Lebensmittelindustrie

Digitaler Zwilling und Blockchain für den Fisch

Fischfarm
Fischfarmen auf offenem Meer. Foto: Schlierner / fotolia.com
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Eine Blockchain-Lösung auf Basis der SAP Cloud Platform sorgt für mehr Transparenz bei der Herkunft von Lachs: Jeder Fisch – ob Wild- oder Zuchtlachs – wird eindeutig über einen digitalen Zwilling in der Lieferkette identifiziert.

Laut dem norwegischen Statistikamt werden mit Atlantischem Lachs jedes Jahr mehr als sieben Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Das skandinavische Land mit seinen rund fünf Millionen Einwohnern erzeugt laut seafish.org 59 Prozent der weltweit angebotenen Menge von Zuchtlachs. Chile kommt dagegen nur auf 19 Prozent. Elf der 20 größten Lachsproduzenten haben ihren Firmensitz in Norwegen.

Norweger sind verärgert darüber, wenn jemand norwegischen Lachs verkauft, der gar nicht aus Norwegen kommt, oder wenn Zuchtlachs als Wildlachs verkauft. Falsch etikettierter Fisch ist zu einem weltweiten Problem geworden. Studien zeigen, dass mehr als 20 Prozent des angebotenen Fischs falsch deklariert sind. Häufig handelt es sich dabei nur um eine minderwertige und billigere Alternative, die nicht so gesund ist oder für den Verzehr sogar ungeeignet ist.

Genau dieses Problem möchte EY Skye, ein in Norwegen ansässiger SAP-Partner, beheben. Das Unternehmen hat eine Blockchain-Lösung auf der SAP Cloud Platform entwickelt, mit der der Kunde genau den Fisch bekommt, den er haben möchte. Die Lösung verfolgt jeden Fisch in seiner Lieferkette und erstellt jeweils einen digitalen Zwilling. Diese Informationen stärken das Vertrauen von Lachsproduzenten, Händlern, Restaurants und Verbrauchern in das Produkt.

„Es ist wichtig, dass norwegischer Lachs – und alle essbaren Meerestiere – von der Erzeugung bis zum Verbraucher zurückverfolgt werden kann“, sagt Lars Torp, Partner bei EY Skye. „Großhändler, Restaurants, Märkte und natürlich Kunden müssen in der Lage sein, jeden einzelnen Fisch entlang der Wertschöpfungskette zurückzuverfolgen.“ Wenn Kunden glaubten, dass sie getäuscht werden, würden sie keinen Fisch mehr kaufen.

Transparenz über Blockchain erhöht Verbrauchervertrauen

Die Lösung von EY Skye ist auch auf ein anderes großes Problem ausgerichtet: Zuchtlachs ist besonders gefährdet, wenn ein Toxin oder Gift in die Umwelt gelangt. Eine Ladung schlechter Fisch kann katastrophale Folgen für ein Unternehmen haben. Vor allem, wenn der Lieferant nicht genau feststellen kann, welcher Fisch wo kontaminiert wurde. „Es kann sein, dass der gesamte Fisch vernichtet werden muss, ohne genau zu wissen, wo das Problem entstanden ist. Wenn die Risiken nicht minimiert werden, kann das also zu großen Schwierigkeiten führen“, sagt Josef Nalbant, Channel-Manager in Norwegen für die SAP. „EY Skye kann Kunden helfen, die betroffene Ladung exakt zu ermitteln und schneller Rückmeldung entlang der Lieferkette zu geben.“

Im Rahmen der Lösung entwickelte EY Skye eine mobile Anwendung, mit der Verbraucher ihren Fisch auf einer Skala von eins bis fünf bewerten können. „So wie bei Uber“, meint Torp. Diese Daten können über eine offene, öffentliche Blockchain bereitgestellt werden, so das Unternehmen. Lieferanten würde die Möglichkeit geboten, darauf zuzugreifen und anschließend notwendige Maßnahmen zu ergreifen, um so die Kundenzufriedenheit zu erhöhen. „Je mehr Partner an der Lieferkette beteiligt sind, desto besser“, sagt Torp. „Andere Lösungen halten ihre Daten in Silos, ohne dass ein Informationsaustausch stattfindet. Wir halten es für wichtig, dass die Daten gemeinsam genutzt werden können, um die Unversehrtheit der Meerestiere entlang der Lieferkette sicherzustellen.“

Wenn aus dem Fischlaich Fische werden oder die Fische filetiert werden, werde dies in einer Blockchain festgehalten. „Auch wenn der Fisch in einem anderen Produkt, wie zum Beispiel einer Soße, weiterbesteht, wird ein neuer digitaler Zwilling erstellt“, erläutert Torp. Manche Restaurants haben kleine Lösungen eingeführt, mit denen Kunden einen QR-Code auf der Speisekarte einscannen können, um mehr Informationen über den Fisch zu erhalten. Dies zeige laut Torp, dass sich Gastronomen und Verbraucher für das Thema interessieren. „Diese Lösungen werde eher zu Werbezwecken eingesetzt. Wenn aber ein Kunde weiß, dass es diese Technologie gibt, wird er weitere Informationen verlangen“, sagt er. „Deshalb konzentrieren wir uns auch auf eine Verbraucher-App. Wenn der Druck vonseiten der Verbraucher zunimmt, diese Technologie einzuführen, werden Unternehmen eher handeln.“

Digitale Lieferkette in der Cloud

Mit zukünftigen Komponenten der Lösung sei es möglich, Temperaturdaten in die Lieferkette aufzunehmen, sodass alle Beteiligten sehen können, dass der Fisch richtig gelagert wird. „Wenn man mit dem Flugzeug Fisch von China nach Japan transportiert, weiß man, dass für den Acht-Stunden-Flug soundso viel Kilogramm Eis benötigt werden. Was aber, wenn sich das Flugzeug verspätet? Was ist dann?“, fragt sich Torp und gibt sogleich eine Antwort darauf: „Mit der Blockchain besteht hier die Möglichkeit, vieles zu verbessern.“

Aber auch Innovationen in der Palettentechnik – wie Sensoren in Kunststoffpaletten – können dazu beitragen, dass Lösungen wie von EY Skye stärker zum Einsatz kommen. „Das funktioniert mit jeder Art von Lieferkette: ob für Nahrungsmittel, Medizin oder Handys. Überall da, wo für den Transport und die Haltbarkeit des Produkts auf die Temperatur geachtet werden muss. Hier werden viele Chancen noch nicht genutzt“, sagt Torp.

EY Skye habe sich zunächst für die Fischindustrie entschieden, da sie bei der Einführung digitaler Lösungen noch nicht sehr weit entwickelt sei, so Torp. „Es handelt sich um eine riesige Industrie, die sehr an Technologien interessiert ist, die helfen, das Vertrauen von Unternehmen und Kunden in das Endprodukt zu stärken.“ (wag)

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