Technologie

Deutsche Tüftler mit europäischem Erfinderpreis geehrt

Drei Deutsche erhielten den diesjährigen Europäischen Erfinderpreis für ihre gesellschaftlich bedeutsamen Entwicklungen. Foto: Sergey Nivens – Fotolia
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Gleich drei deutsche Erfinder sind am 15.06.2017 in Venedig mit dem Erfinderpreis des Europäischen Patentamts (EPA) ausgezeichnet worden: Honoriert wurden die Entwicklung eine „Zauberwatte“ zur Beseitigung von Ölteppichen, einer hochpräzisen Signaltechnologie für das Satellitennavigationssystem Galileo sowie eines neuen medizinischen Bildgebungsverfahrens.

Die Preisträger wurden von einer unabhängigen, internationalen Jury unter mehr als 450 Erfindern und Erfinder-Teams für die diesjährige Preisverleihung ausgewählt. „Diese Erfinder haben nicht nur zur Förderung der technologischen Entwicklung beigetragen. Ihre patentierten Erfindungen sind von besonderer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung: Vom lebensrettenden medizinischen Fortschritt und Materialien zum Schutz unserer Umwelt bis hin zu Satellitennavigationstechnik, die uns näher zusammenrücken lässt“, so EPA-Präsident Benoît Battistelli bei der Preisverleihung. „Als Austragungsort für den europäischen Erfinderpreis ist Venedig besonders geeignet, weil diese Stadt seit jeher eine herausragende Stellung in der Geschichte von Patenten und Innovationen in Europa eingenommen hat. Die heutigen Preisträger haben in dieser Tradition nun ebenfalls ihren Platz.“
Rund 600 Gäste aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, geistiges Eigentum und Wissenschaft waren im Arsenale di Venezia anwesend, als der EPA-Präsident und Carlo Calenda, Italiens Minister für wirtschaftliche Entwicklung, die Zeremonie eröffneten.

Eine „Zauberwatte“ zur Bekämpfung von Ölteppichen

Dank ihrer Fähigkeit, nahezu das Siebenfache ihres Eigenwichts an hydrophoben Flüssigkeiten aufzunehmen, könnte eine neue Wachswatte die Bekämpfung von Öl- und Chemikalienverschmutzungen von Gewässern maßgeblich verändern. Das Wachs, von Günter Hufschmid und seinem Team in Sachsen-Anhalt entwickelt und unter dem Markennamen „Pure“ vermarktet, hinterlässt keine chemischen Rückstände und lässt sich sogar wiederverwenden. Beim Aufsaugen von Heizöl in Kellern von Hochwasseropfern 2013 in Süddeutschland und bei Reinigungsarbeiten im stark verschmutzen Niger-Delta in Nigeria hat die Wachswatte ihre Tauglichkeit bereits bewiesen. Der größte Erfolg ist allerdings derzeit die Anwendung in Windrädern, denn diese benötigen eine große Menge an Öl, und ohne einen Ölbinder, der Lecks abdichtet, können kosten- und zeitintensive Reinigungsarbeiten entstehen.
Der gebürtige Münchener Hufschmid studierte Chemie an der Technischen Universität München und war anschließend lange Zeit bei BASF tätig. 1992 verließ er das Unternehmen, um sein eigenes zu gründen. Noch im selben Jahr nahm die Deurex-Gruppe in Sachsen-Anhalt ihren Betrieb auf; heute beschäftigt das Unternehmen mehr als 100 Mitarbeiter.

Vorsprung für Europa in der Satellitentechnik

Die von einem europäischen Team aus Wissenschaftlern und Ingenieuren entwickelten Signaltechnologien stellen sicher, dass Galileo – Europas globales Satellitennavigationssystem – mit einer äußerst genauen Positionsbestimmung im Zentimeterbereich arbeitet, welche die Grundlage für vielfältige Anwendungen und Dienste im zivilen Bereich schafft. Darüber hinaus gewährleistet ihre Entwicklung die Kompatibilität von Galileo mit dem US-amerikanischen GPS und dem russischen GLONASS und unterstützt eine Fülle von Funktionen, weshalb Galileo bei vollständiger Einsatzfähigkeit im Jahr 2020 das am höchsten entwickelte globale Satellitennavigationssystem sein wird.
Günter W. Hein gilt weltweit als Experte, wenn es um Navigation geht: 1983 übernahm er als damals jüngster Professor an der Universität der Bundeswehr München das Institut für Erdmessung und Navigation. Er gründete zudem die international führende Navigationskonferenz „Munich Satellite Navigation Summit“ und wurde von der Bundesregierung nominiert, als Head of Galileo Operations and Evolution eine Spitzenposition bei der ESA (European Space Agency) zu übernehmen. Ende 2015 erhielt er den Ehrentitel eines exzellenten Emeritus der Universität der Bundeswehr München.

Optische Kohärenztomografie für die medizinische Diagnostik

Die vom deutschen Physiker Robert Huber und den US-amerikanischen Elektroingenieuren James G. Fujimoto und Eric Swanson entwickelte Optische Kohärenztomografie (OCT) ist die erste Technologie, die Echtzeitbilder von menschlichem Gewebe in hochauflösenden, dreidimensionalen Strukturen liefert, ohne dass dafür invasive Untersuchungen und chirurgische Gewebeentnahmen vorgenommen werden müssen. Sie basiert auf einem Prinzip, das jenem des Ultraschalls ähnelt – nur, dass es die Zeitverzögerung des Echos von Lichtstrahlen anstatt von Schallwellen misst. Inzwischen gehört OCT mit Millionen durchgeführten Scans jährlich zum weltweiten Standard und ermöglicht die frühe Diagnose von schweren Augenkrankheiten wir Glaukom (grüner Star), aber auch von Krebs und Herzerkrankungen. Denn was ursprünglich mit der Diagnose von Augenkrankheiten begann, hat mittlerweile hochauflösende Bildgebungsverfahren in verschiedene andere medizinische Felder übertragen.
Alle drei Erfinder haben die OCT-Technologie wirksam in erfolgreiche Unternehmen umgesetzt – darunter die von Huber mitgeründete und in Deutschland ansässige Optores GmbH. Robert Huber ist derzeit Professor am Institut für Biomedizinische Optik an der Universität Lübeck. Seinen Doktortitel erlangte er 2002 an der Fakultät für Physik der Ludwig-Maximilians-Universität in München (LMU).

Über den Europäischen Erfinderpreis

Der Europäische Erfinderpreis fand 2017 zum zwölften Mal statt. Er ist einer der wichtigsten Preise für Innovation in Europa und wird seit 2006 jährlich vom Europäischen Patentamt (EPA) verliehen. Mit dem Preis werden einzelne Erfinder und Teams von Erfindern in fünf Kategorien ausgezeichnet, die mit ihren Entwicklungen dazu beitragen, technische Antworten auf die wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit zu finden.
Um sich für die Auszeichnung zu qualifizieren, müssen die eingereichten Vorschläge spezifische Kriterien erfüllen, wie beispielsweise den Nachweis über mindestens eine erteilte europäische Patentierung der Erfindung durch das EPA. Eine internationale, hochkarätig besetzte und unabhängige Jury mit Mitgliedern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Forschung prüft dabei, inwieweit diese Erfinder mit ihrer Arbeit zu technischem sowie gesellschaftlichem Fortschritt, zum Wohlstand und zur Schaffung von Arbeitsplätzen in Europa beigetragen haben.
Die 15 diesjährigen Finalisten wurden aus mehr als 450 Vorschlägen ausgewählt – die bisher höchste Zahl für den Award. Der Träger des Publikumspreises wird unter den 15 Finalisten mittels Online-Abstimmung im Vorfeld der Verleihung gewählt.
Rainer Osterwalder ist Pressesprecher des Europäischen Patentamtes mit Sitz in München.
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