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Deloitte Sustainability Survey: Nachhaltigkeit in der Automobilbranche wird wichtiger

Deloitte Sustainability Survey
Nachhaltigkeit in der Automobilbranche gewinnt an Bedeutung

Deloitte Sustainability Studie Nachhaltigkeit
In der „Sustainability Survey“ hat Deloitte deutsche Automobilmanager gefragt, wie Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen gelebt wird.
Bild: Pasko Maksim/stock. adobe.com

Die regulatorischen Anforderungen zwingen die Automobilbranche, ihren CO2-Ausstoß zunehmend zu reduzieren. Nur so kann sie ihren Anteil an der Bekämpfung des Klimawandels leisten. Ein wichtiger Hebel dabei ist – neben entsprechenden Produkten – die Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien. Im Mai hat Deloitte in seiner  „Sustainability Survey“ deutsche Automobilmanager gefragt, wie Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen gelebt wird.

Das Thema hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, zeigen die Ergebnisse der Studie. 93 Prozent der befragten Führungskräfte stimmen hier zu.

Deloitte stellt aber auch fest, dass es gibt noch viel Luft nach oben gibt, denn: Nur neun Prozent der Interviewten geben an, dass die Nachhaltigkeitsinitiativen ihres Unternehmens gleichermaßen ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen. Ein Großteil fokussiert sich derzeit vorwiegend auf einen Bereich (ökologisch: 24 Prozent, sozial: 18 Prozent, wirtschaftlich: 18 Prozent).

Harald Proff: Nachhaltigkeit muss ins Kerngeschäft integriert werden

„Um regulatorischen Vorgaben und den Anforderungen des Kapitalmarktes zu genügen, muss Nachhaltigkeit ins Kerngeschäft und in alle wesentlichen Prozesse integriert werden. Dazu ist es notwendig, ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategien zu fahren“, empfiehlt Harald Proff, Partner und Leiter Automobilindustrie bei Deloitte.

Im Fokus der Politik seien bislang Umweltaspekte gestanden, immerhin ist der Straßenverkehr für zehn Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. „Jetzt rücken soziale und wirtschaftliche Aspekte nach“, beobachtet Proff. Dies begründet er mit dem Lieferkettengesetz, das ab 2023 für deutsche Unternehmen ab einer Größe von 3.000 Mitarbeitern verpflichtend ist. Hier sind die Unternehmen angehalten, Menschenrechtsverletzungen bei ihren Lieferanten und Dienstleistern zu ahnden. Proff: „Das bedeutet, dass die Automobilunternehmen jetzt handeln müssen.“

Es klafft eine Lücke zwischen Kommunikation und Umsetzung

Mehr als die Hälfte der befragten Manager stimmt der Aussage zu, dass zwischen der Kommunikation über nachhaltiges Wirtschaften und der reellen Umsetzung eine Lücke klafft. Die Gründe lägen hier vorwiegend im Finanziellen:

  • 39 Prozent halten höhere Preise für nachhaltigere Fahrzeuge sowie Fahrzeugteile und -komponenten für nicht durchsetzbar
  • 38 Prozent geben an, dass ihrem Unternehmen bedingt durch die Corona-Pandemie finanzielle Ressourcen fehlen
  • 30 Prozent sagen, dass eine nicht nachhaltige Produktion und nicht nachhaltige Materialien schwer anzupassen bzw. zu ersetzen sind

Die Herausforderungen für Automobilindustrie sind enorm

Die Automobilbranche steht vor einem Zwiespalt: „Die Klimaschutzpolitik zwingt die Unternehmen, langfristig auf nachhaltige Produkte umzustellen. Jedoch werden gerade Rohstoffe wie Lithium und Kobalt, welche für Elektromotoren genutzt werden und derzeit noch nicht anderweitig ersetzt werden können, mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht“, fasst Dr. Harald Proff das Dilemma zusammen.

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Der Deloitte-Experte empfiehlt den Unternehmen, ihre Lieferketten zu durchleuchten, um solche Risiken zu identifizieren. Auch ein systematischer Forschungsansatz könne Risiken minimieren. Dieser sollte „neben dem Einsatz nachhaltiger Ressourcen mittel- bis langfristig auch weitere Antriebsformen wie zum Beispiel die Brennstoffzelle oder synthetische Kraftstoffe berücksichtigen“, so Proff.

Immer mehr Städte und Länder kündigen regulatorischen Beschränkungen an. Laut Sustainability Survey sind sich die Automobilunternehmen dieser Tatsache bewusst: 26 Prozent der Befragten sehen diese auch als wesentlichen Treiber für Nachhaltigkeitsinitiativen im eigenen Unternehmen an.

Jeweils 42 Prozent nennen das Gewinnen neuer Märkte und neuer Marktanteile sowie die Kundennachfrage als wesentliche Beweggründe.

Die wichtigsten Beiträge der Automobilbranche zu mehr Nachhaltigkeit sehen die befragten Führungskräfte in der Effizienz von Ressourcen (60 Prozent), der Kreislaufwirtschaft (59 Prozent) sowie Elektrofahrzeugen (51 Prozent).

Extremwetterereignisse gefährden Lieferketten

Für die Automobilindustrie ist es aus finanzieller Sicht wichtig, die Weichen auf Nachhaltigkeit zu stellen: „Das Recycling von Rohstoffen reduziert nicht nur Treibhausgasemissionen, sondern mittel- bis langfristig auch potenzielle Lieferengpässe. Die deutsche Automobilindustrie ist stark von weltweiten Importen abhängig und in dieser Hinsicht sehr sensibel“, stellt Proff fest. „Der Klimawandel führt zudem nachweislich zu mehr Extremwetterereignissen, die sich auf die Lieferketten negativ auswirken und die Automobilindustrie Milliarden kosten können.“

Für den Sustainability Survey befragte Deloitte 192 Führungskräfte aus der in Deutschland ansässigen Automobilbranche. Die Teilnehmer arbeiten bei Herstellern sowie Zulieferern, die mehr als 100 Mitarbeiter haben. (wag)


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