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Burn-out-Prävention: Ausbrennen vermeiden

Betriebliche Gesundheitsförderung
Burn-out-Prävention: Ausbrennen vermeiden

Kommen zum Berufsstress auch noch private Herausforderungen hinzu, ist die Belastungsgrenze schnell überschritten. Foto: lassedesignen / fotolia.
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Immer mehr Berufstätige kämpfen mit psychischen Problemen – nicht zuletzt wegen des erhöhten Arbeitsdrucks in vielen Unternehmen. Oft liegen die Ursachen hierfür aber auch im persönlichen Bereich; dies gilt es bei der betrieblichen Gesundheitsprävention zu beachten.

Die Zahl der Arbeitnehmer mit psychischen Belastungen oder gar Erkrankungen steigt; ebenso der Zahl der Burn-out-Fälle. Diese Nachricht liest und hört man seit Jahren, und meist lautet die Begründung: Die Arbeitsintensität in den Betrieben nimmt stetig zu. Es trifft tatsächlich zu – in vielen Unternehmen geht es heute hektischer zu als früher. Zudem sind die Beschäftigungsverhältnisse oft fragiler, angefangen bei den gering Qualifizierten, die heute häufig nur noch Minijobs und Jobs bei Zeitarbeitsfirmen finden, bis hin zu den Hochqualifizierten, die in den ersten Berufsjahren häufig nur Zeitverträge erhalten.
Doch darin die alleinige Ursache der steigenden psychischen Belastung zu sehen, greift zu kurz: Heute wird von den Menschen insgesamt erwartet, mehr Eigenverantwortung zu zeigen und „private Vorsorge“ zu betreiben, was seinen Teil zur steigenden Belastung beiträgt. Hinzu kommt allerdings noch, dass sich die Sozialstrukturen der Gesellschaft verändert haben.

Unterstützungssysteme fehlen oft

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren Familien mit drei, vier Kindern gang und gäbe. Und wenn der Nachwuchs erwachsen war und eine eigene Familie gründete, dann geschah dies meist in der Nähe des Elternhauses. Entsprechend groß waren das familiäre Unterstützungssystem und der über Jahrzehnte gewachsene Freundeskreis, auf den man sich bei Bedarf stützen konnte.
Heute hingegen dominieren zumindest in den städtischen Ballungsräumen die Singlehaushalte – auch weil die (Liebes-)Beziehungen brüchiger werden. Die klassische Vater-Mutter-Kind-Familie ist in den Großstädten fast schon die Ausnahme. An ihre Stelle sind die Alleinerziehenden mit Kindern und die Patchwork-Familien getreten. Auf die Unterstützung von Verwandten lässt sich auch nicht zählen, wenn diese Hunderte von Kilometern entfernt leben. Dies alles erhöht ebenfalls den Druck, unter dem Berufstätige stehen. Denn wegen der fehlenden Unterstützungssysteme werden oft schon vermeintliche „Kleinigkeiten“ zum Stressfaktor; zum Beispiel das Paket, das bei der Post abgeholt werden muss, oder der Besuch eines Handwerkers.

Viele Präventionskonzepte greifen zu kurz

Übereinstimmend betonen Experten: Die veränderte Arbeitswelt ist nur einer von vielen Faktoren, weshalb heute mehr Berufstätige als früher unter einer großen psychischen Anspannung stehen. Deshalb greifen alle betrieblichen „Work-Life-Balance-Konzepte“ zu kurz, die ihren Blick nur auf die Arbeitswelt richten. Ihr Ausgangspunkt sollte vielmehr die Frage sein: Wie leben die Mitarbeiter heute und mit welchen Anforderungen sind sie aufgrund ihrer Lebenssituation konfrontiert?
Dasselbe gilt für die Programme zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch schaffen oft nur wenig Entlastung, weil sie den Fokus primär auf Familien und Alleinerziehende mit Kindern richten. Dabei stehen Singles häufig noch stärker unter Strom als stolze Väter und Mütter – unter anderem, weil sie mehr Zeit in die Pflege eines Freundes- und Bekanntenkreises investieren müssen, der sie emotional trägt.
Viele Berufstätige sind heute aufgrund des fehlenden privaten Unterstützungssystems sehr verletzlich. Solange im Leben alles glatt läuft, ist das meist kein Problem. Doch falls außergewöhnliche emotionale Belastungen auftreten (etwa Beziehungen zerbrechen, schwerere Krankheiten zu bewältigen sind oder ein Elternteil zum Pflegefall wird), geraten viele Berufstätige schnell an ihre Belastungsgrenze. Kommen dann noch berufliche Sorgen hinzu, wird die persönliche Krise akut.

Herausforderung: Die Balance im Leben bewahren

Bei fast allen Burnout-Gefährdeten und -geschädigten hat die Überlastung auch private oder persönliche Gründe. Da ist zum Beispiel die Controllerin, die seit Jahren unter Schlafstörungen leidet – auch weil sie nicht den gewünschten Lebenspartner findet. Oder der Salesmanager und Vater zweier Kinder, der meist nur am Wochenende zuhause ist, weshalb es in seiner Ehe kriselt. Oder die Lehrerin, deren Vater einen Schlaganfall erlitten hat und nun einer intensiven Pflege bedarf. Bei all diesen Personen hat die Überforderung auch berufliche Gründe, jedoch nicht nur.
Diesen Zusammenhang haben viele Unternehmen erkannt und bieten ihren Mitarbeitern vermehrt Unterstützungsmaßnahmen an, um ihr Leben in Balance zu halten. Viele Geschäftsführer machen sich auch Gedanken darüber, wie sie ihre Mitarbeiter entlasten können – zum Beispiel, wenn ein Elternteil zum Betreuungsfall wird. Betriebliche Weiterbildungsprogramme enthalten zunehmend neben den üblichen Stressmanagement-Seminaren auch Angebote, die darauf abzielen, die Widerstandsfähigkeit der Mitarbeiter zu stärken und diese dafür zu sensibilisieren, wann ein „Gefordert-sein“ in ein „Überfordert-sein“ umschlägt.

Betriebe entwickeln Präventionsprogramme

Fakt ist, zumindest in den meisten Großunternehmen tut sich etwas. Sie entwickeln immer ausgefeiltere Präventionsprogramme, auch weil sie wissen: Wenn ein Leistungsträger wegen eines Burn-outs mehrere Monate ausfällt, entsteht ein enormer Schaden. In den kommenden Jahren wird es immer schwieriger werden, qualifizierte Arbeitskräfte zu ersetzen; also investieren Unternehmen mehr Zeit und Geld in den Erhalt der Gesundheit ihrer Beschäftigten – nicht nur zum Wohl der Mitarbeiter, sondern auch des Unternehmens.
Sibylle Brechtel ist Inhaberin des Trainings- und Beratungsunternehmens Brechtel Gesundheitscoaching in Diez bei Limburg.

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