Immer mehr User gehen im Ausland online einkaufen

Grenzenlos online einkaufen

Immer öfter kommt das Paket unbewusst aus dem Ausland

online einkaufen im Ausland.
Auf der Suche nach attraktiven Angeboten landen mehr deutsche Onlinekäufer bei Internethändlern außerhalb der EU als innerhalb: 86 Prozent der grenzüberschreitenden Onlinekäufer haben in Nicht-EU-Ländern bestellt. Bild: Hermes
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Ländergrenzen spielen beim Onlinekauf eine immer geringere Rolle: Knapp drei Viertel der deutschen Onlinekäufer bestellten innerhalb der letzten zwei Jahre im Ausland – 16 Prozentpunkte mehr als 2016. Nicht jeder Auslandseinkauf war bei der Bestellung mit Absicht gewählt: 23 Prozent der Käufer orderten auch unbewusst im Ausland. Insgesamt kaufen mittlerweile 99 Prozent der deutschen Internetnutzer online ein. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Befragung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) unter 1.200 deutschen Internetnutzern über 18 Jahren.

Wer auf einer deutschen Plattform online einkauft, bestellt nicht zwangsläufig bei einem heimischen Händler. „Der Anteil der Käufer, die online einkaufen und erst bemerken, dass die Ware aus dem Ausland kommt, wenn das Paket beispielsweise mit der chinesischen oder britischen Post kommt, wird in Zukunft stark wachsen“,  erläutert Dietmar Prümm, Leiter des Geschäftsbereichs Transport und Logistik bei PwC Deutschland. Treiber dieser Entwicklung seien einerseits funktionierende Lieferkonzepte. Andererseits steige die Zahl ausländischer Verkäufer, die ihre Waren problemlos auf den etablierten deutschen Verkaufsplattformen anbieten könnten und den Käufer in seiner gewohnten Webseitenumgebung beließen.

Ohne Geoblocking mehr Transparenz für Konsumenten

Auf der Suche nach attraktiven Angeboten landen mehr deutsche Onlinekäufer bei Internethändlern außerhalb der EU als innerhalb: 86 Prozent der grenzüberschreitenden Onlinekäufer haben in Nicht-EU-Ländern bestellt. Hier stehen Onlineshops aus China (59 Prozent) und den USA (36 Prozent) auf der Einkaufsliste. Mit 73 Prozent fällt der Anteil der Käufe im europäischen Ausland deutlich geringer aus, britische (47 Prozent) und österreichische Onlineshops (23 Prozent) sind bei deutschen Konsumenten beliebt. Viele Onlineshops innerhalb der EU nutzten bis zum Verbot im Dezember 2018 das sogenannte Geoblocking, um mit der IP-Adresse des Shop-Besuchers beispielsweise, Dienstleistungen und Markenprodukte nur in ausgewählten Ländern oder zu unterschiedlichen Preisen anzubieten. Heute hat jeder Internetnutzer unabhängig vom Wohnsitz die Möglichkeit, Angebote in allen EU-Ländern zu vergleichen.

„Durch den Wegfall des Geoblockings, aber auch durch die generell sinkende Bedeutung des Sitzes eines Onlineshops für den Konsumenten, wird der Umsatzanteil ausländischer Shops am deutschen E-Commerce in den nächsten zwei Jahren auf deutlich über zehn Prozent auf 7,1 Milliarden Euro steigen“, analysiert Dr. Christian Wulff, Leiter des Geschäftsbereichs Handel und Konsumgüter bei PwC Deutschland.

Ausländische Onlineshops sprechen alle Konsumenten an

Die Mehrheit der Besteller sind heute noch „Wenigkäufer“ (55 Prozent), die in den vergangenen zwei Jahren nur ein- bis dreimal im Ausland eingekauft haben. Drei Viertel der Umsätze entfallen auf Gelegenheits- und Vielkäufer, die mindestens zweimal pro Jahr im Ausland kaufen. Dabei bestellen die deutschen Konsumenten hauptsächlich Schuhe und Kleidung (51 Prozent). Für Unterhaltungselektronik und Medienprodukte ist der grenzüberschreitende E-Commerce im Vergleich zu 2016 zurückgegangen. Die durchschnittliche Höhe des Warenkorbs beträgt bei den Auslands-Einkäufen 51 Euro, wobei Männer mit 57 Euro im Schnitt etwas mehr ausgeben als Frauen (45 Euro).

Jeder Dritte hatte bereits Kontakt mit dem Zoll

Die Hälfte der Onlinekäufer möchte das Risiko beim Auslandskauf mit einem Bestell-Limit von 150 Euro begrenzen. Diese Bestellungen sind zollfrei und bis 22 Euro auch einfuhrabgabenfrei. 30 Prozent der Auslandsbesteller hatten schon einmal Kontakt mit der Zollbehörde, weil sie die Ware dort abholen oder Zoll und Einfuhrumsatzsteuer entrichten mussten. „Vielen Käufern ist nicht bewusst, dass Alkohol, Zigaretten und Parfüm Sonderregelungen unterliegen. Dann ist die Überraschung groß, wenn der Zoll tätig wird und Aufwand und Kosten steigen. Das können die Konsumenten vermeiden, indem sie Express-Dienstleister beauftragen, die sich auch um die Abwicklung der Formalitäten kümmern“, erklärt Dr. Michael Tervooren, Zollexperte bei PwC Deutschland.

80 Prozent der Käufer können zehn bis zwölf Tage auf ihre Warenlieferung warten

Nur eine Minderheit der Befragten wählt internationale Express-Dienstleister und in der Regel nur dann, wenn beispielsweise Zollgebühren erwartet werden. Meistens entscheiden sich Auslandskäufer für den Standardversand der nationalen Postgesellschaften und nehmen eine Lieferzeit von zehn bis zwölf Tagen in Kauf. Die Verrechnung der grenzüberschreitenden Postgebühren regelt der Weltpostverein. Dieser stuft beispielsweise China als Entwicklungsland ein, welches für den Transport innerhalb Deutschlands weniger zahlen muss als ein Industrieland.

„Es ist an der Zeit, die traditionellen Gebührenfestlegungen zu Brief, Päckchen und Paket zu überdenken, denn nicht nur das Sendungsvolumen, sondern auch die Ansprüche an den Lieferservice sind erheblich gestiegen. Der globale Paketstrom bekommt durch den Fokus der Konsumenten auf den Gesamtpreis ohne Rücksicht auf den Sitz des Shops eine Dynamik, die Aspekte der Nachhaltigkeit in den Hintergrund drängen“, erklärt Dietmar Prümm.

Kunden akzeptieren Aufpreis für Zusatzdienstleistungen

Um Risiken beim Einkauf außerhalb der EU zu minimieren, akzeptieren Onlinekäufer einen Aufpreis: So wäre für eine Versicherung jeder dritte Gelegenheitskäufer (vier bis fünf Bestellungen in zwei Jahren) gewillt zu zahlen. Die „Wenigkäufer“ sehen hier deutlich seltener die Notwendigkeit, den Gesamtpreis für den Kauf zu erhöhen (23 Prozent). Ähnlich verhält es sich mit der Zollabwicklung, auch hier stehen 44 Prozent der Vielkäufer (pro Jahr mindestens drei Bestellungen) einem Bezahlangebot für Zusatzleistungen positiver gegenüber als „Wenigkäufer“ (27 Prozent). Bei der Sendungsverfolgung (Tracking und Tracing) sehen die Auslandsbesteller den geringsten Bedarf für einen Aufpreis.

Bedenken gegen Onlinekauf im Ausland häufig unbegründet

Onlinekäufer, die bisher nur in Deutschland bestellt haben, nennen die Angst vor Nichtzustellung nach Bezahlung (40 Prozent), Zweifel an Garantie und Widerruf (38 Prozent) sowie zu hohe Versandgebühren (35 Prozent) als die größten Hemmnisse für einen Kauf im Ausland. Die positiven Erfahrungen der Auslandskäufer widerlegen aber genau diese Ängste der Nicht-Käufer: Die Mehrheit der befragten Käufer in ausländischen Onlineshops bewertet die Liefertermintreue, Unversehrtheit der Verpackung und die Lieferkosten der Auslands-Shops genauso gut oder sogar besser als die der deutschen Onlinehändler. Nur 15 Prozent der Nichtkäufer sehen Umweltbelastungen durch den Versandweg als Hindernis.

„Deutsche Internethändler müssen sich für die Zukunft darauf einstellen, dass sich ein beträchtlicher Teil der Umsätze weiter ins Ausland verschiebt. Umgekehrt können deutsche Onlineshops mit günstigen Gesamtpreisen, optimierten Verkaufsplattformen sowie Zusatzleistungen im Lieferservice ausländische Konsumenten als Kunden gewinnen und damit vom Trend des weltweiten grenzübergreifenden E-Commerce profitieren“, fasst Dr. Christian Wulff zusammen. Die PwC-Umfrage zeige, dass der grenzüberschreitende Onlinehandel trotz der Diskussion um Portobestimmungen und Umweltbelastungen steige. Im Rahmen der Brexit-Entwicklungen werde das Augenmerk der deutschen UK-Besteller auf die zukünftigen Zoll- und Umsatzsteuerentwicklungen gerichtet sein. Es drohe ein Engpass: Wenn die Zollbehörden zusätzlich zum Warenstrom aus China auch Sendungen aus dem Vereinigten Königreich abwickeln müssten, bedeute dies eine hohe Zusatzbelastung. (ig)

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