Zukunft des Maschinenbaus

Transformation der Mobilität bietet Chancen auf mehr Wertschöpfung

Die Auswirkungen der Elektrifizierung auf die einzelnen Fertigungsprozesse, welche bei konventionellen Antrieben dominieren, sind erheblich. So reduziert sich deren Wertschöpfung beim batterieelektrischen Antrieb im Durchschnitt um 64 Prozent (ohne Batteriezellproduktion). Bild: ZF
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Hybridisierung und Elektrifizierung nehmen Fahrt auf. Was dies für die Wertschöpfung im Antriebsstrang bedeutet, damit befasst sich erstmals die VDMA-Studie „Antrieb im Wandel“, erstellt von der FEV Consulting GmbH. „Wichtigste Erkenntnis ist: Für den Maschinenbau birgt der Transformationsprozess der Mobilität Chancen auf zusätzliche Wertschöpfung“, erklärte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker anlässlich der Veröffentlichung von Kernergebnissen der Studie.

Alarmismus sei völlig fehl am Platze. Für die Maschinenbauindustrie könne der Antrieb im Wandel ein Wachstumsgeschäft sein. Noch bleibe den Unternehmen Zeit, um die Transformation erfolgreich zu gestalten, um Geschäftsmodelle und Technologien anzupassen. Gleichzeitig zeige die Studie klar: Hybridisierung und Elektrifizierung würden sich am Markt durchsetzen. „Spätestens jetzt sollte der Transformationsprozess in den betroffenen Unternehmen angegangen werden“, fordert Welcker.

„Wir im Maschinenbau produzieren Mobilität“, stimmt Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer zu. Zum einen als Ausrüster der Automobilindustrie mit Produktionsmitteln – damit sei man wettbewerbsentscheidender Technologielieferant. Zum anderen sei die Maschinenbauindustrie selbst Anwender modernster Antriebstechnologien mit ihren mobilen Arbeitsmaschinen. Der Bedarf an Orientierung sei deshalb hoch.

Wertschöpfungszuwachs bei PKW-Antrieben

Zwar erwarten die FEV-Experten in den drei betrachteten Märkten Europa, USA und China eine Verringerung des Absatzes von Verbrennungsmotoren (inklusive Hybridantriebe) im PKW-Bereich: Dies um 10 Prozent bis zum Jahr 2030 im Vergleich zu 2016. Dennoch verbleibt für Komponentenhersteller und Maschinen- und Anlagenbauer hier weiterhin ein substanzielles Geschäft. Denn verbesserte Antriebstechnologien – beispielsweise Effizienzmaßnahmen im Verbrennungsmotor und Getriebe – erhöhen auch die Anforderungen an die Fertigungstechnik. Zugleich rechnen die Studienautoren in diesen drei Märkten mit einem Anteil von 22 Prozent an rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen.

Die Auswirkungen der Elektrifizierung auf die einzelnen Fertigungsprozesse, welche bei konventionellen Antrieben dominieren, sind erheblich. So reduziert sich deren Wertschöpfung beim batterieelektrischen Antrieb im Durchschnitt um 64 Prozent (ohne Batteriezellproduktion). Im Gegensatz dazu steigt beim (Plug-in-) Hybridantrieb die Wertschöpfung um 24 Prozent – hier wird neben einem Verbrennungsmotor auch ein elektrischer Antrieb verbaut.

Entscheidend ist, nach Überzeugung des VDMA was unter dem Strich rauskommt: Hier führe die Studie den Nachweis, dass sich die Kombination aus Hybridantrieben, einer höheren Komplexität beim Verbrennungsmotor sowie steigenden Absatzzahlen von Fahrzeugen – vor allem in China – insgesamt positiv auf die Wertschöpfung auswirke. Die jährliche Wachstumsrate der Wertschöpfung bei PKW-Antrieben beläuft sich bis 2030 demnach auf 1,7 Prozent, kombiniert für die drei Märkte Europa, USA und China und dies sogar ohne Berücksichtigung der Batteriezellproduktion. Die Batteriezellproduktion bietet zusätzlich ein hohes Wertschöpfungspotenzial für den Maschinen- und Anlagenbau.

Differenziertes Bild bei Nutzfahrzeugen und mobilen Maschinen

Auch Nutzfahrzeuge und mobile Maschinen werden in der Studie analysiert. Bei Nutzfahrzeugen wird die Elektrifizierung vor allem durch leichte Nutzfahrzeuge, etwa Lieferwagen für Paketdienste in Städten, vorangetrieben. Auch bei Nutzfahrzeugen bieten sich Chancen auf zusätzliche Wertschöpfung, wenn auch in kleinerem Ausmaß als im PKW-Segment. Insgesamt sind die Auswirkungen der Elektrifizierung auf Komponentenhersteller und den Maschinen- und Anlagenbau hier sehr unterschiedlich – Anwendungen, Märkte und Antriebstypen bestimmen den Grad der Betroffenheit. Bei den mobilen Maschinen wird demgegenüber ein niedrigerer Elektrifizierungsgrad erwartet.

Mehr Transparenz schaffen

Die Transformation der Mobilität zeichnet sich nach Überzeugung des VDMA durch eine hohe Dynamik aus. Ein Monitoring-System, der neu entwickelte „Zero Emission Vehicle Index (ZEV)“, biete auch dann Orientierung, wenn sich das volatile Umfeld ändere „Mit dem ZEV-Index geben wir unseren Unternehmen ein Werkzeug an die Hand, das mehr Transparenz schafft und eine Planungsgrundlage eröffnet,“ betont Rauen.

Für Europa sagt der Index bereits für das Jahr 2024 eine gleichwertige Attraktivität von Verbrennern und Elektrofahrzeugen voraus. Ausschlaggebend sind ein breites Modellangebot, praxistaugliche Reichweiten sowie der Ausbau der Ladeinfrastruktur. China erreicht dieses Niveau bereits 2 bis 3 Jahre früher als Europa. Grund hierfür sind strenge regulatorische Rahmenbedingungen. Für die USA wird die gleichwertige Attraktivität erst im Jahr 2028 erwartet. (ig)

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