Gegenwind für die DAX-Konzerne

Umsatz stagniert, Gewinn sinkt zweistellig

Operativ läuft es bei den meisten Unternehmen nicht schlecht – im zweiten Quartal häuften sich allerdings Sondereffekte, die vor allem die Gewinne der Autobauer sinken ließen. Bild: Deutsche Börse
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Für die DAX-Konzerne lief es im zweiten Quartal insgesamt nicht rund: Zum einen führte der starke Euro zu deutlichen Umsatzeinbußen von fast zehn Milliarden Euro. Um gerade einmal 0,5 Prozent wuchs der Gesamtumsatz der Unternehmen – währungsbereinigt ging es immerhin um 3,4 Prozent aufwärts. Nachdem der Gewinn der DAX-Konzerne im ersten Quartal noch auf ein neues Rekordniveau geklettert war, verzeichneten die Unternehmen im zweiten Quartal ein zweistelliges Minus: Der operative Gewinn sank um elf Prozent von 37,2 auf 33,2 Milliarden Euro. Immerhin 19 Unternehmen wiesen ein niedrigeres EBIT aus als im Vorjahresquartal.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY auf der Basis der Geschäfts- beziehungsweise Quartalsberichte der im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen. Die höchsten Gewinne fuhren demnach trotz Einbußen weiter die Autohersteller sowie der Versicherungskonzern Allianz ein: Volkswagen erwirtschaftete ein EBIT von 3,9 Milliarden Euro und belegt damit den Spitzenplatz im Gewinnranking, gefolgt von der Allianz (3,0 Milliarden Euro), BMW und Daimler (2,7 bzw. 2,6 Milliarden Euro). Beim Umsatzwachstum führen im zweiten Quartal Vonovia (plus 15 Prozent) Covestro (plus zehn Prozent) und Bayer (plus neun Prozent) die Rangliste an. Die stärksten Umsatzeinbußen verzeichneten die beiden Energieversorger RWE und Eon (minus 11 bzw. 16 Prozent).

Trotz der durchwachsenen Umsatz- und Gewinnentwicklung stellten die DAX-Konzerne weiter kräftig ein: Die Zahl der Mitarbeiter stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut 120.000 beziehungsweise 3,3 Prozent auf fast 3,9 Millionen. Bei sieben Unternehmen lag die Beschäftigung unter dem Niveau des Vorjahres, die große Mehrzahl verzeichnete hingegen ein Beschäftigungsplus.

Ungünstige Währungseffekte

„Operativ läuft es bei den meisten Unternehmen nicht schlecht – im zweiten Quartal häuften sich allerdings Sondereffekte, die vor allem die Gewinne der Autobauer sinken ließen“, kommentiert Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei EY. „Hinzu kamen ungünstige Währungseffekte, die sowohl die Umsatz- als auch die Gewinnentwicklung stark negativ beeinflussten.“ Obendrein belasteten hohe Investitionen die Margen der Unternehmen – denn trotz aller konjunkturellen und politischen Risiken gäben die deutschen Top-Konzerne bei den Investitionen weiter Gas: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung seien im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut neun Prozent auf 12,7 Milliarden Euro gestiegen. Und auch bei der Beschäftigung sei zur mit fast 3,9 Millionen ein neuer Rekordwert erreicht worden.

„Die DAX-Konzerne bleiben insgesamt zuversichtlich und setzen auf Angriff: Sie stocken die Belegschaft auf und investieren in neue Produkte, Technologien und Geschäftsmodelle. Und gleichzeitig befinden sich viele Unternehmen in einem grundlegenden Umbau mit dem Ziel, schlagkräftiger und flexibler zu werden“, beobachtet Meyer. „Dafür müssen vorübergehend gewisse Einbußen beim Gewinn in Kauf genommen werden. Letztendlich machen hohe Zukunftsinvestitionen und agilere Strukturen die Unternehmen aber wettbewerbsfähiger.“

Politische Krisen belasten

Schwerer als diese Einmalbelastungen wiegen nach Meyers Ansicht allerdings die grundsätzlichen Verschiebungen der Rahmenbedingungen in der Weltwirtschaft. Der Handelskrieg zwischen den USA und China führt laut der Studie inzwischen zu spürbaren Einbußen auch für deutsche Unternehmen. Die vorläufige Entspannung im Verhältnis zwischen der EU und den USA ist zwar erfreulich, eine dauerhafte Lösung ist das aber noch nicht. Und auch der aktuelle türkisch-amerikanische Handelskonflikt führt zu Kollateralschäden bei deutschen Unternehmen.

„Internationale Konflikte werden verstärkt auf dem Gebiet der Handelspolitik ausgetragen – die weltweit tätigen Konzerne drohen dabei zum Spielball nationaler Interessen zu werden, wobei ihre Einflussmöglichkeiten begrenzt sind“, ergänzt Meyer. „Wir sehen eine zunehmende Auflösung etablierter internationaler Strukturen, die Rückkehr des Nationalstaats und die Abkehr vom Multilateralismus.“ Diese neue Realität sei für Konzerne, die seit vielen Jahren von der Globalisierung und dem freien Handel erheblich profitiert hätten, ein Paradigmenwechsel. Die Zeiten berechenbarer politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen seien vorbei. Gerade stark internationalisierte Unternehmen müssten heute enorm auf der Hut sein und immer bereit und in der Lage sein, ihre Lieferketten anzupassen.

Europa und Asien-Geschäft im Plus, US-Umsätze rückläufig

Relativ gut entwickelten sich im ersten Quartal die Umsätze in Europa und in Asien, die jeweils um fast drei Prozent zulegten, während die Umsätze in Nordamerika um fast drei Prozent sanken. Obwohl sich die US-Wirtschaft derzeit sehr stark entwickelt – nicht zuletzt angefacht durch die US-Steuerreform –, verzeichneten die deutschen Unternehmen auf dem nordamerikanischen Markt Einbußen, die allerdings auf Währungseffekte zurückzuführen sind. Operativ sei die Lage in den USA derzeit durchaus zufriedenstellend, so die Studienmacher.

Schuldenkrise könnte eskalieren

Europa bleibt mit einem Umsatzanteil von 51 Prozent aber das wichtigste Standbein der DAX-Unternehmen, und hier entwickeln sich die Geschäfte gut. „Die europäische Wirtschaft erholt sich weiter, und gerade Länder wie Frankreich und Spanien sorgen – neben dem deutschen Heimatmarkt – für Wachstumsimpulse“, berichtet Mathieu Meyer. Allerdings sei auch die Lage in Europa nicht unkritisch. Die Schuldenkrise könne bei einer Zinswende jederzeit wieder eskalieren, die Brexit-Verhandlungen kämen nicht voran, und nun stehe auch die Türkei auf der Kippe.

Optimistisch ist Meyer hingegen für das Asien-Geschäft: „Asien mit seinem wachsenden Wohlstand und der konsumfreudigen Mittel- und Oberschicht gerät immer stärker in den Fokus der deutschen Unternehmen: Hier entstehen die Trends von morgen, hier gibt es noch erhebliches Wachstumspotenzial. Zudem bewegt sich derzeit einiges im europäisch-asiatischen Verhältnis: Die EU und Japan haben das Freihandelsabkommen Jefta unterzeichnet, China hat die Einfuhrzölle auf europäische Autos gesenkt und ausländischen Unternehmen Mehrheitsbeteiligungen an chinesischen Unternehmen erlaubt.“ (ig)

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