattformen:

  • 88 Prozent entwickeln digitale Plattformen neu oder weiter oder beteiligen sich daran
  • 45 Prozent haben sogenannte Pay-Per-Use- oder Production-as-a-Service-Modelle eingeführt
  • 18 Prozent setzen auf datenbasierte Geschäftsmodelle, verkaufen also Produkt- und Produktionsdaten oder bieten aufbauend darauf neue Dienste an, etwa um Qualität und Handhabung eines Produkts zu verbessern.

Die neuen Geschäftsmodelle wirken dabei aktuell nur zu einem kleinen Teil disruptiv: Bei drei Prozent der betreffenden Unternehmen wurden bisherige Geschäftsmodelle komplett abgelöst. Bei einer Mehrheit von 77 Prozent koexistieren neue und alte Geschäftsmodelle.

Neuer Mobilfunkstandard 5G gewinnt an Bedeutung

Der Großteil der Unternehmen setzt große Hoffnungen in den neuen Mobilfunkstandard 5G. 73 Prozent sehen die Verfügbarkeit von 5G für das eigene Geschäft als wichtig an – davon 36 Prozent als „sehr wichtig“, 37 Prozent als „eher wichtig“.

5G Mobilfunkstandard

Der neue 5G-Mobilfunkstandard „ermöglicht Übertragungen in Echtzeit, eine höhere Netzwerk-Kapazität und eine quasi unbegrenzte Zahl an Menschen und Geräten, die innerhalb der 5G-Netze miteinander in Echtzeit kommunizieren können – eine Voraussetzung für autonomes Fahren oder die Kommunikation zwischen Maschinen ohne Kabel. 5G bildet das Nervensystem der Industrie 4.0″, betont Berg.

Künstliche Intelligenz wird in jedem siebten Unternehmen eingesetzt

Eine ebenfalls große Bedeutung wird Künstlicher Intelligenz (KI) beigemessen. 14 Prozent nutzen aktuell Künstliche Intelligenz im Kontext von Industrie 4.0. Dabei ist die Unternehmensgröße entscheidend.

  • Größere Unternehmen ab 500 Mitarbeitern setzen mit 23 Prozent deutlich häufiger auf KI
  • Unternehmen mit 200 bis 499 Mitarbeitern nutzen in elf Prozent der Fälle KI
  • Neun Prozent der kleinere Unternehmen (weniger als 200 Mitarbeiter) arbeiten mit KI

Zu den gängigen KI-Anwendungen zählen etwa Predictive Maintenance. Aber auch Roboter, die ihre Arbeitsabläufe auf aktuelle Erfordernisse hin selbständig anpassen können, kommen zum Einsatz.

Die Vorteile von KI schätzen die Unternehmen in folgenden Bereichen:

  • Predictive Maintenance (43 Prozent)
  • Steigerung der Produktivität (41 Prozent)
  • Optimierung von Produktions- und Fertigungsprozessen (39 Prozent)

58 Prozent sehen in KI disruptives Potenzial, halten es also für wahrscheinlich, dass Geschäftsmodelle dadurch nachhaltig und tiefgreifend verändert werden.

„KI ist eine epochale Technologie, die die Weltwirtschaft und gerade auch die Industrie revolutionieren wird“, sagt Berg. Allerdings brauche es dazu nicht nur Maschinen- und Prozessdaten – sondern auch KI-Experten.

Industrie 4.0 schafft Arbeitsplätze für Qualifizierte

Fachkräfte-Sicherung ist ein wichtiges Thema: 66 Prozent bekräftigen, dass durch Industrie 4.0 neue Arbeitsplätze für gut ausgebildete Fachkräfte entstehen.

89 Prozent sind der Ansicht, dass die Arbeit in der vernetzten Fabrik verstärkt interdisziplinäre Kompetenzen erfordert, etwa an der Schnittstelle von Maschinenbau und Informatik.

Jedes fünfte Unternehmen (20 Prozent) will 2020 neue Mitarbeiter für den Bereich Industrie 4.0 einstellen. Dem steht aber auch ein Beschäftigungsabbau gegenüber: 14 Prozent sollen 2020 infolge der Nutzung von Industrie 4.0 entlassen werden.

Weiterbildungen im Bereich Industrie 4.0 werden wichtiger

61 Prozent sind der Meinung, dass durch Industrie 4.0 insbesondere Arbeitsplätze für gering Qualifizierte in den Fabriken wegfallen. Darauf reagieren die Unternehmen aber auch: 65 Prozent wollen in diesem Jahr Mitarbeiter für Industrie 4.0 weiterbilden.

„Digitale Bildung und Weiterbildung sind jetzt und in Zukunft essenziell“, Bitkom-Chef Berg. „Der Wissens- und Ausbildungsbedarf wird bedingt durch schnellere Innovations- und kurze Produktzyklen immer größer. Digitale Bildung langfristig zu garantieren, muss gemeinsames Interesse von Politik und Wirtschaft sein.“

Allerdings geben 58 Prozent an, dass der Mangel an Spezialisten für Industrie 4.0 zu den großen Hemmnissen zählt – 2019 waren es noch 55 und 2018 nur 49 Prozent.

Weitere Hemmnisse für Industrie 4.0: Hohe Investitionskosten (73 Prozent), Anforderungen an den Datenschutz (67 Prozent) und Datensicherheit (66 Prozent).

Deutsche Unternehmen sehen Bundesrepublik international weit vorn

Die deutsche Industrie stellt sich in Sachen Industrie 4.0 sehr selbstbewusst auf. Die Spitzenpositionen bei Industrie 4.0 belegen nach Industrie-Sicht folgende Staaten:

  1. USA (27 Prozent der Stimmen)
  2. Deutschland (22 Prozent)
  3. Japan (19 Prozent)
  4. China (14 Prozent)
  5. Südkorea (9 Prozent)

„Digitalisierung erzeugt mehr Wettbewerb, und dieser Wettbewerb führt zu mehr Innovationen – ein Glücksfall für Deutschland“, konstatiert Berg. „Die hiesige Industrie mit ihren Global Playern und Hidden Champions spielt dabei auf den vorderen Plätzen mit und hat das Zeug, auch künftig weltweit Spitzenpositionen einzunehmen.“

Berg fordert die Politik zur Unterstützung auf. Man müsse jetzt mutig sein, die Datenschätze verantwortungsvoll zu nutzen und KI zu einer europäischen Schlüsseltechnologie zu machen.

Das Projekt Gaia-X könne dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Mit Gaia-X soll eine besonders sichere europäische Cloud-Infrastruktur geschaffen werden. Dadurch könne auch die digitale Souveränität und Datensouveränität Deutschlands und Europas gestärkt werden. (wag)


Kontakt zum Bitkom


Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.
Albrechtstraße 10
10117 Berlin-Mitte
Tel.: +49 30 2757 60
E-Mail: bitkom@bitkom.org
Website: www.bitkom.org

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