Wirtschaft

In der deutschen Industrie läuft es rund

Mit der deutschen Industrie geht es weiter ungebremst aufwärts. Foto: Siemens
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Die deutsche Industrie ist im Februar so stark gewachsen wie zuletzt im Mai 2011 – so signalisiert es der saisonbereinigte Markit/BME Einkaufsmanager Index (EMI), der seinen Höhenflug damit weiter fortsetzt.

Gegenüber dem Januar konnte der EMI um 0,4 Punkte auf 56,8 zulegen. Seit 27 Monaten verzeichnet die deutsche Industrie nun bereits ununterbrochen Wachstum – die längste Phase seit über achteinhalb Jahren. Diesmal trugen alle in die Berechnung des Hauptindexes einfließenden Unterindizes – Auftragseingang, Produktion, Beschäftigung, Lieferzeiten und Vormateriallager – zum Anstieg bei.

Weiter nach vorn – entgegen allen Widrigkeiten

„Trotz drohendem Brexit, anhaltender EU-Krise und einer weiter nur schwer einzuschätzenden US-Administration läuft der deutsche Konjunktur-Motor rund“, betont Dr. Silvius Grobosch, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) – die Industrie sei weiter intakt. „Das beweisen die aktuellen EMI-Daten. Besonders erfreulich sind die beschleunigten Zuwächse bei Produktion, Auftragseingang, Exportneugeschäft und Einkaufsmenge“, fügte Grobosch hinzu.
„Laut EMI läuft es richtig rund in der deutschen Industrie, von säkularer Stagnation kann keine Rede sein. Es stellt sich vielmehr die Frage, ob die stark gestiegenen Einkaufspreise nur auf einen Basiseffekt zurückzuführen oder vielmehr der Indikator für eine dauerhaft anziehende Inflation sind“, meint Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen. Von deflationären Tendenzen könne nach Ansicht der Helaba-Bankdirektorin aber auf keinem Fall mehr die Rede sein. Daher solle die EZB den Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik mit Anleihekäufen und negativen Zinsen vorbereiten.

Solides Wachstum für 2017 erwartet

Nach Ansicht von Dr. Ulrich Kater, dem Chefvolkswirt der Deka Bank, „kristallisiert sich langsam heraus, dass die politischen Bedrohungen der deutschen Konjunktur durch die neue US-Administration beherrschbar sind“. Wenn sich „uns jetzt nicht in Europa ein politischer Eisberg entgegenstellt, dann läuft die Konjunktur in diesem Jahr sehr solide und stetig weiter.“
„Das Jahr startet wirtschaftlich höchst erfreulich. Die aktuellen politischen Risiken schlagen sich bisher nicht in den Geschäften der deutschen Industrie nieder“, kommentiert DIHK-Konjunkturexperte Dr. Dirk Schlotböller die aktuellen EMI-Daten. Die Nachfrage aus dem Inland sei weiterhin hoch und das Ausfuhrgeschäft ziehe an. Dies deute darauf hin, dass sich der Welthandel trotz der hohen Unsicherheit, insbesondere mit Blick auf den wirtschaftspolitischen Kurs der US-Regierung und den Brexit, vorerst erhole. Die stärkere Weltkonjunktur gehe zwar mit steigenden Energie- und Rohstoffpreisen einher, höhere Materialkosten ließen sich in einem besseren konjunkturellen Umfeld aber auch leichter überwälzen. „Insgesamt rechnen wir in diesem Jahr mit einem Wachstum von 1,6 %“, prognostiziert Schlotböller.

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick

    • Industrieproduktion: Die 46. Produktionssteigerung in Folge fiel im Februar so kräftig aus wie zuletzt im Januar 2014. Ausschlaggebend hierfür waren laut Befragten neben den Auftragszuwächsen auch Produktneueinführungen, Neukunden und die jüngsten Kapazitätsausweitungen. Spitzenreiter in dieser Kategorie war der Investitionsgüterbereich.
    • Auftragseingang: Hier verbuchten sowohl Global Player als auch KMU das höchste Plus seit 37 Monaten. Seit Dezember 2014 notiert der Teilindex nun bereits über der neutralen 50er-Marke, in den vergangenen drei Monaten hatte er jeweils Mal zugelegt. Angezogen hat nicht nur die Binnennachfrage, sondern auch jene aus dem Ausland, allen voran aus Europa und Asien. Nachdem die Exportnachfrage im Schlussquartal 2016 leicht nachgelassen hatte, zog sie im Februar zum zweiten Mal in Folge an und fiel so kräftig aus wie zuletzt im Januar 2014. Stark gefragt waren die Industrieerzeugnisse diesmal in Europa und Asien, im Einzelnen besonders in Großbritannien und in China.
    • Beschäftigung: Der elfte Stellenaufbau in Folge fiel zwar etwas schwächer aus als noch zum 65-Monatshoch im Januar, er blieb wegen des starken Auftragseingangs und weiterer Expansionspläne jedoch ausgesprochen robust. Der entsprechende Teilindex notiert aktuell auf dem dritthöchsten Wert seit September 2011.
    • Einkaufs-/Verkaufspreise: Die Einkaufspreise legten so rasant zu wie seit dem Frühjahr 2011 nicht mehr – dies hauptsächlich wegen der Verteuerung von Metallen und mineralölbasierter Produkte. Seit seinem 79-Monatstief im Februar 2016 ist dieser Teilindex jeden Monat gestiegen (so lange wie nie zuvor seit Umfragebeginn im April 1996). Die Verkaufspreise wurden nicht nur zum sechsten Mal hintereinander angehoben, die Erhöhung fiel diesmal sogar so stark aus wie seit Juni 2011 nicht mehr. Gut 17 % der Unternehmen gaben an, vor allem die gestiegenen Rohstoffpreise an ihre Kunden weitergegeben zu haben.
    • Jahresausblick: Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist fielen zwar nicht mehr ganz so optimistisch aus wie zum Dreijahreshoch im Januar, der Index notiert aktuell jedoch noch immer auf dem zweithöchsten Wert seit Jahresbeginn 2014. Mit zum guten Ausblick beigetragen haben die Einführung neuer Produkte, die Erschließung neuer Märkte und der generelle Konjunkturaufschwung. Dieser (erstmals im Februar 2017 veröffentlichte) Wert spiegelt die Geschäftsaussichten der 500 EMI-Umfrage-Teilnehmer wider und wird alle vier Wochen aktualisiert.

Über den EMI

  • Der Markit/BME Einkaufsmanager Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) mit Sitz in Frankfurt. Er wird vom Anbieter für Unternehmens-, Finanz- und Wirtschaftsinformationen IHS Markit mit Hauptsitz in London erstellt und beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern sowie Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (Markit U.S.-PMI).
Frank Rösch ist Leiter Presse und Kommunikation beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME).
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