EMI: Deutsche Industrie läuft auch im September 2017 rund

Wirtschaft

Deutscher Industrie-Motor läuft auch im September rund

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Der September-EMI markiert eine neue Fünf-Jahres-Bestmarke – die Kehrseite sind wachsende Lieferschwierigkeiten. Foto: Industrieblick
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Die deutsche Industrie ist im September so kräftig gewachsen wie seit über sechs Jahren nicht mehr – das signalisiert der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI). Rekordverdächtig lange Lieferzeiten deuten allerdings auch auf erhebliche Lieferschwierigkeiten hin; der Anstieg der Einkaufspreise hat sich ebenfalls erheblich beschleunigt.

Gegenüber August verbesserte sich der EMI um 1,3 Punkte und erreichte mit 60,6 den höchsten Wert seit April 2011. Produktion und Beschäftigung legten sogar noch stärker zu als im Vormonat.

„Der EMI scheint im Moment nur einen Weg zu kennen – und der führt nach oben. Der anhaltend robuste Aufschwung lässt uns voller Zuversicht in das 4. Quartal blicken“, so Dr. Silvius Grobosch, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME). Etwas Sorge bereiteten dagegen die erneut gestiegenen Einkaufspreise: Einen der Hauptgründe dafür sieht Grobosch in den seit Jahresbeginn wieder anziehenden Preisen für Industrierohstoffe.

„Der EMI hat zuletzt wieder deutlich an Fahrt aufgenommen. Die deutsche Industrie läuft rund, beschleunigt sich sogar noch“, kommentiert Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen die aktuellen EMI-Daten. Die Verbraucher blieben in bester Konsumlaune, die Bauwirtschaft sei weiter stark und auch die Investitionen würden dynamischer. Im laufenden Jahr werde das deutsche Bruttoinlandsprodukt Traud zufolge voraussichtlich sogar die Marke von 2 % überschreiten. 2018 sei mit einem fast genauso so hohen Wachstum zu rechnen.

Nach Ansicht von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, „bekommt die Konjunktur im Herbst noch einmal einen richtigen Schub. Dieser wird auch die Aktienmärkte weiter treiben.“ Die Daten des EMI deuteten auch darauf hin, dass langsam die Inflation anziehe. „Damit könnte es etwas turbulent werden an den Finanzmärkten im kommenden Jahr“, ergänzt Kater.

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick

  • Industrieproduktion: Die Industrieproduktion wurde im September so kräftig ausgeweitet wie seit knapp sechseinhalb Jahren nicht mehr.
  • Auftragseingang: Beim Auftragseingang verbuchten die deutschen Industrieunternehmen im Berichtsmonat das zweithöchste Plus seit April 2011; es wurde lediglich übertroffen vom Zuwachs im Juni dieses Jahres. Wie bereits seit Jahresanfang ging von den Exportmärkten auch im September ein starker Nachfrageimpuls aus. Unterm Strich fiel das Exportorderplus zwar etwas niedriger aus als im August, es blieb jedoch überdurchschnittlich hoch. Besonders gefragt waren deutsche Industrieerzeugnisse in Asien.
  • Beschäftigung: Der kräftige Auftragsschub zog den stärksten Beschäftigungsaufbau seit Mai 2011 nach sich. Am meisten neue Stellen wurden diesmal im Investitionsgüterbereich geschaffen, dicht gefolgt vom Vorleistungsgüterbereich.
  • Einkaufs-/Verkaufspreise: Der Kostenanstieg erreichte ein Fünfmonatshoch und fiel stärker aus als im bisherigen Jahresdurchschnitt. Verteuert haben sich laut Befragten neben Chemikalien auch Energie und zahlreiche Metalle, darunter Aluminium, Kupfer, Messing und Stahl. Der Anstieg der Verkaufspreise beschleunigte sich den zweiten Monat in Folge und fiel so stark aus wie seit über sechs Jahren nicht mehr. Ausschlaggebend hierfür war der rasante Kostenauftrieb, den die Unternehmen an ihre Kunden weiterzugeben bestrebt waren.
  • Jahresausblick: Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist fielen im September sogar noch optimistischer aus als in den beiden Vormonaten. Der entsprechende Teilindex notiert aktuell nur knapp unter dem Rekordhoch von Anfang 2014. Immerhin fast 40 % der Befragten erwarten, dass sich der gegenwärtige Wachstumstrend fortsetzen wird. Einige hingegen sehen den Markt zunehmend gesättigt und gehen eher davon aus, dass das hohe Niveau nicht gehalten werden kann.

Über den EMI

Der IHS Markit/BME Einkaufsmanager Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des BME mit Sitz in Frankfurt. Er wird vom Anbieter von Unternehmens-, Finanz- und Wirtschaftsinformationen IHS Markit mit Hauptsitz in London erstellt und beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern/Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, und Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager‘s Index (Markit U.S.-PMI).

Frank Rösch ist Leiter Presse und Kommunikation beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME).

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