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Capgemini Studie zeigt: Erst wenige Hersteller verfügen über ausgereifte Strukturen in allen kritischen Bereichen der Cybersecurity

Capgemini Studie zu Cybersecurity
Je smarter, desto schutzbedürftiger

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Warum man in Smart Factories Maßnahmen für Cybersecurity mehr priorisieren soll und wie, erklärt eine Studie des Capgemini Research Institute. Bild: ni/stock.adobe.com

Das Capgemini Research Institute hat 950 internationale Industrieunternehmen zum Thema Cybersecurity befragt. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten rechnet damit, dass die  Zahl der Cyberangriffe in den nächsten zwölf Monaten steigt. Allerdings läuft in nahezu der Hälfte aller Unternehmen das Thema Cybersecurity in der Managementebene nur am Rande mit – trotz der Angriffsfläche, die die Konnektivität durch IIoT mit sich bringt.

Die Hälfte der Industrieunternehmen (51 %) geht davon aus, dass die Zahl der Cyberangriffe auf Smart Factories in den nächsten 12 Monaten steigen wird. Dennoch sagt ebenfalls fast jeder zweite Hersteller (47 %), dass die Cybersecurity der eigenen intelligenten Fabriken nicht im Fokus der höchsten Managementebene steht. 

Zu diesen Ergebnissen kommt das Capgemini Research Institute in seiner neuen Studie „Smart & Secure: Why smart factories need to prioritize cybersecurity“.

Cybersecurity Leaders sind Wettbewerbern überlegen

Erst wenige Hersteller verfügen über ausgereifte Strukturen in allen kritischen Bereichen der Cybersicherheit. Die mit dem Industrial Internet of Things (IIoT) geschaffene Konnektivität der Smart Factories erhöht die Gefahr durch Cyberangriffe in der intelligenten Industrie exponentiell. 

Diese 6 %, in der als Studie „Cybersecurity Leaders“ bezeichnet –, setzen in ihren Smart Factories schon ausgereifte Konzepte für die entscheidenden Dimensionen der Cybersicherheit um: Sensibilisierung, Reaktionsfähigkeit und Implementierung.

Aus der Studie geht hervor, dass sie ihren Wettbewerbern dadurch in mehreren Aspekten überlegen sind: 72 % können sich gegen Cyberangriffe schützen und deren Auswirkungen minimieren, und 74 % sind in der Lage, bekannte Angriffsmuster frühzeitig zu erkennen. Dies ist nur bei 41 bzw. 46 % der anderen Unternehmen der Fall.

Cybersecurity-Strategie für Smart Factories

Basierend auf der Auswertung und den Erfahrungen dieser „Cybersecurity Leaders“ empfehlen die Studienautoren einen sechsstufigen Ansatz für die Ausarbeitung einer effektiven Cybersecurity-Strategie für Smart Factories:

  • Durchführung eines umfassenden Cybersecurity Assessments
  • Sensibilisierung des gesamten Unternehmens für Cybergefahren für Smart Factories
  • Definition der Verantwortlichkeiten für die Risiken von Cyberangriffen
  • Einführung von Frameworks für Cybersicherheit in Smart Factories
  • Entwickeln von auf Smart Factories zugeschnittenen Cybersicherheitspraktiken
  • Aufbau einer Governance-Struktur und eines Frameworks zur Kommunikation mit der Unternehmens-IT

Methodik der Studie

Das Capgemini Research Institute hat 950 Unternehmen befragt und Tiefeninterviews mit Führungskräften aus verschiedenen Unternehmen geführt.

Die Umfrage fand im Oktober und November 2021 statt – mit Befragungen in Australien, Italien, UK, den USA, Frankreich, Deutschland, Spanien, Skandinavien, Indien, China und den Niederlanden.

Zu den untersuchten Sektoren gehören die Konsumgüter- und Schwerindustrie, Pharma und Life Sciences, Chemie, Automobil, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung sowie Hightech.

Weitere Ergebnisse der Studie zur Cybersecurity in Smart Factories

Bild: Capgemini

 

Rund 53 % der Unternehmen – sowohl weltweit als auch in Deutschland – denken, dass Smart Factories in Zukunft Hauptziele von Cyberangriffen sein werden. In der Schwerindustrie gehen davon sogar 60 % aus, im Pharma- und Life-Sciences-Sektor 56 %.

Ein ausgeprägtes Gefahrenbewusstsein führt jedoch nicht automatisch dazu, dass Unternehmen entsprechend vorbereitet sind. Unzureichende Aufmerksamkeit des obersten Managements, knappe Budgets und menschliche Faktoren werden als die größten Hürden für Cybersicherheit genannt, die sie zu überwinden haben.

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Torsten Jüngling, Head of Cybersecurity bei Capgemini in Deutschland
Bild: Capgemini

 

„Solange Cybersecurity keine Priorität des Vorstands ist, wird es Unternehmen schwerfallen, der Gefahr effektiv zu begegnen.“
– Torsten Jüngling, Capgemini

 

„Hersteller kennen die Vorteile der digitalen Transformation und investieren entsprechend massiv in Smart Factories – ein riskanter Schritt, wenn Cybersicherheit nicht von Beginn an integriert ist“, sagt Torsten Jüngling, Head of Cybersecurity bei Capgemini in Deutschland.

Die wachsende Angriffsfläche, Vernetzung und die Menge an Betriebstechnologie sowie IIOT-Geräten würden Smart Factories zu einem leichten Ziel für Cyberkriminelle machen.

Jüngling sagt zur Studie zur Cybersecurity: „Solange dies keine Priorität des Vorstands ist, wird es Unternehmen schwerfallen, der Gefahr effektiv zu begegnen, ihre Mitarbeitenden und Zulieferer fortzubilden sowie die Kommunikation zwischen den Cybersecurity-Teams und der C-Suite verbessern.“

Hürden für sichere Smart Factories: Fehlende Tools

Die Studie zeigt, dass Cybersicherheit für viele Unternehmen kein Grundstein ihrer Strategie ist; nur 51 % integrieren standardmäßig Cybersicherheitspraktiken in ihre Smart Factories.

Anders als bei IT-Plattformen sind möglicherweise nicht alle Unternehmen in der Lage, die Maschinen in einer Smart Factory im laufenden Betrieb zu überprüfen. Die Sichtbarkeit von Betriebstechnologie (OT) und IIoT-Geräten auf Systemebene ist notwendig, um zu erkennen, sobald sie kompromittiert wurden.

77 % der Unternehmen sind besorgt darüber, dass zur Reparatur oder Aktualisierung von OT-/IIoT-Systemen regulär nicht-standardkonforme Prozesse angewandt werden. Diese Problematik ist zum Teil auf die geringe Verfügbarkeit der richtigen Tools und Prozesse zurückzuführen.

Allerdings denkt die Hälfte der Unternehmen in Deutschland und weltweit, dass Cyberrisiken für Smart Factories in erster Linie von den Netzwerken ihrer Partner und Zulieferer ausgehen. 28 % haben zudem beobachtet, dass die Zahl der Mitarbeiter oder Zulieferer, die infizierte Geräte wie Laptops und Mobilgeräte zur Installation oder zum Patchen von Smart-Factory-Anlagen mitbringen, seit 2019 um 20 % gestiegen ist.

Bild: Capgemini

Menschen – nicht Technologien – bleiben die größte Gefahr

Nur wenige der befragten Unternehmen gaben an, dass ihre Cybersicherheitsteams über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, um bei Vorfällen dringende Sicherheits-Patches ohne externe Unterstützung durchzuführen.

Eine häufige Ursache für diese verbreitete Schwachstelle besteht darin, dass Cybersecurity Manager fehlen, um die erforderlichen Weiterbildungsprogramme einzuführen.

In Verbindung mit dem Fachkräftemangel wird dies zu einer Herausforderung: 57 % der Unternehmen halten den Mangel an Fachkräften für die Cybersicherheit von Smart Factories für weitaus akuter als für den Bereich der IT-Sicherheit.

Viele Unternehmen berichten, dass ihre Cybersicherheitsanalysten überlastet sind von der Vielzahl an OT- und IIoT-Geräten, die sie überwachen müssen, um Angriffe zu erkennen und zu verhindern.

Darüber hinaus sehen sich 43 % der Cybersicherheitsmanager in Deutschland und weltweit nicht in der Lage, auf Angriffe in ihren Smart Factories und Produktionsstandorten zu reagieren.

Zu wenig Zusammenarbeit zwischen den Leitern von Smart Factories und dem Chief Security Officer ist für über die Hälfte der Befragten – 53 % weltweit, 58 % in Deutschland – ebenfalls ein bedenklicher Umstand. Diese Kommunikationslücke beeinträchtigt die Fähigkeit von Unternehmen, Cyberangriffe frühzeitig zu erkennen, was zu einem größeren Ausmaß der Schäden führen kann.

Mehr als die Hälfte (55 %) der deutschen Unternehmen gab an, dass Verluste in der Vergangenheit hauptsächlich durch Verzögerungen bis zur Entdeckung von Cyberangriffen entstehen konnten.  (eve)

 

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