Interview mit Dr. Holger Schmidt, Digital Economist

Industrie 4.0: Die wahre Revolution steckt in neuen Geschäftsmodellen

Dr. Holger Schmidt über B2B-Plattformen.
Bildquelle: Holger Schmidt
Anzeige

Dr. Holger Schmidt ist Digital Economist, Buchautor, Speaker und lehrt „Digitale Transformation“ an der TU Darmstadt. Für die Ecodynamics GmbH beschäftigt er sich mit Plattformökonomie. Industrie.de hat mit ihm auf dem Tag der Industriekommunikation des bvik (Bundesverband Industrie Kommunikation) über das Geschäftsmodell von B2B-Plattformen gesprochen.

Industrie.de: Können Sie kurz erläutern, was B2B-Unternehmen von klassischen B2C-Plattformen lernen können? 

Dr. Holger Schmidt: Der wesentliche Unterschied ist, dass man im B2C viel mehr Akteure hat. Somit bietet es sich auch nicht für jedes B2B-Unternehmen an, eine Plattform aufzubauen. Das ist von den Produkten und den gegebenen Marktstrukturen abhängig.

Was ist die grundsätzliche Stärke von B2B-Plattform-Geschäftsmodellen?

Schmidt: Im Unterschied zu klassischen Pipeline-Modellen wachsen Plattformen mit Hilfe der Partner meist schneller. Diese Partner bringen neue Technologien, aber auch neue Kunden mit. Bestes Beispiel ist aktuell die deutsche Autoindustrie, die für Mobilitätsdienste und autonomes Fahren sehr viele Partnerschaften eingehen. Daimler und BMW kooperieren hier und sagen selbst, nur so könne die Innovationskraft gegenüber der Konkurrenz erhöht und die Verbreitung der Technologie beschleunigt werden.

Läuft China den USA bei B2B-Plattformen den Rang ab?

Schmidt: Auf jeden Fall. Die Achse Asien-Europa gewinnt an Bedeutung und wird stärker als die Achse in die USA. Dementsprechend finden hier auch mehr Transaktionen statt. Dadurch möchten immer mehr B2B-Unternehmen ihre Dienste auf asiatische Plattformen bringen.

Wie sehr hemme Gesetze deutsche Unternehmen zu den USA bei Plattformen aufzuschließen?

Schmidt: Es gibt natürlich Hemmnisse durch DSGVO-Regulierungen, die es B2C-Unternehmen nicht leichter machen. Allerdings wird diese Gegebenheit aus meiner Sicht immer auch gerne als Alibi vorangeschoben. Im Gesundheitsbereich ist das nachvollziehbar. Allerdings wenn es um einen klassischen Maschinenbauer geht, so sind die Daten auf der Maschine nicht so sensibel, dass es davon abhalten könnte, mit einem chinesischen Unternehmen zu konkurrieren. Hier bin ich kein Freund davon, es generell über einen Kamm zu scheren und auf neue Gesetze und Regulierungen zu schieben. Der Sachverhalt, dass Datenschutz und Security das Haupthemmnis sei, um bestimmte Dienste anzubieten, ist oft auch das Ergebnis von Umfragen. Um eine Maschine mit Daten zu füttern, brauchen wir keine Ethik-Kommission.

Warum hat Industrie 4.0 bisher  nicht überall den gewünschten Erfolg gebracht? 

Schmidt: Wir definieren Digitalisierung kommend aus dem Industrie-4.0-Gedanken oft so: Wir digitalisieren unsere Fabrik, machen also das, was wir ohnehin schon super können, nochmal fünf Prozent effizienter und setzen einen Haken. Genau das ist es aber nicht. Das ist der Kern des Dilemmas – wir sind auf der Effizienzschiene sehr stark unterwegs, aber wir waren auch davor schon sehr effizient. Bei vielen Unternehmen bemerke ich auch ein Umdenken. Hier heißt es, die ganze Thematik um Industrie 4.0 hat uns viel gekostet, aber neue Märkte wurden dadurch nicht erschlossen. Die wahre Revolution steckt meist in neuen Geschäftsmodellen, zum Beispiel wenn man aus einem Produkt einen Service macht.

Ebenfalls interessant:

Telekom und Software AG gehen bei IoT gemeinsame Wege

Anzeige

Smarte Maschinen im Einsatz

Konferenz „Smarte Maschinen im Einsatz – Künstliche Intelligenz in Unternehmen“ am 15. Oktober 2019

Konradin Industrie

Titelbild EPP Elektronik Produktion und Prüftechnik 7-8
Ausgabe
7-8.2019
LESEN
ARCHIV
ABO

Webinare & Webcasts

Technisches Wissen aus erster Hand

Whitepaper

Aktuelle Whitepaper aus der Industrie

Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de