EMI: Das Stimmungshoch der Industrie hält auch im Juni 2017 an

Wirtschaft

EMI: Das Stimmungshoch in der Industrie hält an

Der Konjunkturindex EMI konnte seinen Zählerstand im Juni nochmals gegenüber dem sehr guten Wert im Mai verbessern. Foto: Nicolas Herrbach – Fotolia
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Die deutsche Industrie zeigte sich auch im Juni in Höchstform – das Wachstum fiel sogar noch etwas höher aus als im Mai. Zudem blieben die Geschäftsaussichten des Verarbeitenden Gewerbes im Berichtsmonat ausgesprochen optimistisch, wie der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) signalisiert.

Der EMI konnte im Juni gegenüber dem Vormonat um 0,1 Punkte auf 59,6 Zähler zulegen und damit das kräftigste Wachstum seit April 2011 erzielen. Der wichtige Konjunktur-Indikator notiert bereits seit 31 Monaten über der 50-Punkte-Marke – das ist der zweitlängste Zeitraum ununterbrochenen Wachstums seit Umfragebeginn vor 21 Jahren. Der Index spiegelt das Ergebnis der Juni-Umfrage zur Konjunkturlage der deutschen Industrie in einem Wert wider.

Weiterhin unbeeindruckt von globaler Unsicherheit
„Die anhaltende Robustheit der deutschen Wirtschaft überrascht angesichts nach wie vor bestehender globaler Risiken. Gleichzeitig stimmt uns das EMI-Hoch für den weiteren Jahresverlauf optimistisch“, betont Dr. Silvius Grobosch, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME). Erfreulich sei zudem, dass sich der Anstieg der Einkaufspreise trotz steigender Rohstoffnotierungen den dritten Monat in Folge verlangsamt habe.
„Laut EMI ist die Stimmung in der Industrie ausgezeichnet. Es scheint, als ob die Bäume in den Himmel wachsen. Wie wahrscheinlich ist das aber?“, kommentiert Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen die aktuellen EMI-Daten. Die Korrektur an den Aktienmärkten sei nach Einschätzung der Helaba-Bankdirektorin ein erstes Anzeichen dafür, dass die Stimmung über die Lage hinaus gewachsen und entsprechend zu viel Euphorie eingepreist ist. „So ist es wahrscheinlich, dass der nächste EMI schwächer reinkommt. Nichtsdestotrotz bleibt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Deutschland ein weiteres Jahr über Potenzial wächst. Die EZB bereitet zwar langsam den Einstieg in den Ausstieg der ultralockeren Geldpolitik vor; restriktiv wird sie aber noch lange nicht werden“, so Traud abschließend.
Nach Ansicht von Dr. Ulrich Kater, dem Chefvolkswirt der DekaBank, „geht die Party weiter“, denn die politischen Risiken hätten im Euroraum in den vergangenen Monaten deutlich abgenommen. Die Europäische Zentralbank plane nur einen sehr langsamen Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik; zudem sei der weltwirtschaftliche Rahmen laut Kater solide. Tatsache sei aber, dass der Bezug der Stimmungsindikatoren zur tatsächlichen Entwicklung verloren gegangen sei: „Schon im ersten Quartal war die Stimmung der Unternehmen im Vergleich zur tatsächlichen Entwicklung viel zu optimistisch. Diese Euphorie wird sich im weiteren Jahresverlauf korrigieren. Dann muss man sich davor hüten, diese Normalisierung gleich wieder als den Weg in die nächste Rezession zu interpretieren“, so Kater.
„Die Industriekonjunktur nimmt richtig Fahrt auf. Auch die Investitionstätigkeit kommt in Gang“, kommentiert DIHK-Konjunkturexperte Dr. Dirk Schlotböller die aktuellen EMI-Daten. Beim Export könne die deutsche Wirtschaft dank ihrer global breiten Aufstellung Rückschläge auf einzelnen Märkten kompensieren. „Insgesamt rechnen wir mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8 % in diesem Jahr. Den Einstellungsplänen der Betriebe könnte allerdings der Fachkräftemangel vielfach einen Strich durch die Rechnung machen“, so Schlotböller abschließend.
Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick
  • Industrieproduktion: Die Produktionssteigerungsrate schwächte sich im Berichtsmonat gegenüber Mai zwar marginal ab, blieb aber immer noch die zweithöchste seit April 2011. Seit 50 Monaten, und damit so lang wie nie zuvor in der bisherigen Umfragegeschichte, wird die Produktion nun bereits ununterbrochen ausgeweitet. Spitzenreiter in dieser Kategorie war diesmal der Investitionsgüterbereich.
  • Auftragseingang: Die Nachfrage zog im Juni zum sechsten Mal innerhalb der vergangenen sieben Monate an und sorgte dafür, dass das 31. Auftragsplus in Folge sowohl bei Global Playern als auch bei KMU so hoch ausfiel wie zuletzt im März 2011. Das Exportorderplus verringerte sich gegenüber dem Sieben-Jahreshoch von Mai nur leicht und war das dritthöchste seit über sechs Jahren. Aus Europa, den USA und Asien gingen laut EMI-Umfrageteilnehmern die meisten Neuaufträge ein, vor allem bei den Vorleistungsgüterherstellern.
  • Beschäftigung: Der 15. Jobaufbau in Folge fiel nur geringfügig schwächer aus als zum Sechs-Jahreshoch im Vormonat und war damit der zweitstärkste seit Mai 2011. Grund hierfür waren vor allem notwendige Kapazitätsausweitungen infolge der kräftigen Nachfrage.
  • Einkaufs-/Verkaufspreise: Der Anstieg der Einkaufspreise schwächte sich im Juni saldiert ab. Der entsprechende Teilindex landete auf dem tiefsten Wert seit November 2016, er notiert jedoch noch immer über seinem Langzeit-Durchschnittswert. Mit dazu beigetragen haben die hohen Rohstoffpreise und verbreitete Lieferschwierigkeiten. Wegen der anhaltenden Verteuerung einiger Rohstoffe beschleunigte sich der Anstieg der Verkaufspreise und fiel erst zum zweiten Mal so hoch aus wie zuletzt im Juli 2011. Seit zehn Monaten (und damit so lange wie seit über fünf Jahren nicht mehr) werden die Verkaufspreise nun bereits ununterbrochen angehoben. Am stärksten fiel die Erhöhung diesmal im Vorleistungsgüterbereich aus.
  • Jahresausblick: Wegen der guten Nachfrageperspektiven (besonders auch aus Asien und dem Nahen Osten) sowie einer weltweit florierenden Konjunktur verbesserten sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist zum fünften Mal innerhalb der vergangenen sieben Monate und fielen so optimistisch aus wie zuletzt im Januar 2014. Der entsprechende Teilindex notiert aktuell auf dem zweithöchsten Wert seit Beginn der Erhebung dieser Daten im Juli 2012. Die wenigen Stimmen, die eher mit einer Abkühlung rechnen, verwiesen auf Rohstoffverteuerungen, den Brexit und die Politik der USA und Türkei.
  • Über den EMI
  • Der IHS Markit/BME Einkaufsmanager Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Frankfurt. Er wird vom Anbieter von Unternehmens-, Finanz- und Wirtschaftsinformationen IHS Markit mit Hauptsitz in London erstellt und beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern/Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, und Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (Markit U.S.-PMI).
Frank Rösch ist Leiter Presse und Kommunikation beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME).
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