Digital Gipfel in Dortmund

Supercloud in den Datensphären

Digital Gipfel 2019 Dortmund
Bild: KBF Klaus Wagner
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Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hatte zum diesjährigen Digital Gipfel am 28. und 29. Oktober nach Dortmund in die Westfalenhalle geladen. Im Fokus der Veranstaltung standen digitale Plattformen und besonderes Interesse fand das von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier 2018 initiierte Cloudprojekt GAIA-X, das damals als KI-Airbus bezeichnet worden war. Dieses hat Berührungspunkte zur Plattform Lernende Systeme.

Der Autor: Klaus Wagner, Freier Journalist in München

Dass die Zeit drängt beim Umsetzen digitaler Technologien, war bei der Veranstaltung deutlich zu spüren und wurde durch Aussagen von Achim Berg, Präsident des Digitalverbands Bitkom, belegt: „Nur 20 Prozent der deutschen Unternehmen investieren in die Digitalisierung.“ Manager vieler Unternehmen hätten angegeben, dafür keine Zeit zu haben, weil die Auftragsbücher voll seien. „Deutschland war ein industrieller Motor. Ein digitaler Antreiber sind wir nicht, aber das können und müssen wir ändern“.

Und immer wieder war auf dem Gipfel „Mut zum Risiko“ und „einfach mal machen“ zu vernehmen. Damit muss man sich nicht unbedingt wohlfühlen. Dazu sagte die Informatikerin Daniela Nicklas, Lehrstuhlinhaberin an der Universität Bamberg, auf dem Gipfel im Gespräch mit industrie.de: „Wie die Vergangenheit zeigte, sind Zweifel an der Datensicherheit sehr berechtigt.“ Die häufig zu hörende Forderung „einfach mal machen“ berge große Risiken. Sie begrüßt, dass Deutschland und Europa eine vorsichtige Haltung einnehmen und trotzdem darauf fokussiert sind, den Anschluss an die USA und China nicht zu verlieren.

Datensouveränität, Sicherheit und Vertrauen schaffen

Der Erfolg der Digitalisierung und damit auch die intensivierte Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Wirtschaft hängt, neben der Akzeptanz der Datentechnologien, davon ab, ob Unternehmen und Organisationen ausreichend Daten sowie Speicher- und Rechenkapazität zur Verfügung stehen. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen müssen vor Engpässen geschützt werden. Vorgesehen ist, dass sich deutsche und europäische Cloudanbieter unter dem Namen GAIA-X zusammenschließen und als gemeinsame Organisation ihre Dienste anbieten. Sehr viel Neues brachte der Gipfel zu diesem Projekt nicht.

Erklärtes Ziel der Supercloud ist die Unabhängigkeit von amerikanischen Anbietern sowie die Datensouveränität, Sicherheit und Skalierbarkeit; ein Konkurrenzangebot soll sie nicht werden. Durch eine europäische Lösung soll der Zugriff amerikanischer Behörden auf Daten europäischer Unternehmen unterbunden werden. „Wer Daten in einer Cloud speichert, muss auch die Verfügungsgewalt darüber behalten. Das beinhaltet auch das Recht auf den Wechsel des Cloudanbieters“, sagte Thomas Jarzombek, MdB, Beauftragter des BMWi für die Digitale Wirtschaft und Start-ups. Er betonte auch, dass eine vertrauenswürdige Cloudinfrastruktur ein zentrales Asset der europäischen Wirtschaft sei.

Die Zusammenarbeit mit dem Kompetenznetzwerk Trusted Cloud soll dazu beitragen, Vertrauen in die Cloudservices aufzubauen. Das Netzwerk geht auf eine Initiative des BMWi zurück und vergibt ein Gütesiegel, das bereits auf dem Markt etabliert ist.

Partner sollen Infrakstruktur bereitstellen

„Das BMWi wird weder die Infrastruktur für GAIA-X aufbauen, noch diese Einrichtung selbst betreiben“, sagte Jarzombek weiter. “Wir wollen die bereits vorhandenen Cloudangebote mit einem Set von Standards und Schnittstellen ausstatten und zu einer gemeinsamen Struktur verbinden.“ Das Ministerium will hierbei moderierend mitwirken und gemeinsam mit dem Bundesforschungsministerium Haushaltsmittel bereitstellen.

Für die Umsetzung steuern Projektpartner Daten und Infrastruktur bei. Je mehr sich an dem Projekt beteiligen, desto mehr Innovationen seien zu schaffen, so Jarzombek. Einen eignen Hyperscaler wolle man für das Projekt nicht bauen. Wie die Frankfurter Rundschau am 25. August 2019 berichtete, seien Zweifel geäußert worden, ob GAIA-X in Gestalt eines Hyperscalers realisierbar sei, da es an europäischer Hardware fehle. Mit europäischen Partnern werde ein Projektplan entwickelt, erste Anwendungen sollen Ende 2020 zugänglich sein. „Noch sind zu wenig technische Details bekannt, als dass man jetzt schon sagen könne, wie GAIA-X für Unternehmen jeder Größe sowie für Start-ups nutzbar sein wird“, sagte Ralf Klinkenberg, CEO und Gründer von RapidMiner, zu industrie.de.

Ein Think tank und Hot Spot Forschung für digitalen Fortschritt

Karl-Heinz Streibich, Präsident der Deutsche Akademie der Technikwissenschaften acatech, der zusammen mit Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, die Plattform Lernende Systeme (PLS) leitet, sieht Möglichkeiten der Synergie mit GAIA-X. „Der Austausch von Patientendaten erfordert eine sichere digitale Infrastruktur. Das illustrieren die Experten der PLS mit einem Use Case im Gaia-X-Konzept“, sagte er auf dem Kongress zu industrie.de.

Die PLS, 2017 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gegründet, soll aufzeigen, wie sich KI im Sinne eines guten, gerechten und verantwortungsvollen Zusammenlebens gestalten lässt und den gesellschaftlichen Dialog mit dem Thema KI zu fördern. Hierzu entwickeln mehr als zweihundert ehrenamtliche Experten konkrete Handlungsempfehlungen und Szenarien. Darüber hinaus sollen Potenziale in Wissenschaft und Wirtschaft erschlossen und rechtliche sowie ethische Fragen bearbeitet werden.

In einem Vortrag entwickelte Streibich seine Vision für 2025: Vollbeschäftigung, da durch Digitalisierung auch neue Berufe geschaffen würden, Bereitstellung von digitalen Bürgerservices durch öffentliche Verwaltungen und die gewaltige Reduktion von Bürokratiekosten. „Industrie 4.0 und KI-Anwendungen werden allgegenwärtig sein.“ Ein gemeinsam mit dem BMBF initiiertes Mittelstandsprogramm werde die Akzeptanz für KI fördern und die Unternehmen agiler, innovativer und wettbewerbsfähiger machen als zuvor.


Kontakt zum Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi)

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Scharnhorststr. 34-37
10115 Berlin
Tel.: +49 3018 6150
E-Mail: info@bmwi.bund.de
Website: www.bmwi.de

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