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Welche Krankenhäuser braucht der Freistaat?

Zwischen Investition und Schließung
Welche Krankenhäuser braucht der Freistaat?

Die Situation im deutschen Gesundheitswesen ist angespannt. Kostendruck, Personalmangel in den medizinisch-pflegerischen Berufen und die Diskussion um Über- beziehungsweise Unterversorgung in Metropolen und der Fläche dominieren den Diskurs auch in Bayern. Bild: Krankenhaus Schwabing
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Wie viele Krankenhäuser braucht es für eine ausreichende und flächendeckende Versorgung bei gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit der Einrichtungen? In Bayern schreibt jede zweite Klinik dieses Jahr rote Zahlen. Dabei setzt sich der Koalitionsvertrag der neuen bayerischen Landesregierung zum Ziel, durch hohe Investitionen eine flächendeckende und wohnortnahe Gesundheitsversorgung zu gewährleisten. Bestehende Krankenhausstrukturen sollen weitestgehend erhalten bleiben. Darüber hinaus sollen die Träger bei Umstrukturierungen und der Entwicklung passender Nutzungskonzepte für jeden Standort unterstützt werden. Wie eine Optimierungsstrategie aussehen kann, zeigt der aktuelle Deloitte-Report „Regionale Gesundheitsversorgung – Teil I: Bayern“.

„Die Situation im deutschen Gesundheitswesen ist angespannt. Kostendruck, Personalmangel in den medizinisch-pflegerischen Berufen und die Diskussion um Über- beziehungsweise Unterversorgung in Metropolen und der Fläche dominieren den Diskurs auch in Bayern. Wir wollen mit unserer Studie einen Beitrag zur Objektivierung der aktuellen Diskussion leisten sowie Lösungsansätze für die Gestaltung der künftigen Krankenhausstrukturen in Bayern aufzeigen“, erklärt Alexander Morton, Partner Health Care bei Deloitte.

Effizienter Einsatz von Gesundheitsausgaben im Freistaat

Das vergleichsweise eher dünn besiedelte Bayern weist – im Gegensatz zum Bundestrend – eine wachsende Bevölkerungszahl (plus 3,9 Prozent) auf. Die Gesundheitsausgaben liegen mit 4.024 Euro pro Kopf und Jahr knapp unter Bundesdurchschnitt und im internationalen Vergleich über Großbritannien (3.206 Euro), aber deutlich unter den USA (8.850 Euro) oder dem vielzitierten Dänemark (5.000 Euro), das sein Gesundheitswesen aktuell stark transformiert. In einem Drittel des Freistaats liegt die Bevölkerungsdichte nur zwischen 67 und 106 Einwohnern pro Quadratkilometer. Dennoch ist es einem Großteil der Bayern möglich, im Mittel innerhalb von 20-25 Minuten Autofahrt ein Krankenhaus zu erreichen.

Kleinere Krankenhäuser unter größerem Druck – hoher Investitionsbedarf bei großen Häusern
Die Entwicklung seit 2007 lässt erkennen, dass die Dichte der Krankenhäuser in Bayern insgesamt kontinuierlich zurückgeht – in jedem Fall die derjenigen mit öffentlicher bzw. freigemeinnütziger Trägerschaft. Vor allem kleinere Häuser werden insgesamt weniger. Während gerade an dieser Stelle häufige Unwirtschaftlichkeit unterstellt wird, zeigt sich, dass Größe und ländliche Lage keine Indikatoren für Effizienz sind. Die EBITDA-Margen kleinerer Häuser (2,1 Prozent) liegen keineswegs unter denjenigen der großen, urbanen Kliniken (1,9 Prozent). Eins steht jedoch für alle bayerischen Krankenhäuser fest: mit den ausgewiesenen Gewinnkennzahlen werden sie aus eigener Kraft nur schwer ihren notwendigen Innovations- und Investitionsbedarf finanzieren können.

Keine Förderung nach dem Gießkannenprinzip

Wie soll man also vorgehen: Ist Clustering, Konsolidierung, Umstrukturierung oder gar Schließung bestimmter Krankenhäuser die Lösung? Als Beispiel wird in diesem Zusammenhang auch immer wieder Dänemark genannt, welches das Gesundheitswesen durch sogenannte Supra-Krankenhäuser zu transformieren gedenkt. In Bayern würde dies – bei Anwendung eines analogen Quotienten – jedoch eine Reduzierung von rund 240 Akuthäusern auf 50 Standorte bedeuten, worunter die Versorgung sicherlich leiden würde. Deshalb ist beim Thema Gesundheit von einer Förderung oder Schließung nach einem Pauschalprinzip und der reinen Orientierung am Effizienzgrad generell abzuraten.

Regionale Versorgungsnetzwerke

Die digitale Technologie kann sich bei der Optimierung der bestehenden Strukturen als entscheidender Enabler erweisen. Die Vernetzung von Krankenhäusern aller Versorgungsstufen inklusive Rehakliniken und ambulanten Zentren zu kompletten Versorgungsnetzwerken kann Synergien erschließen – wichtig vor allem dort, wo ein geringer Spezialisierungsgrad besteht. Voraussetzung für Kooperationen und Zusammenschlüsse ist allerdings die Modifikation kartellrechtlicher Beschränkungen, welche insbesondere kommunalen Häusern die Zusammenarbeit erleichtern würde.

Umnutzung nicht-bedarfsgerechter Häuser – Konsolidierung unrentabler Häuser
Darüber hinaus bietet sich eine Umnutzung kleinerer, nicht mehr lebensfähiger Krankenhäuser an – zum Beispiel als erste medizinische Anlaufstelle vor Ort. Eine enge Zusammenarbeit mit den Kommunen kann hier neue Perspektiven und Möglichkeiten schaffen. Aber auch Maximal- und Schwerpunktversorger könnten durch die Bildung von Exzellenzclustern und abgestimmten Medizinkonzepten effizienter organisiert werden.

„Die Krankenhausstrukturen in Bayern sind bereits sehr gut – um jedoch auch zukunftsfähig zu bleiben, sollten sie einige ihrer Wirtschaftlichkeitsfaktoren auf den Prüfstand stellen. Dies betrifft nicht nur die kleinen, ländlichen Krankenhäuser, die momentan stark im Fokus stehen. Auch die Maximal- und Schwerpunktversorger müssen sich in ihrer Leistungsperformance kritisch hinterfragen. Die anstehenden Innovations- und Investitionsprogramme sind auf die Erarbeitung wirklich zukunftsfähiger Krankenhaus- und Versorgungsstrukturen zu verwenden.“, fügt Morton hinzu. (ig)


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