Elektromobilität

Bis 2025 soll es 333 E-Modelle auf dem Markt geben

Elektroauto wird mit Strom aufgeladen
Bild: elektronik-zeit / fotolia.com
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Der Elektro-Antrieb kommt langsam aber sicher aus der Nische und mutiert zum Trendsetter. Die Technik wird immer alltagstauglicher, zudem könnten E-Autos bald rentabel sein.

Eine Studie des von der EU-Kommission unterstützten Umweltverbands Transport & Environment hat sich den Markt für Elektroautos genauer angesehen: Ende 2018 standen in Europa 60 Modelle mit elektrischem Antrieb (inklusive Plug-in-Hybride und Brennstoffzellen) auf dem Markt. Summiert man die Ankündigungen der Hersteller, sollen es Ende 2020 schon 176 sein, ein Jahr später dann 214 und bis 2025 rechne man mit 333 Fahrzeugtypen. Das sei laut der Studie kein Zufall, denn 2020/21 müssen alle Hersteller ihre Flotten in der EU auf einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 95 g/km drücken. Um auch weiterhin SUVs, Limousinen und Sportwagen mit großen Motoren verkaufen zu können, brauchen die Autobauer einen Gegenpol: Die E-Autos dürfen sie mit 0 g/km kalkulieren. Dass das hinsichtlich energiehungriger Batterieproduktion und dem deutschen Strommix mit nicht unerheblichem Fossilanteil ungerechtfertigt ist, führen Kritiker immer wieder an, gleichzeitig fördert gerade diese Praxis aber den Aufstieg der E-Mobilität.

Reinrassige E-Autos

Inzwischen werden immer mehr Fahrzeuge komplett auf den elektrischen Antrieb hin entwickelt, bisher waren die Stromer meist noch verkappte Verbrenner: Auch der Audi E-Tron basiert auf dem Q5 mit längerem Radstand, wie er vor allem in China nachgefragt wird. Der E-Golf spricht für sich, Volkswagen will aber mit der ID-Familie ab 2020 neue Wege ohne Verbrennerwurzeln gehen, 150.000 Einheiten sollen im ersten Jahr von den Händlerhöfen rollen. Ab 2025 wollen die Wolfsburger jährlich eine Million MEB-Autos verkaufen und daraus ein Viertel ihres Umsatzes generieren. Später sollen auch ein an den legendären Bully angelehnter Van folgen, genannt ID.Buzz, daneben existieren bereits entsprechende geländegängige Concept-Cars. Wie schon bei anderen Fahrzeugen setzt man dabei auf einen Baukasten zur Elektrifizierung, MEB genannt. Das Modell ID.3 ist das erste daraus in Serie gehende Auto: Reichweite bis 550 km und nicht teurer als ein Golf Diesel verspricht der Konzern.

Aktuelle E-Autos sind oft nicht rentabel

Kaufpreis und Reichweite sind zwei der Hauptargumente, mit denen man endgültig auf den breiten Massenmarkt landen will. Denn aktuelle E-Modelle sind rechnerisch oft nicht rentabel. Da Elektroautos jedoch durch weniger bewegliche Teile einfacher und günstiger zu bauen sind, kommen die höheren Kosten aktuell aus der geringen Losgröße – noch. Sobald die Stückzahlen steigen, dürften die Kosten aber sinken, der ID.3 soll das bereits beweisen. Außerdem wird künftig die teure Batterie auch von Recyclingmaterial profitieren, aktuell wird hier komplett auf Rohstoffen der Minen gesetzt, da bisher kaum Zellen im Kreislauf gelandet sind. Und bevor diese wirklich recycelt werden, starten sie erst einmal eine zweite Karriere in den Kellern von Solaranlagenbetreibern.

Diese erfreuen sich ebenfalls steigender Beliebtheit: Auch wenn der Ausbau seinen Höhepunkt vor einigen Jahren hatte, wuchs die Photovoltaikfläche hierzulande auch zwischen 2017 und 2018 um 16 Prozent – auch deshalb, weil die Preise für Module aus Asien inzwischen rapide gesunken sind. Im Juni 2019 wurde erstmals mehr Strom aus der Sonne als aus Braunkohle erzeugt, auf Platz drei lag der Wind. Das mag ein Extrembeispiel sein, da sehr starke Einstrahlung einer gleichzeitig hohen Abschaltung der Kohlenmeiler wegen Wartung oder reduziertem Betrieb – etwa wegen der Proteste im Hambacher Forst – gegenüberstand. Aber es verdeutlicht, dass auch die Solarenergie keine winzige Nische mehr ist. Was sie aber braucht, sind lokale Speicher, möglichst nahe an den Paneelen. Die Elektromobilität liefert genau das: Entweder werden Fahrzeuge direkt während der Arbeitszeit geladen, oder es wird Zuhause in den schon erwähnten Speichern gepuffert.

Dienstwagen sollen weiter elektrifiziert werden

Um die E-Mobilität weiter voranzubringen, wird gefördert, vor allem die Dienstwagen sollen stärker elektrifiziert werden: Die Kaufprämie wurde bis Ende 2020 verlängert, für elektrische Lieferfahrzeuge gibt es eine 50-Prozent-Sonderabschreibung. Die Regelung zum geldwerten Vorteil bei Ladestrom am Arbeitsplatz wurde zudem bis 2030 verlängert. Der Bund beschloss zudem kürzlich eine 500 Millionen Euro schwere Forschungsfabrik für Batterietechnik in Münster. Dort soll von der Produktion einzelner Komponenten bis zum Recycling geforscht werden. Kritik für die Standortwahl in NRW kam aus den leer ausgegangenen neuen Bundesländern und aus dem Süden: Bayern und Baden-Württemberg sehen sich als Automobil-Länder prädestiniert und wollen nun ein ähnliches Konzept aufstellen.

Experten sehen für Neueinsteiger durch die große asiatischen Konkurrenten aber kaum Chancen, in der aktuellen Lithium-basierten Technik noch wettbewerbsfähig werden zu können, auch weil die Produktion nur einen Bruchteil der Wertschöpfung ausmache. Der Löwenanteil fällt auf die Materialien, hier ist man etwa bei BASF schon aktiv. Die Grundlage der europäischen Zukunftsfähigkeit sollte in den Forschungszentren daher schon auf die Nachfolgetechnologien wie etwa die Feststoffzelle und deren Bestandteile gelegt werden.

Der Autor Tobias Meyer ist freier Reporter bei Nürnberg

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