Die nächste Revolution im Einkauf

Big Data und Advanced Analytics

Die nächste Revolution im Einkauf

Wunsch und Wirklichkeit klaffen noch weit auseinander. Bisher erfüllen nur vier Prozent der befragten Unternehmen alle notwendigen Voraussetzungen, um Big-Data-Kompetenzen im Einkauf zu entwickeln. Bild: Weltbank
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Big Data wird immer mehr zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor für Unternehmen jeder Größe. Im Einkauf steht die intelligente Analyse und Interpretation „riesiger Datenmengen“ allerdings noch am Anfang. Zwar ist mehr als jeder zweite Einkaufs- und Supply-Chain-Manager davon überzeugt, dass Big Data bis 2025 zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für sein Unternehmen wird. Doch bisher haben die meisten noch kein klares Ziel, wie sie den Megatrend zum eigenen Vorteil ausbauen können.

Das ergab eine Befragung von 75 europäischen Einkaufschefs durch die Strategieberatung Oliver Wyman in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME). Die Studie zeigt die wichtigsten Erfolgsfaktoren und Herausforderungen von Big Data und Advanced Analytics im Einkauf und Supply Chain Management (SCM).

Die Zukunft wird von Big Data dominiert – in vielen Bereichen hat die Revolution bereits begonnen. Schließlich erhöhen sich Masse, Umfang und Tiefe der verfügbaren Daten drastisch. Bisher nutzt das Gros der Unternehmen jedoch vor allem traditionelle Daten (Small Data), die strukturiert und klar definiert sind sowie ein überschaubares Volumen aufweisen. Dagegen ist Big Data gekennzeichnet durch große, komplexe, sehr variable und schwach strukturierte Datensätze. „Die intelligente Analyse und Interpretation von großen Datenmengen sowie die Fähigkeit, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, spielt eine entscheidende Rolle für den künftigen Geschäftserfolg“, erklärt Christian Heiss, Partner und Einkaufsexperte bei Oliver Wyman.

Lieferantenmanagement und Kostenmodellierung

Zwar haben auch die Einkaufsmanager dieses Potenzial bereits erkannt, doch die Umsetzung steht noch am Anfang. Für 55 Prozent der Befragten ist Big Data für ein erfolgreiches Weiterbestehen am Markt im Jahr 2025 nicht mehr wegzudenken. Bei der Einschätzung spielt jedoch die Größe des Unternehmens eine wichtige Rolle. So halten 73 Prozent der Befragten aus Großkonzernen mit mehr als eine Milliarde Euro Umsatz Big Data für absolut erfolgsentscheidend. Bei Unternehmen zwischen 100 Millionen Euro und eine Milliarde Euro Umsatz sind es noch 58 Prozent, in der Umsatzklasse weniger als 100 Millionen Euro dagegen lediglich 43 Prozent. „Die Vorteile von Big Data im Einkauf liegen vor allem in Verbesserungen des Risikomanagements, der Lieferantenforschung, der vorausschauenden Beschaffung sowie der Preis- und Kostenmodellierung“, betont BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch.

Doch Wunsch und Wirklichkeit klaffen noch weit auseinander. Bisher erfüllen nur vier Prozent der befragten Unternehmen alle notwendigen Voraussetzungen, um Big-Data-Kompetenzen im Einkauf zu entwickeln. Lediglich 21 Prozent haben ein klares Ziel oder eine Vision, nur elf Prozent einen konkreten Umsetzungsplan. Die Gründe dafür liegen vor allem in einer fehlenden internen Unterstützung, sagen drei von vier Führungskräften. Dagegen scheinen die finanziellen Mittel zumindest bei größeren Unternehmen kein Engpass zu sein. Nahezu jeder zweite Großkonzern verfügt über genügend Budget für Investitionen in Big Data, bei Mittelständlern ist es fast ein Drittel. Engpässe gibt es bei kleinen Firmen – so haben lediglich 15 Prozent ausreichend Geld für die neue Technologie.

Die wichtigsten Hebel für die Nutzung von Big Data sehen die befragten Einkaufs- und SCM-Manager im Aufbau einer geeigneten Datenbasis und IT-Umgebung im Unternehmen. Hinzu kommen die Qualifikation der Mitarbeiter sowie eine bessere Zusammenarbeit mit anderen Bereichen innerhalb der Organisation.

Datenaustausch wird erfolgskritischer Faktor

Insgesamt hängt die intelligente Nutzung von Big Data auch von weiteren wichtigen Veränderungen im Einkauf ab. In Zukunft werden nach Einschätzung der befragten Experten vor allem „klassische“ Einkäufer, SCM-Mitarbeiter und Ausschreibungen nach heutigen Standards an Wichtigkeit verlieren. Für jeden zweiten wird auch die persönliche Beziehung mit Zulieferern für weniger umsatzstarke Warengruppen deutlich zurückgehen. Dagegen werden im Jahr 2025 eine State-of-the-Art-Datenbasis und ein verbesserter Datenaustausch mit Zulieferern und Kunden zu erfolgskritischen Faktoren aufsteigen.

Künftig wird nach Überzeugung der Analysten von Oliver Wyman auch die Zahl der Mitarbeiter in Procurement und SCM stark abnehmen. So erwarten die Befragten den größten Rückgang im operativen Einkauf (ein Minus von 37 Prozent), gefolgt vom strategischen Einkauf (24 Prozent Minus) und dem Supply Chain Management (24 Prozent weniger). Gleichzeitig wandelt sich das Anforderungsprofil der Mitarbeiter. Standen bisher Qualifikationen wie Verhandlungsgeschick und Geschäftssinn im Vordergrund, so braucht das Procurement von morgen „Data-driven Performance Manager” mit fortgeschrittenen Analyse- und Data Science Skills.

Umgang mit Small Data in den Griff bekommen

„Zweifelsohne werden Big Data und Advanced Analytics viele Bereiche des Einkaufs in den nächsten Jahren deutlich verändern. Um auf die Gewinnerseite zu kommen, sind die Procurement Manager gefordert, diesem Thema höchste Priorität einzuräumen“, kommentiert Sören Juckenack, Principal von Oliver Wyman. An erster Stelle sollten klare Ziele und Umsetzungspläne stehen. Außerdem müssten die Beschaffungsabteilungen zunächst den Umgang mit Small Data in den Griff bekommen, bevor sie Big Data beherrschen könnten. Gleichzeitig sollte der Einkauf schon heute beginnen, seinen Talentpool anzupassen und die Know-how-Lücken bei Big Data schließen – sei es durch Fortbildungen oder Neueinstellungen von Spezialisten. Wer nicht heute begänne, die Weichen zu stellen, riskiere im Wettbewerb verdrängt zu werden. Wer die Chancen nutze, werde zu den Gewinnern zählen. (ig)

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