Wachstum in Gefahr

Wachstum in Gefahr

Deutschland und Europa brauchen milliardenschwere Investitionen

Für eine zukunftsfähige Infrastruktur - zum Beispiel in Form von Glasfaserkabeln - im europäischen Spitzenfeld müssten für die kommenden Jahre deutliche Mehrinvestitionen von privaten und öffentlichen Investoren erfolgen. Bild: Telekom
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In Deutschland wird zu wenig investiert – wodurch künftiges Wachstum in Gefahr ist. Um in der Vergangenheit versäumte Investitionen wieder aufzuholen, müssten öffentliche und private Investoren zusammen jährlich hohe zusätzliche Milliardenbeträge investieren – bis 2025 insgesamt knapp 1,4 Billionen Euro zusätzlich. Bei jährlich steigenden zusätzlichen Investitionsausgaben würde 2025 der Höhepunkt mit zusätzlichen knapp 300 Milliarden Euro erreicht. Das entspricht etwa sechs bis 6,5 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes – ein Niveau, das danach beibehalten werden sollte, wie aus einer aktuellen Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hervorgeht.

Sollte Deutschland bis 2025 nur auf den Investitionsstand aus der Zeit vor der Finanzkrise zurückkehren, müssten die zusätzlichen Investitionsausgaben bis 2025 immer noch um insgesamt knapp 815 Milliarden Euro ansteigen. Will die Bundesrepublik in Europa auch weiterhin zur Spitze gehören, sind zusätzliche Investitionen dringend nötig. In keinem der für zukünftiges Wachstum wichtigen Investitionsfeldern gehört Deutschland im europäischen Vergleich zur Spitzengruppe. Am besten schneidet das Land in der Kategorie Forschung, Innovation und nachhaltige Energie mit Platz sechs ab – am schlechtesten bei der Digitalisierung mit Platz elf. Bei den übrigen Kategorien (Basis-Infrastruktur, Bildung und Gesundheit) landet Deutschland auf den Rängen dazwischen.

Für die Studie „Investing in Europe’s Future“, hat EY Kennzahlen für die fünf Wachstumskategorien Forschung, Digitalisierung, Basis-Infrastruktur, Bildung und Gesundheit für alle EU-Staaten inklusive dem Vereinigten Königreich sowie der Schweiz ausgewertet. „Deutschland hat es über die letzte Dekade versäumt, zu Hause zu investieren“, stellt Prof. Dr. Bernhard Lorentz, Partner bei EY und Leiter des Bereichs Government & Public Sector für Deutschland, die Schweiz und Österreich, fest. Das gelte sowohl für die öffentlichen Investitionen als auch für die privaten. In der Folge habe die heimische Infrastruktur gelitten. Das beträfe nicht nur digitale Infrastruktur wie Glasfaserkabel sondern letztlich alle Bereiche, die für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum relevant seien. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten seien deutlich, Deutschland rangiere hier nur im Mittelfeld. Für eine zukunftsfähige Infrastruktur im europäischen Spitzenfeld müssten für die kommenden Jahre deutliche Mehrinvestitionen von privaten und öffentlichen Investoren erfolgen.

Deutschland bei Digitalisierung nur auf Platz elf

Gerade im zukunftsträchtigen Feld Digitalisierung schneidet Deutschland auf Platz elf sehr schlecht ab und gehört nur zum unteren Mittelfeld. Die nordischen Länder Dänemark, Schweden und Finnland führen in diesem Bereich das Ranking an. „In Deutschland sind vor allem ländliche Gegenden abgeschnitten von schnellem Internetzugang“, so Lorentz. „Das trifft gerade einige Hidden Champions, also wenig bekannte aber auf ihrem Gebiet führende Unternehmen, die ihre Firmenzentrale oft auf dem Land haben. Für sie könnte das zu einem großen Problem werden, wenn immer mehr Maschinen und Produkte miteinander vernetzt werden und über schnelle Internetleitungen miteinander kommunizieren müssen.“

Die Schweiz und Schweden gehören ebenso wie die Niederlande und Dänemark zu den Top 4 Europas über alle Kategorien hinweg. Am schlechtesten schneiden insgesamt die osteuropäischen Staaten Polen, Rumänien, Bulgarien, Kroatien sowie Griechenland ab. Insbesondere die Schweiz sticht heraus. Sie belegt in allen Kategorien den ersten Platz. Einzig bei der Digitalisierung gibt es für die Schweiz keine Auswertung, weil die zugrunde liegenden Quellen lediglich EU-Staaten erfassen.

Europa braucht ebenfalls mehr Investitionen

Auffällig ist insbesondere, dass gerade die größten Volkswirtschaften Europas ausgerechnet bei der Digitalisierung vergleichsweise schwach abschneiden: Neben Deutschland auf Platz elf geben auch Frankreich auf Platz 17 und Italien auf Platz 25 keine gute Figur ab. Am besten schneidet noch das Vereinigte Königreich auf Platz sechs ab. „Europas wirtschaftlichen Zugpferde müssen aufpassen, dass sie sich nicht zu sehr auf ihrer Vergangenheit ausruhen“, warnt Dr. Ferdinand Pavel, Executive Director bei EY und Leiter volkswirtschaftliche Beratung für den öffentlichen Sektor in Deutschland. „Zukünftiges Wachstum wird wesentlich abhängen von der Leistungsstärke der digitalen und nicht-digitalen Infrastruktur, aber auch von der Qualität von Forschung, Bildung und Gesundheit. Hier sehen wir zum Teil erhebliche Defizite.“

Genauso wie in Deutschland müssten die Investitionen deshalb auch in Europa insgesamt wieder steigen. Um in der Vergangenheit versäumte Investitionen wieder aufzuholen, müssten die jährlichen Investitionsaufwendungen bis 2025 um insgesamt knapp 6,5 Billionen Euro zulegen. (ig)

 

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