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Der Wendepunkt für elektrifizierte Fahrzeuge ist in Sicht

Märkte & Technologien
2030 fährt die Hälfte aller Kraftfahrzeuge elektrisch

In den Jahren von etwa 2020 bis 2025 werden elektrifizierte Fahrzeuge ihren Marktanteil erhöhen. Bild: Mobiliter
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Der Wendepunkt für elektrifizierte Fahrzeuge ist in Sicht: Eine Kombination aus Hybrid- und vollelektrischen Antriebssträngen soll den weltweiten Marktanteil von reinen Verbrennungsmotoren bis 2030 um rund 50 Prozent reduzieren. Die so genannten ICEs (ICE – Internal Combustion Engines), also Fahrzeuge mit konventionellen Verbrennungsmotoren, werden nicht verschwinden, sondern in Zukunft eine veränderte Rolle spielen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group (BCG).

Drei Faktoren – Technologie, Regulierungsbestrebungen und die Betriebskosten für die Verbraucher werden die Umstellung prägen, die sich laut BCG in drei Phasen – die etwa zwölf Jahre dauern sollen – vollziehen wird. ICEs werden demnach für die nächsten Jahre, zumindest bis 2020, noch der dominierende Antrieb bleiben, da die Preise für elektrifizierte Fahrzeuge – selbst, wenn diese steuerlich gefördert werden – hoch bleiben und sich die Amortisationsdauer auf Basis der Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO) für die Verbraucher derzeit noch nicht rechnet. Darüber hinaus wird es laut BCG den Automobilherstellern gelingen die aktuellen Emissionsvorschriften auch mit Fortschritten in der ICE-Technologie zu erfüllen.

In der nächsten Phase, von etwa 2020 bis 2025, werden elektrifizierte Fahrzeuge ihren Marktanteil erhöhen. Darunter verstehen die Analysten eine Mischung aus Voll-Hybriden (HEV – Hybrid Electric Vehicle – ein Fahrzeug mit konventionellem Verbrennungsmotor und einem Elektromotor, dessen Batterie intern geladen wird), Mild-Hybriden oder 48-Volt-Hybriden (MHEV – Mild Hybrid Electrical Vehicle, Fahrzeuge bei denen der Elektromotor nur bedingt zur Fortbewegung ausreicht), Plug-in-Hybriden (PHEV – Plug-in Hybrid Electric Vehicle – Fahrzeuge mit Verbrennungs- und Elektromotor, deren Batterie auch extern geladen werden kann) und batteriebetriebenen Fahrzeugen. Als Grund haben die Studienmacher die Erfüllung der verschärften flottenweiten Effizienz- und Emissionsstandards ausgemacht. Dabei gehen die Analysten davon aus, dass durch finanzielle Anreize versucht wird, den Verkauf von Nicht-ICEs zu forcieren.

Die Aussichten für Elektrofahrzeuge werden klarer

Für die Zeit nach 2025 prognostizieren die Analysten steigende Verkäufe quer durch alle Klassen elektrifizierter Fahrzeuge. Diese Vorhersagen basieren auf sinkenden Batteriepreisen und auf den zu diesem Zeitpunkt ebenfalls sinkenden TCOs, was eine steigende Verbrauchernachfrage zur Folge haben wird. Das betrifft insbesondere bei den „Battery Electric Vehicles“ (BEVs), den Fahrzeugen, die ihre Energie komplett aus Batterien beziehen, zu. Auch in den heute schon verbreiteten „Shared Mobility“-Geschäftsmodellen, würden von diesem Zeitpunkt an verstärkt Elektrofahrzeuge auftauchen, weil sich deren Ankauf durch die verbilligten Preise und ihre höhere Laufleistung schneller amortisiere, besagt die Studie.

Wenn sich der Übergang vollzieht, werden reine ICEs ihren Anteil von derzeit 96 Prozent des Weltmarktes auf ungefähr die Hälfte aller genutzten Fahrzeuge um 2030 verringern. „Der Zeitpunkt des Übergangs des Marktes zu einem neuen Antriebsstrang war lange Zeit Gegenstand von Diskussionen“, erläutert Xavier Mosquet, Senior Partner von BCG und Hauptautor der Studie. „Die Aussichten für Elektrofahrzeuge werden jetzt klarer, und die Übergangsphase von einem ICE-dominierten Markt zu einem Markt, in dem elektrifizierte Fahrzeuge dominieren, und BEVs beginnen, mit Hybriden und ICEs zu konkurrieren, wird bald beginnen.“

Technologische Fortschritte

Drei Arten von technologischen Fortschritten werden nach Aussage von BCG die Zukunft des Antriebsstrangs von Kraftfahrzeugen prägen. Bis 2020 sollten technologische Verbesserungen in ICEs ausreichend sein, um die Industrie in die Lage zu versetzen, regulatorische Emissionsanforderungen in wichtigen Märkten zu erfüllen. Die größte Veränderung wird nach den Untersuchungen von BCG dabei in Europa zu verzeichnen sein, wo Dieselmotoren, die im Jahr 2016 einen Marktanteil von 48 Prozent hatten, aufgrund der steigenden Kosten für die Einhaltung der Abgasnormen einen relativ rapiden Rückgang ihres Marktanteils auf 36 Prozent im Jahr 2020 hinnehmen müssen. Europäische Dieselfahrer könnten, so die BCG-Studie, dafür sorgen, dass Käufer ermutigt werden, weniger teure Formen von elektrifizierten Fahrzeugen für sich zu eruieren.

Gleichzeitig rechnen die Studienmacher damit, dass die Batteriekosten, die den größten Einzelposten bei den Kosten für ein Elektrofahrzeug ausmachen, weiter und schneller sinken, als noch vor wenigen Jahren projiziert. Nach Schätzungen von BCG, die von mehreren Quellen bestätigt werden, liegen die Kosten pro Kilowattstunde bei Batterien 2015 noch zwischen 80 und 105 US-Dollar und sinken bis 2013 auf nur noch 70 bis 90 US-Dollar.

Der dritte relevante Technologiebereich, der Einfluss auf die Entwicklung des Marktes für Elektrofahrzeuge haben wird, ist die Stromerzeugung. Solange fossile Brennstoffe in großen Volkswirtschaften wie den USA und China weiterhin der dominierende Stromerzeuger sind, ist der Einfluss von elektrifizierten Fahrzeugen auf den Klimawandel vernachlässigbar, vor allem, wenn man die für die Herstellung und das Recycling von Batterien benötigte Energie berücksichtigt. Nur wenn alternative Energiequellen – Kern-, Wind- und Solarenergie – zu wichtigen Faktoren bei der Stromerzeugung werden, tragen elektrische Antriebe wesentlich zur Senkung der Treibhausgasemissionen in der Atmosphäre bei.

Regionale Marktvariationen

Die Adaptierungskurve für elektrifizierte Fahrzeuge variiert in gewissem Maße je nach regionalem Markt. Dabei spielen Faktoren wie der Fahrzeugpreis, die gefahrenen Kilometer sowie die Treibstoff- und Stromkosten eine Rolle. In China, zum Beispiel, einem der führende Markt für elektrifizierte Fahrzeuge, sorgen deren hohe Laufleistung, niedrige Stromkosten und hohe Benzinpreise für weit geringere TCOs im Vergleich zu ICE-angetriebenen Autos und Lastwagen. Verschiedene Initiativen der Regierung als Anreiz für den Kauf von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen, sorgen dafür, dass sich der hohe Anschaffungspreis in etwa fünf Jahren amortisiert. Das entspricht dem Stand den Fahrzeugen mit konventionellem Verbrennungsmotor im Jahr 2015 hatten.

In Europa dagegen werden die hohen Stromkosten und die relativ geringe Zahl gefahrener Kilometer (im Vergleich zu den entsprechenden Zahlen für China und die USA) die ICEs bis 2025 nach Aussage der Studie weiterhin zu den bevorzugten Antrieben für die meisten Verbraucher machen. Die Marktentwicklung in Europa wird sich dabei auch mehr zwischen den verschiedenen Klassen elektrifizierter Fahrzeuge aufteilen. So glaubt man seitens BCG, dass reine Batteriefahrzeuge 2030 einen Marktanteil von 17 Prozent aufweisen, während auf Fahrzeuge mit verschiedenen Formen des Hybridantriebs insgesamt 33 Prozent ausmachen.

Die niedrigen Treibstoffkosten in den USA werden aller Voraussicht nach ähnliche Ergebnisse liefern. Der größte Teil des Wachstums bei Elektrofahrzeugen wird in kleineren Fahrzeugsegmenten stattfinden: Bis 2030 erwartet man seitens BCG, dass Fahrzeuge im C-Segment (der Mittelklasse) fast ausschließlich elektrisch angetrieben, während ICEs der primäre Antrieb für Pick-ups bleiben werden. Hybride werden den japanischen Markt mit einem Anteil von 55 Prozent bis 2030 dominieren.

Unternehmen müssen strategische Optionen entwickeln

Dem Wachstum im Carsharing, insbesondere mit dem Aufkommen autonomer (oder selbstfahrender) Fahrzeuge, messen die Studienmacher dagegen erhebliche Auswirkungen auf die Einführung von Hybrid- und vollelektrischen Fahrzeugen zu. Da Taxis und geteilte Autos jedes Jahr deutlich mehr Kilometer zurücklegen als Personenkraftwagen, werde sich die Amortisation der Elektrifizierung in diesem Umfeld wesentlich beschleunigen.

„Die Autohersteller und ihre Zulieferer sollten zwei weit gefasste Wege im Auge behalten“, rät Mosquet. „Den Anstieg des Marktanteils von elektrifizierten Fahrzeugen von heute 3 Prozent auf 50 Prozent um das Jahr 2030 und den Anstieg des Anteils von batteriebetriebenen Fahrzeugen von fast nichts auf etwa 14 Prozent des Weltmarktes im Jahr 2030“. Das Tempo der Veränderungen werde variieren, abhängig von Regulierungsmaßnahmen, der Akzeptanz autonomer Fahrzeuge und Carsharing durch die Verbraucher und der Wirtschaftlichkeit verschiedener Kraftstoffquellen. Die Unternehmen müssten eine Reihe strategischer und Produktoptionen entwickeln, um einen Übergang zu bewältigen, der sowohl unvermeidlich ist als auch ungewiss sei. (ig)


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