Betriebliche Sicherheit: Private Elektrogeräte und Brandrisiken am Arbeitsplatz - Industrie.de

Betriebliche Sicherheit

Private Elektrogeräte und Brandrisiken am Arbeitsplatz

Im Betreib genutzte, von Mitarbeitern mitgebrachte Elektrogeräte sind immer wieder der Auslöser von Bränden. Foto: david@engel.ac / fotolia.
Anzeige
Frischer Kaffee und warme Mahlzeiten am Arbeitsplatz? Gerne – doch Vorsicht! Privat besorgte Kaffeemaschinen, Wasserkocher und Mikrowellen können, wenn sie etwa unachtsam neben Papier und Pappe in einem Holzregal abgestellt werden, ein massives Brandrisiko darstellen.
Feuer in einem niedersächsischen Industriebetrieb: Die technische und kaufmännische Einrichtung und die Vorräte in den angrenzenden Lagerbereichen werden durch den Brand stark beschädigt. Schadenhöhe: 3,7 Millionen Euro. Brandursache: Eine private Kaffeemaschine überhitzte und entzündete sich.
Ortswechsel. In einem bayerischen Softwareunternehmen werden Büros und der zentrale Rechnerraum durch Rauch und Ruß erheblich in Mitleidenschaft gezogen – ausgelöst durch einen Schwelbrand. Schadenhöhe: 200.000 Euro für die Wiederbeschaffung der technischen Geräte und die Sanierung der Räume. Brandursache hier: In einem der Büros wurde ein Heizlüfter betrieben, der sich durch einen technischen Defekt entzündet hat.
Haushaltsgeräte im Betrieb bergen Gefahren
Frischer Kaffee zur morgendlichen Stärkung, Radiomusik, kalte Getränke für zwischendurch oder Warmluft am Arbeitsplatz: kleine Annehmlichkeiten, die für viele selbstverständlich sind. Gleiches gilt auch für warme Mahlzeiten und Getränke, die mit Kochplatten, Mikrowellen und Wasserkochern im Betrieb zubereitet werden. Darauf will keiner verzichten. Gibt es aber keine entsprechenden betrieblichen Einrichtungen, helfen sich viele Mitarbeiter selbst. Und genau dies führt oft zu Problemen. Alte, teils beschädigte Elektrogeräte werden dann ins Unternehmen gebracht, die zu Hause längst durch neue ersetzt wurden. Nicht für den Dauerbetrieb geeignet und oft ohne TÜV/GS-Prüfzeichen, werden die Geräte am nächstbesten Platz in Betrieb genommen und erhöhen die betrieblichen Brandgefahren dann erheblich.
Kurzschlüsse sind Hauptursache für Brände
„Da die Betriebsleitung zumeist keine Kenntnis von der Existenz dieser Geräte hat und sich auch kein Mitarbeiter dafür verantwortlich fühlt, unterbleibt oft die erforderliche Kontrolle“, erklärt Dr. Jörg Ohlsen, Leiter Risk Consulting bei der Versicherung HDI. Denn im Rahmen von Betriebsbesichtigungen stoßen seine Mitarbeiter immer wieder auf private Elektrogeräte.
In welchem Ausmaß diese Geräte für betriebliche Brandschäden verantwortlich sind, lässt sich nicht genau beziffern. Aus der Schadenstatistik der Sachversicherer geht jedoch hervor, dass bei fast einem Drittel aller Brandschäden die Brandursache im Bereich der Elektrizität zu suchen ist. „Elektrizität liegt auf Platz eins der Brandursachen in Deutschland“, ergänzt Frank Manekeller, Leiter des Bereichs Haftpflicht-, Unfall-, Sach-Schaden bei der HDI. Und ein erheblicher Teil davon geht auf Kosten von defekten oder falsch genutzten elektrischen Kleingeräten.
Die Brandausbrüche werden vor allem durch eine Reihe von Randbedingungen verursacht und/oder begünstigt:
  • Die Wärmeabfuhr der Elektrogeräte wird behindert, weil diese zugestellt oder eingebaut werden.
  • Gerätebauteile wie etwa Temperaturbegrenzer fallen aus. Andere Bauteile können dadurch mit erhöhten elektrischen Strömen belastet und überhitzt werden.
  • Die Geräte werden nicht fachgerecht repariert.
  • Die Elektrogeräte werden auf bzw. zu nah an brennbare Materialien gestellt.
  • Die Wartung der Geräte unterbleibt oder wird nur mangelhaft ausgeführt.
  • Der Dauerbetrieb von Elektrogeräten führt zu einer übermäßigen Beanspruchung im rauen Betriebsalltag.
Arbeitgeber hat Prüfpflicht
„Wir empfehlen Unternehmen häufig, die Aufstellung und Nutzung privater Elektrogeräte im Betrieb zu untersagen“, so Sicherheitstechnik-Experte Ohlsen. Dieser Schritt ist sowohl aus sicherheitstechnischer als auch aus betrieblich-organisatorischer Sicht meist zu empfehlen und gilt gleichermaßen für den Fertigungs-, Lager- und Verwaltungsbereich. Gleichzeitig erfordert dies jedoch Ersatzmaßnahmen auf Seiten des Unternehmens.
Viele Unternehmen richten in einem separaten oder zumindest abgeteilten Raum eine „Teeküche“ ein, in der Mitarbeiter Speisen und Getränke aufbereiten und mitunter auch verzehren können – mit Geräten, die für den gewerblichen Dauerbetrieb geeignet sind. Zusätzlich oder ergänzend werden häufig gemietete oder geleaste Getränkeautomaten aufgestellt, die üblicherweise in regelmäßigen Abständen gewartet und bei Bedarf ersetzt werden. Entsprechende Kontrollen lassen sich per Wartungsvertrag mit dem Hersteller oder Leasinggeber regeln.
Wer dennoch den Einsatz privater Elektrogeräte zulässt, muss mit einem erheblichen organisatorischen Aufwand rechnen. Denn der Arbeitgeber ist über das Arbeitssicherheitsgesetz verpflichtet, auch private Elektrogeräte im Unternehmen zu prüfen. Die Mitarbeiter müssen daher verpflichtet werden, alle Geräte anzumelden. Nur so kann eine Elektrofachkraft deren Funktionsfähigkeit bereits vor dem Aufstellen überprüfen. Durch eine Prüfplakette wird dies dann auch nach außen hin kenntlich gemacht. Zudem ist es erforderlich, ein Bestandsverzeichnis zu führen, in dem alle bereits eingesetzten und neu hinzukommenden Elektrogeräte aufgelistet werden, eingeteilt nach Produktarten, Einsatzbereichen und Prüfterminen. Dies ist auch im Hinblick auf künftige Prüfungen geboten.
Geräte richtig platzieren
Außerdem sollten dann Mitarbeiter in den betreffenden Arbeitsbereichen benannt werden, die für eine ordnungsgemäße Nutzung der Elektrogeräte verantwortlich sind. Dabei sind vor allem folgende Risikofelder zu beachten:
  • Nach Gebrauch – spätestens jedoch zum Feierabend – müssen die Elektrogeräte vom Netz genommen werden. Alternativ können die betreffenden Stromkreise auch über eine Zeitschaltuhr abgeschaltet werden.
  • Die Elektrogeräte dürfen nicht auf brennbare Unterlagen gestellt werden.
  • Die Elektrogeräte müssen mindestens einen, besser zweieinhalb Meter entfernt von brennbaren Materialien wie Holz, Pappe und Papier aufgestellt werden.
  • Lüftungsgitter, zum Beispiel beim Kühlschrank, dürfen nicht abgedeckt werden. Zu allen Seiten muss ein Freiraum von 10 bis 20 Zentimetern sichergestellt werden, um einen Wärmestau zu verhindern.
  • Aufstellungsorte sollten mit automatischen Rauch-/Brandmeldern überwacht werden.
„In keinem Fall sollten private Elektrogeräte in Lagerbereichen oder EDV-Räumen betrieben werden“, betont Schadensexperte Manekeller. Denn ein Brandausbruch in diesen sensiblen Bereichen zieht häufig besonders schwere Folgen für den gesamten Geschäftsbetrieb nach sich. Besonders kritisch sind auch Räume, in denen sich für längere Zeiten keine oder nur wenige Personen aufhalten. Dort können sich Brände unbemerkt ausbreiten.
Autor: Martin Schrader ist für die Kommunikationsabteilung der Versicherungsgesellschaft HDI Global S.E. tätig.
Anzeige

Konradin Industrie

Webinare & Webcasts

Technisches Wissen aus erster Hand

Whitepaper

Aktuelle Whitepaper aus der Industrie

Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de