In eigener Sache

Industrie.de auf Erfolgskurs

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Neuer Look, frische Inhalte: Seit Oktober 2016 ist industrie.de in veränderter Gestalt online. Treibende Kraft hinter dem Auftritt ist Werner Götz, der auch wichtige Print-Publikationen aus dem Hause Konradin (Industrieanzeiger, Beschaffung Aktuell, Bild der Wissenschaft) verantwortet. Im Interview mit Heidrun Haug von der Agentur Storymaker gibt er Einblicke in den Status quo von industrie.de und wagt einen Ausblick auf die Zukunft.

Heidrun Haug ist Gründerin und Geschäftsführerin der Agentur Storymaker.

Heidrun Haug (HH): Konradin besitzt mit „industrie.de“ eine Top- URL, die bislang aber eher ein Schattendasein führte. Was wird getan, um daraus mehr Nutzen zu ziehen?
Werner Götz (WG): Schattendasein war früher. Seit Oktober 2016 ist der neue Auftritt unter industrie.de online. Der Verlag hat 2016 die gesamte Struktur der Websites der Industriegruppe komplett neu konzipiert und industrie.de nun als Dachmarke etabliert. Neben der neuen technischen Plattform, die auf WordPress basiert, haben sich auch die Inhalte auf industrie.de geändert. Die Website beinhaltet nicht mehr die Print-inhalte der Zeitschriften als Zweitverwertung, sondern bietet eigene Beiträge, die von einer eigenen Online-Redaktion kommen. Verknüpft wird industrie.de mit den Websites der Zeitschriften über wechselnde Schaufenster. Sie fassen thematisch passende Themen über die Zeitschriften hinweg zusammen. Natürlich dauert es eine Weile, bis Google die Inhalte und Seite entsprechend dem Stellenwert rankt; zumal mit den Inhalten bei null begonnen wurde. Dennoch haben wir nach gerade vier Wochen schon höhere Zugriffszahlen als zuvor bei der alten Seite. Auch ist die Verweildauer bei den Artikeln deutlich höher, die Absprungrate sehr stark gesunken. Das zeigt, dass wir mit der Qualität und den Inhalten auf dem richtigen Weg sind. Aber noch sind wir nicht bei den Zahlen, die wir erwarten. Dafür ist es noch zu früh.

Wo liegt künftig die Attraktivität für Leser und Kunden? Warum sollen Unternehmen bei industrie.de vertreten sein – und dafür bezahlen?
WG: Industrie.de hat eine klar definierte Zielgruppe mit den Themen Technik, Management und Karriere sowie den entsprechenden Inhalten. Wir sprechen gezielt Inhaber und Geschäftsführer sowie Personen mit kaufmännischer bzw. technische Leitungsfunktion in kleinen und mittleren Unternehmen an – außerdem die mittlere Führungsebene größerer Unternehmen. Hier finden die Entscheider wichtige Informationen und Inhalte, um ihr Unternehmen erfolgreich führen zu können: Um etwa rechtzeitig auf den Wandel der Industrie bei der Digitalisierung zu reagieren – Stichwort „Industrie 4.0“. Mit der Rubrik „Karriere“ sprechen wir zudem neben berufserfahrenen Menschen, die sich für Weiterbildungsthemen interessieren, auch Studenten der höheren Semester an – zur Nachwuchsgewinnung. Wobei die Themenbereiche nichts Starres sind, sie passen sich den Entwicklungen in der Industrie an; das eine oder andere kommt sicherlich noch hinzu. Regelmäßig angepasst und ausgebaut werden zum Beispiel schon die Top-Themen.
Redaktion ist immer kostenfrei, aber natürlich keine reine PR. Dafür muss bezahlt werden, wie etwa für Whitepapers, Displaywerbung, Leads, Native Advertisement etc. Der Werbetreibende erreicht mit industrie.de eine exakt definierte Zielgruppe auf einer Domain, die für sich selbst spricht. Industrie.de hatte bis dato schon immer eine sehr gute Sichtbarkeit bei Google – das werden wir auch weiter steigern. Zudem wird industrie.de im Zusammenspiel mit den einzelnen Websites der Zeitschriften kampagnenfähig sein.

Die Fachpresse wird immer stärker zur Marketingplattform. Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen „paid“ und „earned content“? Wo bleibt die unabhängige Berichterstattung?
WG: Den Leser interessiert erstmal weniger, ob Inhalte unabhängig von Redaktionen kommen oder von Firmen, wenn denn die Qualität stimmt – auch wenn das manche auf Seiten der Redaktionen nicht gern hören. Ausschlaggebend ist der Inhalt, der Wert der Information für den Leser. Wichtig ist jedoch, dass er erkennt, ob dafür Geld geflossen ist oder nicht – was auf industrie.de der Fall ist. Leider ist der Nutzer derzeit noch kaum bereit, für Informationen Geld zu bezahlen. Micropayment rechnet sich nicht wirklich. Für Abonnenten ließe sich ein zusätzlicher Bereich einrichten mit weiteren Inhalten und Dienstleistungen, das aber ist noch Zukunftsmusik.
Unabhängig bleibt die Redaktion insofern, als dass es keine Rolle spielt, ob ein Beitrag etwa von einem Kunden oder Nichtkunden angeboten wird. Der Inhalt, die Information entscheidet, ob der Beitrag redaktionell verwendet wird oder nicht. Zudem werden Inhalte auch exklusiv erstellt. Dem Werbetreibenden bringt es nichts, wenn die Seite von der anvisierten Zielgruppe mangels Qualität nicht genutzt wird. Klicks sind das eine, die kann man auch billig kaufen – wirklich wertvoll sind die richtigen Klicks. Masse allein macht noch lange keinen Umsatz.

Wie sehen sie die Zukunft der Fachverlage? Gilt künftig: Nur wer zahlt, ist einer redaktionellen Betrachtung wert?
WG: Definitiv nein – jede Redaktion muss auch in Zukunft dem Leser verpflichtet bleiben. Ob etwas veröffentlicht wird, entscheidet wie gesagt der Inhalt. Ohne Qualität springt der Leser ab, dann haben auch die Werbetreibenden nichts davon. Klar ist aber auch: Keine Zeitschrift kann von den Abos allein leben. Deswegen ist eine enge Zusammenarbeit mit werbenden Firmen ebenso wichtig, das geht fair und auf Augenhöhe, ohne in Hofberichterstattung abzugleiten. Das ist manchmal auch eine Gratwanderung.

Wie sehen Sie als Medienvertreter die Rolle einer Agentur wie Storymaker? Welche Anforderungen haben Sie?
WG: Eine Agentur kann Redaktionen entlasten, kann gute und informative Inhalte und Beiträge zuliefern. Sie ist auch immer wieder Vermittler zu interessanten Unternehmen bzw. Themen – und damit geschätzter Partner. Agenturen müssen sich aber auch darüber klar sein, dass, ich sage mal, primitive PR keinen Anklang und auch keine Veröffentlichung findet. Inhaltlich und qualitativ gelten für Agentur-Beiträge die gleichen Regeln wie für redaktionell erstellte. Agenturen stehen zudem nicht selten zwischen ihrem Kunden und den Redaktionen, dessen müssen sie sich bewusst sein. Das ist nicht immer einfach – können die Interessen zwischen Auftraggeber und Redaktion doch schon mal differieren.

Wichtig ist auch: Agenturen, die ausschließlich auf der PR-Seite agieren und mit Argumenten wie: „Sparen Sie sich die Werbung, wir sorgen für billigere, aber wertvollere PR!“ auf die Kunden zugehen, in Redaktionen keinen Abnehmer für ihre Beiträge finden. Das bekommen wir auch mit; solche Fälle sind allerdings recht selten – Storymaker gehört definitiv nicht dazu.

Der Markt der Fachzeitschriften ist heiß umkämpft. Wie entwickelt sich der Geschäftsbereich Industrie bei Konradin?
WG: Wir können 2016 Steigerungsraten vorweisen – auch im klassischen Print-Bereich. Natürlich wächst Online schneller, aber von einer deutlich geringeren Basis aus. In einzelnen Bereich legt der Print-Bereich sogar zweistellig zu. Eine zunehmend wichtige Rolle spielen zudem Events, die wir alleine stemmen oder zusammen mit industriellen Partnern.

Was sind die großen Projekte bei Konradin in 2017?
WG: Für mich heißt es erst einmal, die neuen Webseiten und industrie.de weiter zu entwickeln und noch besser zu etablieren. Im Online-Bereich ist Konsolidierung angesagt.

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