Industrie 4.0 verbreitet sich eher schleppend

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Industrie 4.0 verbreitet sich eher schleppend

Unternehmen, die sich Industrie-4.0 nicht leisten können oder denen das benötigte Know-how fehlt, drohen den Anschluss zu verlieren. Bild: SmartFactory
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Die vernetzte Produktion wird für die Industrie immer entscheidender für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Allerdings setzt sich die Technologie eher schleppend durch. In 45 Prozent der Unternehmen kommt Industrie-4.0 aktuell zum Einsatz – das sind nur vier Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr und sechs Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren. Je etwa ein weiteres Fünftel der Unternehmen hat den Einsatz entsprechender Anwendungen bereits geplant (20 Prozent) beziehungsweise diskutiert diesen (23 Prozent).

Das sind nur einige der Ergebnisse einer Studie der der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), für die insgesamt über 550 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes (die repräsentative Umfrage führte Bitkom Research durch) in Deutschland befragt wurden. Die Autoren der Studie sehen denn auch dringenden Handlungsbedarf. Unternehmen, die Industrie 4.0 anwenden, könnten dadurch etwa ihre Produktion flexibilisieren, schneller auf Kundenwünsche reagieren oder die Effektivität erhöhen. Im Durchschnitt rechnen die Unternehmen, die Potential in der Kostenreduktion sehen, mit Einsparungen von mehr als fünf Prozent durch Industrie-4.0-Lösungen

Den Anschluss zu verlieren, drohen die Unternehmen, die sich Industrie-4.0-Lösungen nicht leisten können oder nicht das entsprechende Know-how haben: Immerhin 59 Prozent der befragten Unternehmen sehen in den hohen Investitionskosten das größte Hemmnis, Industrie 4.0 im Betrieb einzuführen. Auch der Fachkräftemangel (57 Prozent) wird wie auch in den Vorjahren als Hindernis gesehen. Es folgen Sicherheitsbedenken (48 Prozent) und mangelnde Standards (46 Prozent).

„Die Zahl der Industrie-4.0-Anwender steigt langsam aber stetig“, beobachtet Stefan Bley, Partner bei EY. Vielen Unternehmen fehle allerdings das Geld oder das Know-how, um das Thema selbst voranzutreiben. Das könne für sie zu einem echten Wettbewerbsnachteil werden. Kooperationen oder standardisierte Software könnten kleineren Unternehmen helfen, entsprechende Lösungen in der Produktion einzusetzen. Bley verweist auf die Anfang September von mehreren Maschinenbauern und der Software AG gegründete Softwarefirma Adamos, die anderen Unternehmen Lösungen für Fernwartungen anbieten will. „Die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes profitieren von der vernetzten Produktion. Je mehr von ihnen an entsprechenden Lösungen arbeiten und vielleicht sogar Standards etablieren, desto schneller wird sich Industrie 4.0 auch bei den kleinen und mittelständischen Betrieben durchsetzen.“

Zahl der Anbieter hat sich verdoppelt

Als gutes Zeichen wertet Bley, dass sich die Anzahl der Anbieter von Industrie-4.0-Lösungen im Vergleich zum Vorjahr auf elf Prozent verdoppelt hat. Weitere 14 Prozent planten, künftig als Anbieter auf dem Markt aufzutreten. Angesichts der hohen Anfangskosten und der schwierigen Fachkräftesituation sei das eine erfreuliche Entwicklung.

Attraktiv ist Industrie 4.0 für die Unternehmen vor allem deshalb, weil viele Prozesse in der Produktion dadurch optimiert werden können. 72 Prozent der im Rahmen der Studie Befragten schreiben Industrie 4.0 etwa ein großes Potenzial bei der Erhöhung der Produktionsflexibilität zu, gefolgt von schnelleren Reaktionszeiten (52 Prozent) und einer Erhöhung der Gesamtanlageneffektivität (47 Prozent). Im Durchschnitt rechnen die Unternehmen, die Potential zur Kostenreduktion sehen, mit Einsparungen von mehr als 5 Prozent durch Industrie 4.0. Und immerhin knapp jedes fünfte Unternehmen (17 Prozent) rechnet gar mit Ersparnissen von mindestens 10 Prozent.

Industrie 4.0 im Automobilbau am verbreitetsten

Vorreiter in Sachen Industrie 4.0 ist vor allem der Automobilbau. Hier setzt bereits jedes zweite Unternehmen (50 Prozent) auf die vernetzte Produktion. Auch die Konsumgüterindustrie hat die Vorteile erkannt. 46 Prozent der Unternehmen aus dieser Branche haben entsprechende Anwendungen im Einsatz. Es folgen die Elektrotechnik (37 Prozent) und der Maschinenbau (34 Prozent). Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen (80 Prozent) bescheinigt Industrie 4.0 bereits heute eine hohe strategische Bedeutung. Vier von zehn Unternehmen (41 Prozent) schreiben dem Thema sogar eine sehr große strategische Bedeutung zu. Lediglich 5 Prozent der Unternehmen sagen, dass Industrie 4.0 für sie überhaupt keine strategische Bedeutung hat. (ig)

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