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Weltweit weniger Börsengänge

Weltweit weniger Börsengänge
Deutschland stärkstes IPO-Jahr

Während der US-Markt dank der guten Konjunkturentwicklung, steigender Gewinne und vielversprechender IPO-Kandidaten weiter auf Wachstumskurs ist, scheint derzeit vor allem der europäische Markt unter den wachsenden Unsicherheiten aufgrund geopolitischer Risiken zu leiden. Bild: NYSE
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Auch im dritten Quartal haben weltweit weniger Unternehmen den Schritt aufs Parkett gewagt als im Vorjahr: Die Zahl der Börsengänge sank um 22 Prozent auf 302, das Gesamtvolumen stieg aber – vor allem dank einiger sehr großer IPOs in China – um neun Prozent auf 47 Milliarden US-Dollar. Vor allem in Europa hat sich das IPO-Klima zuletzt eingetrübt – mit einem Rückgang der Zahl der Börsengänge um 23 Prozent auf 33 und einem sogar um 91 Prozent geschrumpften Emissionserlös. Das sind Ergebnisse des aktuellen weltweiten IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY (Ernst & Young).

Auch in China sind die IPO-Aktivitäten rückläufig – gestiegene regulatorische Anforderungen und ein langsamerer Freigabe-Prozess führten im dritten Quartal zu weniger Neuemissionen gerade an den chinesischen Festlandsbörsen. Die Zahl der IPOs in China (einschließlich Honkong) sank um 44 Prozent auf 80. Das Emissionsvolumen verdoppelte sich hingegen aufgrund einiger sehr großer Neuzugänge an der Hongkonger Börse auf 26 Milliarden US-Dollar. Die Börse Hongkong hatte neue Zulassungsbestimmungen erlassen, was aktuell zu einem starken Zustrom an Börsenneulingen führt.Sehr stark entwickeln sich derzeit die USA, wo die Zahl der IPOs um 31 Prozent auf 47 stieg. Das Emissionsvolumen kletterte sogar um 150 Prozent auf 12,4 Milliarden US-Dollar.

In Deutschland gab es im dritten Quartal mit dem IPO der creditshelf AG zwar nur einen Börsengang, im bisherigen Jahresverlauf wurden aber immerhin 15 Transaktionen mit einem Emissionsvolumen von insgesamt rund neun Milliarden US-Dollar gezählt – zudem zog es mit dem Kochboxen-Startup Marley Spoon ein deutsches Unternehmen an die australische Börse. Insgesamt liegen die IPO-Aktivitäten damit bereits jetzt über dem Vorjahresniveau, als im Gesamtjahr 14 Transaktionen deutscher Unternehmen im Gesamtvolumen von 3,7 Milliarden US-Dollar registriert worden waren. Und mit mehreren namhaften IPO-Kandidaten, die ihre Börsenpläne bereits publik gemacht haben, wird 2018 voraussichtlich das stärkste IPO-Jahr seit dem Jahr 2000.

Während der US-Markt dank der guten Konjunkturentwicklung, steigender Gewinne und vielversprechender IPO-Kandidaten weiter auf Wachstumskurs ist, scheint derzeit vor allem der europäische Markt unter den wachsenden Unsicherheiten aufgrund geopolitischer Risiken und aufgrund der neuen US-Handelspolitik zu leiden. In Großbritannien sank die Zahl der IPOs im bisherigen Jahresverlauf um 30 Prozent auf 37, im dritten Quartal sogar um 47 Prozent auf 10. „Der bevorstehende Brexit führt derzeit zu Unsicherheiten auf den Kapitalmärkten und dämpft das IPO-Klima in Europa, insbesondere aber auf dem wichtigen britischen Markt“, beobachtet Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY.

Dennoch rechnet Steinbach mit einem insgesamt guten vierten Quartal und einem Wachstum der Emissionserlöse im Gesamtjahr: „Der US-Markt boomt weiter, und zunehmend drängen weltweit sogenannte Unicorns – also stark wachsende Jungunternehmen primär aus dem Technologiesektor mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarden US-Dollar – an die Börsen und sorgen für eine steigende Zahl von Megadeals. Für dieses Jahr rechnen wir weltweit mit etwa zwei Dutzend solcher Unicorn-IPOs.“

Die größten IPOs in Hongkong

Die weltweit größten Börsengänge fanden im bisherigen Jahresverlauf in Hongkong statt: Der Sendemastbetreiber China Tower sammelte 6,9 Milliarden US-Dollar ein, der chinesische Smartphone-Produzent Xiaomi erlöste bei seinem Börsendebut 5,4 Milliarden US-Dollar. Mit einem Volumen von 5,3 Milliarden US-Dollar war die Erstnotiz von Siemens Healthineers der drittgrößte Börsengang im laufenden Jahr.

Während der Börsenplatz Hongkong einige große Neuzugänge verzeichnen konnte, waren die IPO-Aktivitäten in China (ohne Hongkong) im dritten Quartal weiter rückläufig, was zum einen an strengeren Regularien seitens der Aufsichtsbehörden, zum anderen aber auch an zunehmenden Sorgen über den US-chinesischen Handelsstreit und die Auswirkungen auf die chinesische Konjunktur zurückzuführen ist. Das Emissionsvolumen sank um 57 Prozent auf 3,2 Milliarden US-Dollar, die Zahl der Börsengänge ging sogar um 78 Prozent auf 23 zurück. Immerhin: Die Pipeline an IPO-Kandidaten, die sich bei den chinesischen Regulierungsbehörden registriert haben, ist mit 290 Unternehmen weiter sehr gut gefüllt.

Im Börsen-Ranking liegt Hongkong derzeit mit einem Emissionsvolumen von 29,4 Milliarden US-Dollar und 153 Transaktionen in den ersten drei Quartalen auf dem ersten Platz, gefolgt von der New York Stock Exchange (25,9 Milliarden US-Dollar, 48 IPOs). Die Deutsche Börse belegt mit 9,0 Milliarden US-Dollar und 15 IPOs im bisherigen Jahresverlauf den fünften Platz.

Deutschland vor heißem IPO-Herbst

Anders als der europäische Gesamtmarkt entwickelte sich Deutschland im bisherigen Jahresverlauf gut: Die Zahl der Transaktionen hat sich im Vergleich zum Vorjahr von acht auf 15 fast verdoppelt, das Emissionsvolumen hat sich sogar von 2,3 auf 9,0 Milliarden US-Dollar mehr als verdreifacht. Und weitere Börsengänge sind für die kommenden Monate terminiert: Für den 2. Oktober ist die Erstnotiz des Elektroroller-Herstellers Govecs vorgesehen, auch der Bremsenhersteller Knorr-Bremse hat seine Börsenpläne bereits publik gemacht. Mit weiteren Ankündigungen sei zu rechnen, so Steinbach: „Etliche Unternehmen – sowohl klassische Industriekonzerne als auch Technologieunternehmen – stehen derzeit in den Startlöchern. Gut möglich, dass in den kommenden Monaten noch einige namhafte Börsenneulinge dazu kommen.“

Die Konjunkturentwicklung sei immer noch gut, und die Zinsen dürften in Europa weiter sehr niedrig bleiben, so Steinbach. Zudem sei das Bewertungsniveau an den Börsen nach wie vor hoch. „Es spricht daher dafür, dass wir einen Jahresendspurt auf dem deutschen IPO Markt sehen werden – das IPO-Fenster ist derzeit – geöffnet.“ In Deutschland seien in diesem Jahr mehr als 18 Börsengänge realistisch, so Steinbach: „2018 ist ein bemerkenswert starkes IPO-Jahr – auch angesichts der geopolitischen Risiken und des bevorstehenden Brexits. Allerdings könnte etwa eine erneute Zuspitzung der internationalen Handelskonflikte jederzeit wieder für Unruhe an den Märkten sorgen.“ (ig)


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