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Der Fehler als Freund und Helfer

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Der Fehler als Freund und Helfer

War ich das etwa?! Sich einen Fehler einzugestehen ist der erste Schritt, um daraus lernen und wachsen zu können. Foto: pathdoc – Fotolia
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Fehler haben ein negatives Image – teilweise zu Unrecht. Denn Ergebnisse beruhen letztendlich meist auf dem Überwinden von Irrtümern und Fehlleistungen; Lernfortschritte etwa bei Kindern werden sichtbar, weil sie vorher etwas falsch gemacht haben. Auch wenn dieser Zusammenhang später in den Hintergrund tritt: Fehler können lebenslang bei der Weiterentwicklung helfen.

In der Schule haben Fehler die unangenehme Eigenschaft, rot angestrichen zu werden und dadurch deutlich sichtbar zu sein. Nicht viel anders ergeht es Tellern oder Tassen, wenn sie in der Fabrik die Qualitätskontrolle durchlaufen: Kleine Kratzer oder Glasurfehler werden unbarmherzig markiert, die Teile zur Fehlware abgestuft und aussortiert. Läuft beim Computer etwas falsch, blinkt gnadenlos „error“ auf. Soll der Rechner wieder funktionieren, müssen die Ursachen für die Fehlermeldung gefunden, beseitigt und künftig vermieden werden.

FEHLER = HELFER

Fehler sind allgegenwärtig – wir müssen mit ihnen leben. Damit sie ihren Sinn und Zweck erfüllen und nicht die Oberhand gewinnen, liegt die Konsequenz darin, aus ihnen zu lernen. Nach dem Ursache-Wirkung-Prinzip hat auch jeder Fehler eine Auswirkung. Die Folge daraus: Versuchen, es besser zu machen, indem wir uns Fehler als Helfer zunutze machen.
Optisch gelingt dies ganz einfach: Werden wie beim Scrabble-Spiel die sechs Buchstaben E – E – F – H – L – R zu Wörtern gefügt, kann daraus sowohl FEHLER als auch HELFER entstehen, ein Anagramm. Ein kleiner Buchstabendreher macht also aus dem vermeintlich Bösen etwas Gutes – der Fehler wird zum Helfer.

Fehler machen bedeutet Erfahrung sammeln

Man muss nicht unbedingt jeden Fehler selbst machen: Auch aus fremden Fehlern lässt sich lernen, indem das Richtige aus dem Falschen herausgearbeitet wird. Durch gespeichertes Negativwissen (also wie etwas nicht funktioniert) wirken sie wie eine Art Immunsystem. Geraten wir in eine ähnliche Situation, können wir durch diese Hintergrundinformation unser Handeln so steuern, dass wir denselben Fehler nicht wiederholen.
Die Erinnerung ruft im Grunde eine Norm ins Bewusstsein – was kritisches Hinterfragen einerseits, aber auch Normtransparenz andererseits bewirken kann. Das wird immer dann deutlich, wenn jemand einen Fehler macht, ohne zu erkennen, dass es ein Fehler ist. Auch wenn wir in einem fremden Land etwas falsch machen, erkennen wir oft erst später, warum die Menschen so eigenartig reagiert haben.

Sich Fehler eingestehen

Niemand ist unfehlbar – irren ist bekanntlich menschlich. Ist ein Fehler passiert und als solcher erkannt worden, dann ist die Versuchung oft groß, jemand anderen oder die ungünstigen Umstände dafür verantwortlich zu machen, also die Schuld von sich zu weisen.
Wer kennt nicht die Situation aus der Kindheit, als beim Ballspielen ein Fenster zu Bruch ging…keiner will es gewesen sein, auch wenn die zerborstene Scheibe als eindeutiger Beweis Bände spricht. Die Reaktion: Schnell abhauen, damit man nicht dafür zur Verantwortung gezogen werden kann. Oder im Fall des Erwischt-Werdens die Schuld auf die anderen schieben. Kein Wunder, denn lange Zeit war es üblich, Fehler zu bestrafen. Und auch in der modernen Office-(Nicht)-Hierarchie wird nur zu gern versucht, sich möglichst umfassend abzusichern für den Fall, dass ein Fehler eintreten könnte. Es erfordert durchaus Mut, sich selbst und anderen gegenüber einen Fehler einzugestehen. Andererseits wird das Bekenntnis dazu in der Regel mit Respekt honoriert.

Negatives in Positives umwandeln

Fehler passieren in den seltensten Fällen aus Berechnung; kaum jemand tut wissentlich etwas, um anderen – oder sich selbst – zu schaden. Hinter jedem Verhalten steckt meist eine positive Absicht (z. B. den Ball noch weiter zu schießen), selbst wenn diese auf den ersten Blick nicht immer zu erkennen ist. Im Umgang mit Fehlern hilft es daher, grundsätzlich von einer positiven Absicht auszugehen.
Mit dem Erkennen dessen, was falsch gelaufen ist, beginnt bereits die Umwandlung vom Negativen zum Positiven. Weil man ja jetzt weiß, was falsch war, lässt sich dieser Aspekt, dieser Schluss künftig vermeiden bzw. anders gestalten. Ist der Auslöser kein Unbekannter mehr, verliert er die Kraft – seine Rest-Energie lässt sich umlenken: Weil sie in die falsche Richtung führen würde, kann man ihr getrost den Platz auf dem Abstellgleis zuweisen. Das Potenzial liegt in der angstfreien Weiterentwicklung. Mit Kreativität und Mut wird neue Kraft freigesetzt, einen neuen Weg zu gehen, eine neue Lösung zu finden.

Gefühle erlauben

Beim nächsten Mal wird alles besser! Ein guter Vorsatz – der aber schnell wieder ins Hintertreffen gerät, wenn er nur als Ablenkung oder Entschuldigung dient. Damit es beim nächsten Mal wirklich besser läuft, muss sich auch das Verhalten ändern. Ist die Bereitschaft dazu vorhanden, ist schon der erste Schritt getan. Nicht umsonst ist das, was wir tun, sehr eng mit unserer eigenen Wahrnehmung verknüpft; wer kann schon behaupten, dass er die beste Version von sich selbst ist? Es gibt immer Luft nach oben. Auch in der Auseinandersetzung mit gemachten Fehlern stehen wir vor der Wahl, wie wir auf die erhaltenen Informationen reagieren wollen: Ärgerlich, zweifelnd oder neugierig?
Einen Fehler und seine Auswirkungen richtig einzustufen ist immer nur in der Retrospektive möglich; der Fehler ist bereits Vergangenheit. Doch das weitere Leben passiert in der Gegenwart und Zukunft – trotz der gemachten schlechten Erfahrungen muss der Blick nach vorne gehen. Nur so lassen sich Misserfolge umwandeln. Nur wer sich weiterentwickelt, der bleibt am Puls der Zeit, konkurrenzfähig und erfolgreich – und zwar in allen Lebensbereichen.
Marc Galal ist Verkaufstrainer in Frankfurt am Main.
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