Aufsichtsräte vor neuen Herausforderungen

Digitalisierung

Aufsichtsräte vor neuen Herausforderungen

in einseitiges Bild zeigt sich bei der Nutzung von Informationsquellen: Die wichtigsten Quellen sind Berichte der Geschäftsführung und Gespräche mit ihr. Bild: IHK Gfl
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Die Digitalisierung stellt für einen Großteil der Aufsichtsräte eine Herausforderung dar. Über 60 Prozent schätzen die Digitalkompetenzen in ihrem Gremium als gering oder zumindest eher gering ein. Das ist ein Ergebnis der Studie „Aktiv mitgestalten statt nur kontrollieren – Wie sich Aufsichtsräte verändern müssen“ der Strategieberatung Boston Consulting Group.

Basis der Untersuchung ist die bis dato größte Umfrage unter deutschsprachigen Aufsichtsräten, in der 120 Aufseher von Unternehmen mit einer Größe von über 500 Millionen Euro Umsatz Auskunft über ihre Tätigkeit gegeben haben. Prinzipiell sehen Aufsichtsräte ihre Aufgabe nicht nur in der Kontrolle der Geschäftsleitung, sondern ebenso stark im eigenen Gestalten. Beide Aufgabengebiete beurteilen jeweils die Hälfte in der aktuellen Unternehmenssituation als sehr wichtig.

„Wir beobachten einen starken Anspruch der Aufsichtsräte, sich in die strategische Ausrichtung des Geschäfts einzuschalten“, kommentiert BCG-Deutschlandchef Carsten Kratz. „Es stellen sich allerdings auch einige Hindernisse für eine erfolgreiche Mitgestaltung heraus. Die Aufsichtsräte würden dies gerne ändern.“

Aufsichtsräte sehen Verbesserungspotenzial bei Inhalten und Prozessen

So macht ein Großteil der Aufsichtsräte nicht nur zu wenige Digitalkompetenzen im Gremium aus – zwei Drittel bemängeln auch, dass die Digitalisierung überhaupt zu wenig in Sitzungen thematisiert wird. Im Hinblick auf den Wunsch stärker mitzugestalten sind viele Aufsichtsräte zudem der Meinung, dass zu wenig Zeit für strategische Formate zur Verfügung steht.

Verbesserungspotenzial zeigt sich auch bei den Prozessen und Strukturen der Gremien. So sagt zum Beispiel mehr als die Hälfte, dass keinerlei Weiterbildungsangebote genutzt werden, fast einem Drittel werden für die Aufsichtsratsarbeit keine Ressourcen durch das Unternehmen zur Verfügung gestellt. Ein einseitiges Bild zeigt sich bei der Nutzung von Informationsquellen: Die wichtigsten Quellen sind Berichte der Geschäftsführung und Gespräche mit ihr. Das geht mit einem starken Vertrauensverhältnis einher – 86 Prozent der Aufsichtsräte bewerten ihr Vertrauen in die Geschäftsleitung als hoch bzw. sehr hoch. Dies hat jedoch zur Folge, dass externe Quellen wie Marktstudien oder Kundengespräche nur auf den hinteren Plätzen der wichtigsten Informationsquellen liegen. Ein weiteres Beispiel struktureller Mängel ist die Ergebniskontrolle. Die Effektivität der Zusammenarbeit wird bei der Hälfte der Unternehmen nur durch informelle Besprechungen oder gar nicht überprüft.

Professionalisierung ermöglicht erfolgreiche Mitgestaltung

Gleichzeitig gehen Aufsichtsräte von tiefgreifenden Veränderungen in ihren Branchen aus. Neun von zehn Aufsehern erwarten gravierende Umbrüche im Markt ihrer jeweiligen Unternehmen, jeder Vierte erwartet diese Veränderungen schon kurzfristig. „Um dem eigenen Gestaltungsanspruch in einem datengetriebenen, sich schnell ändernden Geschäftsumfeld gerecht zu werden, braucht es eine weitere Professionalisierung der Aufsichtsratsarbeit“, erklärt Carsten Kratz. Diese sei erforderlich, um die zu erwartenden Veränderungen aktiv steuern zu können. Aufsichtsräte verwenden für ihre Gremienarbeit durchschnittlich 34 Tage im Jahr. Das sei nebenberuflich nur noch schwer zu schaffen, so Kratz. „Daher erwarten wir in Zukunft mehr Berufsaufsichtsräte.“

Um diese Professionalisierung auch in der Tätigkeit an sich voranzutreiben, empfehlen die Studienautoren, erwiesene Erfolgsmaßnahmen umzusetzen. Dazu gehören formelle Effizienzprüfungen, der Auf- und Ausbau von Weiterbildungsmöglichkeiten, eine Erweiterung der zur Verfügung stehenden Ressourcen, aber auch eine Begrenzung von Mitgliedsalter und Mandatsdauer. (ig)

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